Vorstand Verein NESTROY Spiele Schwechat
- Obmann
Christian Graf - Obmann Stv.
Franz Steiner - Schriftführer
Florian Haslinger - Schriftführer Stv.
Christine Bauer - Kassier
Melina Rössler - Kassier Stv.
Bella Rössler - Ehrenmitglied
Peter Gruber
Auf Empfehlung von Dallansky engagierte er Peter Gruber, einen jungen professionellen Regisseur, der mit ihm und seinen Amateuren zwei Einakter einstudieren sollte, und proklamierte die Nestroy-Spiele Schwechat. Eine Art Probelauf, ein Provisorium.
Die Reaktion war verblüffend und mehr als ermutigend, teilweise geradezu enthusiastisch. Gerade die Anonymität des Ensembles, die das Stück und dessen Inhalt in den Vordergrund treten ließ, überzeugte. Seine uneitle, überbordende Spiellaune begeisterte Publikum und Presse ebenso wie Form, Schärfe und Intelligenz der Interpretation. Die Resonanz war derart positiv, dass man sich entschloss, in dieser erfolgversprechenden semiprofessionellen Konstellation weiterzumachen – „Nestroy pur“ in der Vorstadt von Wien, ohne große Gelder und ohne prominente Namen.
Bei den alljährlichen Theateraufführungen im Schlosshof der Rothmühle hatte sich schon sehr bald ein eigener Spielstil entwickelt, der sich von den gängigen, harmlos-gefälligen Nestroy-Darbietungen abhob.
Ging es in den ersten Jahren primär um Suche, Entdeckung und Eroberung der Nestroy´schen Sprachwelten und des Raumes, in dem sie sich am besten entfalten konnten, so wuchs in den 80er-Jahren der Wunsch, mit Nestroys Texten noch besser auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen reagieren zu können. Das Schwergewicht verlagerte sich auf die sozialkritischen, politisierenden Stücke des Vormärz und der Revolution.
Mit einer frechen, unhistorischen Deutung und partiellen Bearbeitung von „Freiheit in Krähwinkel" begann eine neue Entwicklung, hin zu einer unverblümteren Gegenwartskritik, die über das Singen von Zusatzstrophen weit hinausging. Auch die Ästhetik löste sich allmählich vom musealen Biedermeier-Klischee.
Im Ensemble hatte nach Walter Mocks Ableben bereits Mitte der 80er-Jahre ein Generationswechsel eingesetzt. Die Protagonisten der ersten Stunde (Walter Sailer, Horst Kummerfeld, Erika Stepan, Dietmar Liegl, Fritz und Gertrude Pfertner) zogen sich allmählich zurück und übergaben die Verantwortung an Jüngere, die den gefundenen Spielstil weiterentwickelten und verfeinerten.
Nun bildeten Robert Herret, Franz Steiner, Bruno Reichert, Susanne Urban (Adametz), Willibald Mürwald, Traude und Poldi Selinger, Bella Böhm (Rössler), Andreas Bauer, Sylvia Smaha (Hartel), Sabine und Sissy Stacher und Peter Koliander den Kern der Truppe, zu der mit der Zeit neue Spieler*innen dazustießen, u.a. Peter und Evelyne Bollafio, Horst Salzer, Regine Ban-Korsos (Rieger), Andreas und Gabriele Herbsthofer, Sascha Nikodym, Harald Schuh und Peter Kuno Plöchl. Von „Amateuren“ war schon bald kaum mehr die Rede, eher von den Nestroy-Spielen Schwechat als „Hecht im Karpfenteich“ des sommerlichen Theatergeschehens, von einem Spielort, der immer für Überraschungen gut war.
Allerdings stieg auch die Erwartungshaltung bei Medien und Zuschauern von Jahr zu Jahr, ebenso die eigenen Ansprüche - künstlerisch, technisch und organisatorisch – und ringsum schossen Festspiele aller Art aus dem Boden, die – mit weitaus größerem Budget und prominenten Besetzungen – oft auch bekannte und beliebte Nestroy-Stücke anboten. Der innere und äußere Druck wuchs, während die Förderungen stagnierten.
Als sich nach Herta Mock, die über 20 Jahre lang die Spiele kostümlich betreut hatte, auch Herbert Ortmayr als musikalischer Leiter, Alfred Stepan als Beleuchtungschef und Franz Schulczik als Tonmeister zurückzogen, entstand ein Vakuum, das ohne entsprechende finanzielle Mittel so schnell nicht gefüllt werden konnte. Das Ende der Nestroy-Spiele stand im Raum. In dieser äußerst prekären Situation bat Peter Gruber befreundete Kollegen, die er vom Berufstheater her kannte, um Hilfe. Sie alle wussten, dass kaum Geld da war – aber sie fanden das Projekt und die Menschen, die sich so ambitioniert dafür einsetzten, einfach toll. Und sie stiegen ein – mit viel Empathie und Idealismus. Dadurch gelang es, das Ensemble (das bisher auch beim Bühnenbau, Kostümeschneidern und Requisitenbasteln mitgearbeitet hatte und dabei oft an seine Grenzen ging) ein wenig zu entlasten und die inzwischen erreichte Qualität nicht nur zu halten, sondern sogar zu steigern. Einige dieser professionellen „HelferInnen“ blieben für länger. Viele kamen und kommen gerne wieder, auch wenn man sie hier noch immer nicht so bezahlen kann wie anderswo.
Großartige Theaterleute wie Andrea Bernd, Nora Scheidl, Peter Giljum, Alexandre Collon, Okki Zykan, Tina Prichenfried und Andrea Költringer sorgten für spannende Bühnenlösungen und stimmige Kostüme; Charly Apfelbeck, Fritz Gmoser, Robert Vamos, Thomas Nichtenberger und Harald Toescher arbeiteten an der Perfektionierung von Licht und Ton; Günter Lickel übernahm die technische Leitung und den Bühnenbau; Christian Sturtzel die Spezial-Effekte; und als Musiker schufen Kurt Adametz, Otmar Binder, Tommy Hojsa, Charly Leschanz, Erich Meixner, Sigrid Reisenberger und der Schöpfer der „Staatsoperette“, Otto F. Zykan, mit einer außergewöhnlichen neuen Höllenangst-Vertonung Hörerlebnisse, die Nestroys Texte aus dem Klischee des Allzubekannten befreiten.
Unter jenen Profis, die sofort und auf Dauer hängenblieben, war auch die Co-Direktorin des legendären Ensembletheaters am Petersplatz, Christine Bauer. Sie wurde alsbald zur „Seele“ der Nestroy-Spiele, übernahm die Verantwortung für Organisation, Werbung und Finanzen und stand Peter Gruber auch dramaturgisch und künstlerisch zur Seite. Mit ihrem Know-how, einem professionellen Stab und neuem Elan ging es also weiter - in Richtung Jahrtausendwende. Die ein paar Jahre zuvor in einem Couplet ausgesprochene Befürchtung „Mir is nit geheuer! Kommt a neu´s Biedermeier?“ war inzwischen Realität geworden.
Das Publikum schien kritische Inhalte, wenn überhaupt, nur noch in kulinarischer, opulenter Verpackung akzeptieren zu wollen. So war es naheliegend, auf Nestroys (scheinbar) harmlosere, „buntere“ Stücke der Frühzeit, also die des Biedermeier, zurückzugreifen.
Das wiederum ermöglichte die Wiederentdeckung und Rehabilitierung zahlreicher, als unspielbar geltender Werke wie „Robert der Teuxel", „Die Papiere des Teufels", „Abentheuer in der Sklaverey" oder „Adelheid, die verfolgte Wittib". Dabei verzichtete die Interpretation weiterhin auf historisch-museale Authentizität. Sie setzte auf behutsame Bearbeitungen und suchte den Gegenwartsbezug, um so den Geist des Stückes und dessen Grundintention auch heute noch spürbar werden zu lassen.
Der enorme Erfolg dieser meist aufwändigen Produktionen überdeckte ein schwelendes Problem, das mit der Zeit immer sichtbarer wurde.
Der Zusammenbruch des Ostblocks und „Mehr privat, weniger Staat!“ hatten zu einer weiteren Verschärfung der Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt geführt, und das begann sich nun auch auf das Ensemble auszuwirken. Viele konnten sich das leidenschaftlich betriebene Hobby finanziell, bzw. kräfte- und zeitmäßig einfach nicht mehr leisten und mussten schweren Herzens – teils aus beruflichen, teils aus privaten Gründen – aufgeben.
Andere wiederum, wie etwa Michaela Mock, Julia Höfler und Leopold Selinger hatten die Schauspielerei zu ihrem Beruf gemacht, mussten also davon leben und waren in der Schwechater Proben- und Aufführungszeit meist nicht mehr verfügbar.
Ende der 90er-Jahre war auch Robert Herret ausgeschieden. Er hatte 25 Jahre lang die Spiele entscheidend mitgeprägt, und war nun ganzjährig mit der Kabarett-Gruppe Die Brennesseln unterwegs. Fast gleichzeitig nahm mit Franz Steiner ein weiterer wesentlicher Protagonist des Ensembles eine längere Auszeit. Hauptrollen gut und stimmig zu besetzen wurde also immer schwieriger.
Es schien der Augenblick gekommen, den verbliebenen Rest der Nestroy-erprobten Truppe mit Profischauspielern zu konfrontieren – mit „special guests“.
Herret hatte die Idee, den bekannten Schauspieler und Kabarettisten Kurt Sobotka, der gerade bei den Brennesseln Regie führte, zu fragen, ob er nicht Lust hätte, im Sommer Nestroy zu spielen, und der ließ sich nicht lange bitten. Seinem Stammhaus, dem Theater in der Josefstadt, zum Trotz feierte er 1999 inmitten des Schwechater „Amateur“-Ensembles als Herr von Ledig in „Unverhofft" sein glanzvolles 50jähriges Bühnenjubiläum. Im Jahr darauf gab Michael Scheidl sein erstes Gastspiel – als Dichter Leicht in „Weder Lorbeerbaum, noch Bettelstab". Und auch Peter Gruber selbst ließ es sich ein paar Saisonen später nicht nehmen, das erste Mal mit seinem Ensemble gemeinsam in der eigenen Inszenierung von „Umsonst" auf der Bühne zu stehen – in der Nestroy-Rolle des Pitzl.
Es spielte längst keine Rolle mehr, ob jemand haupt- oder nebenberuflich mit dabei war. Wer es sich finanziell leisten konnte, wer Zeit und Lust hatte, die nötige Begabung und die nötige Disziplin, konnte, wenn Bedarf da war, mitmachen bei der jährlichen Hommage an Johann Nestroy. 2001 feierte man Nestroys 200. Geburtstag mit einem großen Fest im Felmayer-Garten.
In den Innenräumen mit einer von Ursula Reisenberger liebevoll gestalteten Ausstellung, im Garten mit musikalischen und theatralischen Darbietungen an mehreren Stationen und einem unglaublichen Abschluss-Feuerwerk von Christian Sturtzel. Von nachmittags bis in die tiefe Nacht hinein flanierten tausende Zuschauer durchs weitläufige Gelände und erlebten Auftritte von Elfriede Ott, Fritz Muliar, Hilde Sochor, Kurt Sobotka, Boris Eder, Andrea Wenzl, Joesi Prokopetz, Wilfried Scheutz, Birgit Doll, Michael Scheidl, Georg Schuchter, Paul Gulda und natürlich auch den Mitgliedern des Schwechater Ensembles.
In der Rothmühle gab´s eine Neuinszenierung von „Die beiden Nachtwandler" – diesmal ohne „special guests“. Aus ensemblepolitischen und finanziellen Gründen versuchte man, wenn möglich, ohne sie auszukommen. Und das gelang, weil in den Jahren zuvor einige hochtalentierte junge Leute zur Truppe gestoßen waren. Vor allem Florian Haslinger und Christian Graf hatten in kleineren Rollen auf sich aufmerksam gemacht, konnten nun größere Parts übernehmen und prägten so die weiteren Jahre.
Immer wieder ging es darum, nicht in Routine zu verfallen, sondern jedes Jahr neue Farben und Facetten des Nestroy´schen Oeuvres zu präsentieren. Inhaltlich mit der ganzen Bandbreite von den bekannteren bis zu völlig unbekannten, bzw. heiteren, helleren bis zu den ernsteren, dunkleren Stücken. Formal mit verblüffenden Bühnenlösungen, einer stück-adaequat modifizierten Ästhetik und/oder einem oft überraschenden, ungewohnten musikalischen Background.
So gab es - nach einer umjubelten Aufführung von „Das Mädl aus der Vorstadt" 2002 (mit Franz Steiner als Schnoferl und einem dritten Akt im Swimmingpool) – im Folgejahr eine gewagte, höchst anspruchsvolle Version von Nestroys wohl bitterstem, verzweifeltstem Stück „Höllenangst" (mit der Musik von Otto F. Zykan und Christian Graf als Wendelin). Unmittelbar danach als Kontrastprogramm das eher heitere, quirlige „Nur Keck" im Stil der 1920er-Jahre (mit Neukompositionen von Otmar Binder) sowie eine Serie von spannenden und höchst erfolgreichen Aufführungen unterschiedlicher, meist völlig unbekannter Stücke.
Als gegen Ende des vierten Dezenniums einige wesentliche Darsteller*innen nicht mehr dabei sein konnten, stand erneut ein Umbau des Ensembles im Raum. Es mussten frische Kräfte her, die Interesse hatten und bereit waren, unter diesen Bedingungen zu arbeiten.
Mit Valentin Frantsits, Benjamin Turecek, Eric Lingens, Rebecca Döltl, Rafael Wieser, Christian Leutgeb, Max G. Fischnaller, Lilian Jane Gartner, Ines Cihal, Michelle Haydn, Marc Illich, Rahel Kislinger, Elisabeth Spiwak, Michaela Prendl, Lukas Aschenreiter u.v.a. fand man sehr rasch ambitionierte, teils hochtalentierte junge Schauspieler*innen, die hier wichtige Erfahrungen mit Nestroy und dem Freilufttheater machen konnten – die meisten davon Absolventen oder Studierende der Schauspielakademie Ott, an der die Beschäftigung mit österreichischer Literatur seit jeher ein Schwerpunkt ist.
Aber auch ältere, versierte Charakter-Darsteller wie Ottwald John, Erwin Leder und zuletzt Rainer Doppler und Oliver Baier nutzten die Möglichkeit, sich hier wieder einmal ernsthaft mit Nestroy auseinanderzusetzen. Zusammen mit den bewährten Urgesteinen des Ensembles sorgten sie in den letzten Jahren für hohe Qualität und Vitalität.
Was aber bringt all diese höchst unterschiedlichen Menschen dazu, sich alljährlich bei den arbeits- und zeitintensiven Lowbudget-Produktionen in der Rothmühle so zu engagieren? Die Antwort ist relativ einfach: Die lustvolle und zugleich professionelle Auseinandersetzung mit Nestroys wunderbaren Texten; der „genius loci“ des für Theater wie geschaffenen Ambientes; der kaum noch irgendwo zu findende Ensemblegeist; die familiäre, lockere Atmosphäre, frei von Eitelkeit und zermürbenden Rivalitäten; und – last, but not least - eine Reihe hochinteressanter, kaum gespielter Werke eines genialen Autors, die es auf der Bühne wiederzuentdecken gilt.
Und so sind die Nestroy-Spiele trotz aller Modifikationen auch in ihrem 50. Jahr geblieben, was sie von Anfang an waren: ein heißgeliebtes, hochgelobtes und trotzdem stets gefährdetes, im Grunde „unmögliches“ Unikum in der bunten Sommertheater-Landschaft. Ein kleiner, aber sehr lebendiger Fixstern im Theaterfest Niederösterreich – getragen von viel Idealismus, oft an Selbstausbeutung grenzendem Enthusiasmus und der Liebe zur Sache.
Durchaus denkbar, dass auch noch in kommenden Jahrzehnten der schon oft zitierte Satz jener namhaften Kritikerin des Wochenmagazins profil Gültigkeit haben wird, die schrieb: „Was Nestroy betrifft, ist Wien eine Vorstadt von Schwechat“.
Peter Gruber, anlässlich 50 Jahre NESTROY Spiele Schwechat
1244 wird die Pfarrkirche St.Gilgen im damaligen Wiener Vorort Gumpendorf geweiht. Vogt der Kirche ist Ullrich Kapellen, ein „Waffengefährte“ Rudolf’s I. von Habsburg. Der Kirche wird zu ihrer Finanzierung die Grundherrlichkeit über das Gebiet der (späteren) Rannersdorfer Rothmühle verliehen.
1305 wird beurkundet, dass der Meister „Chunrat, der Mulner“, die Mühle, „die da leit oberhalben der Swechent in dem grunde derhalben des wazzers“, zur Hälfte an seinen Schwiegersohn als Morgengabe zur Hochzeit seiner Tochter Margarete gegeben hat.
1335 Die Mühle wird an den Deutschen Ritterorden verkauft und bleibt dann 89 Jahre in dessen Besitz.
1424 Hans Nötter kauft die Mühle samt der großen Wiese vom Deutschen Ritterorden auf „Leibgeding“ (zu ihren Leben und Lebtag). Eine Vielzahl von Besitzern folgt durch die nächsten Jahrzehnte.
1593 wird die Mühle von Ambrossy di Ferrari erworben, welcher der Erbauer des Schlosses Rothmühle als befestigter Landsitz sein dürfte. Er lässt sein Wappen über dem Tor zur Schlosskapelle anbringen. Sein 1606 geborener Sohn Alexander, dient dem kaiserlichen Hof als Schatzmeister und wird für seine Verdienste als Ferrari di Grano in den Adelstand erhoben.
1630 wird das Gut vom Angestellten des spanischen Hofes Johann de Abeles erworben. Zum Besitz des Landgutes Rothmühle gehören nun 60,5 Joch Äcker am Frauenfeld und 12 Joch an der Liesing, 4 Tagewerke Wiesen bei Münchendorf, 2 Wiesen bei der Mühle und ein Krautgarten mit Keller. Weitere Mühlenbetreiber folgen nach, die seit der Herrschaft der Familie Ferrari nicht mehr in der Mühle, sondern in der Ortschaft Rannersdorf wohnen.
Ab 1690 scheint das Gut Rothmühle als Eigentum des „kaiserlichen Feldapothekers“ Johann Sigmund Ponz auf. Das Landschloß und die Mühle sind 1683 im Verlauf der 2. Türkenbelagerung durch Brand schwer beschädigt, aber nicht total zerstört worden. Unter Ponz dürfte eine totale Renovierung des Schlosses stattgefunden haben. Kaiser Leopold I. erhebt die Brüder Ponz für ihre Verdienste im Kampf gegen die Türken in den Ritterstand.
Kaiser Karl VI. hat Wien im Jahr 1712 zur Residenz erwählt. Er ist ein großer Jagdliebhaber und sein bevorzugtes Jagdgebiet reicht von (Kaiser-) Ebersdorf bis nach Laxenburg. Der Kaiser pirscht auch gerne in der Schwechat-Au zwischen Lanzendorf und Rannersdorf und ist der Überlieferung nach in Jagdpausen oftmals Gast der Familie Ponz im Schloss Rothmühle.
1751 wird die Mühle eingeschätzt: „Die Mühle mit 5 Gängen (je 150 = 750 Gulden), dabei eine Sägemühle mit einer Säge (60 Gulden). Hausäcker: 69 Joch am Frauenfeld (je 60 = 2070 Gulden), 2 Tagwerk Wiesen bei der Mühle (je 60 = 120 Gulden), 2 Tagwerk Wiesen bei Münchendorf (je 50 = 200 Gulden). Zusammen: 3200 Gulden.“
1756 wird erstmals eine Tuchwalke in der Rothmühle erwähnt.
1769 heiratet die damalige Besitzerin Anna Maria Posch in zweiter Ehe den berühmten Arzt, Naturforscher und Magnetiseur Dr. Franz Anton Mesmer (1734 - 1815). Als Freund der Musikerfamilie Mozart ist er aus ein besonderer Förderer des jungen Wolfgang Amadeus, dem er im Jahr zuvor finanzielle Unterstützung für die Aufführung seine Oper „Bastien und Bastienne“ gewährt hat.
Am 22. September 1773 besuchen der 17jährige Wolfgang Amadeus und sein Vater Leopold Mozart mit ihrem Gönner Dr. Mesmer das Schloss Rothmühle.
Mesmers sensationelle Theorien und Heilmethoden schaffen ihm bald viele Feinde unter den medizinischen Kapazitäten Österreichs. Am Höhepunkt der Auseinandersetzungen verkauft Mesmer die Rothmühle im Jahre 1779 an den Müllermeister Johann Plank um 25.000 Gulden und zieht anschließend nach Paris, wo er als „Modearzt“ der kaiserlichen Gesellschaft für einige Zeit große Karriere macht.
1863 kaufen die Direktoren der Klein-Schwechater-Brauerei, Franz Aich und August Deiglmeyer, die als Verwalter der minderjährigen Halbwaise Anton Dreher II. Fungieren, das Schloss samt Zubauten und den dazugehörigen Grundstücken für ihr Mündel.
Die Dreherische Gutsverwaltung lässt in weiterer Folge nur mehr die Felder bewirtschaften. Die seit dem 14. Jahrhundert bestehende Mühle ist nun funktionslos, die Mahlwerke werden bald darauf abgerissen. In Schloss wohnen zu dieser Zeit nur mehr sechs Leute.
1867 wird im Schloss eine Schafwolldruckerei errichtet.
Am 24. Dezember 1879 bricht im Schloss ein Brand aus, der den Großteil des Holzschindeldaches mitsamt Dachstuhl vernichtet. Nur der rechtsseitige Schlosstrakt bleibt vom Feuer verschont. Nach dem Wiederaufbau des Dachgeschosses das nunmehr gehoben wird, wodurch auch im Dachraum Druckersäle errichtet werden können, wird auch die Zahl der Arbeitnehmer erhöht. Bedruckt werden hauptsächlich Seiden- und Schafwolltücher in den verschiedensten Farben und in bis zu 20 einzelnen Druckvorgängen. Es arbeiten bis zu 400 Arbeiter.
In den Jahren 1901 bis 1910 ist ein starker Absatzrückgang zu verzeichnen. Nun werden hauptsächlich türkische Schals, Turbane und Umhängetücher bedruckt. Die Beschäftigtenzahl sinkt.
1917, im vorletzten Jahr des I. Weltkrieges, wird die Fabrik aus Materialmangel stillgelegt. Bald darauf wird der Fallbach, der von der alten Schwechat („Mühlbach“) abgeleitet, auf der vorderen und der rechten Seite des Schlosses entlangfloss, wo er dann die Mühle (neben Schlosskapelle) betrieb, abgegraben und zugeschüttet.
1920 pachtet die „Wiener Lederindustrie AG“ die Fabriksräume im Schloss und errichtet eine Lederfabrik. Sie erzeugt dort unter anderem auch das zu dieser Zeit hochbegehrte „Boxcalf-Leder“. 10 Jahre später sind bereits 275 Arbeiter und 35 Beamte in der Lederfabrik Rothmühle tätig, die zu dieser Zeit pro Jahr an die 500.000 Kalbfelle verarbeiten, aus denen Oberledermaterial für fast 3 Millionen Paar Schuhe gefertigt wird.
1935 muss auch dieser Betrieb liquidiert werden.
Am 7. Februar 1945, in der Endphase des II. Weltkrieges, wird ein Teil des bereits stark verfallenen Schlosses von mehreren US-Fliegerbomben getroffen, die das historische Gebäude schwersten beschädigen. Nur notdürftig instand gesetzt dient das Schloss in den nächsten zwei Jahrzehnten als Wohnhaus für Arbeiterfamilien und steht schließlich leer.
28. April 1967: Nach einem Kaufangebot und langwierigen Verhandlungen mit der letzten Besitzerin der Rothmühle, Kitty Wünschek-Dreher, einer Enkelin des Brauherrn Anton Drehers II., beschließt der Gemeinderat der Stadt Schwechat den Ankauf des total verfallenen Schlosses. Die Stadt lässt das Schloss in den Jahren 1968 bis 1972 mit einem Kostenaufwand von 8 Millionen Schilling renovieren.
Am 1. Juni 1972 wird das prachtvoll renovierte Schloss, an dessen Ausbau sich aus der Bund finanziell beteilig hat, feierlich eröffnet.
Im Juli 1973 finden die ersten Nestroy-Spiele im Schlosshof der Rothmühle statt.
2001 wurde das Schloss wiederholt durch die Stadtgemeinde Schwechat generalsaniert, inklusive Zubau mit moderner Toilettenanlage und baulichem Anschluss an die Scheune.
2003 fand die feierliche Wiedereröffnung statt.
2025: Im 53. Spieljahr sind die NESTROY Spiele Schwechat aus dem Schwechater Kulturleben und auch der Rothmühle nicht mehr wegzudenken.
PETER GRUBER
Intendant, künstlerischer Leiter, Regisseur und Mitbegründer der NESTROY Spiele von 1973-2022
Am 23. September 1946 geboren, widmete sich der Großneffe von Gustaf Gründgens nach seiner Matura in Wien der Darstellenden Kunst und absolvierte das Max-Reinhardt-Seminar in Schauspiel und Regie. Neben Engagements als Darsteller in Wien, Düsseldorf, Oberhausen, Zürich, bei den Salzburger Festspielen oder den Ruhrfestspielen war er auch in TV-Produktionen von ORF, ZDF und BBC zu sehen.
Ebenso führte auch seine Regietätigkeit Gruber an verschiedene Spielorte, darunter Klagenfurt oder Salzburg, Bregenz oder Düsseldorf, Oberhausen und Zürich. In Wien war er etwa am Volkstheater, der Volksoper, dem Theater an der Wien, dem Theater in der Josefstadt, am Schauspielhaus und Ensemble Theater am Petersplatz als Regisseur tätig. Neben Nestroy galt sein Interesse vorrangig Autoren wie Edward Bond, Caryl Churchill, Franz Xaver Kroetz, Botho Strauß oder Werner Schwab.
Für seine Arbeit wurde Gruber u.a. zweimal mit der Kainz-Medaille für die beste Regie (1974: „Musketiere“, 1984: „Mephisto“) ausgezeichnet. 2009 erhielt er den Kulturpreis des Landes Niederösterreich in der Sparte Darstellende Kunst. 2016 wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen. Peter Gruber war mit seiner markanten Stimme auch Sprecher und Moderator unzähliger Sendungen, Dokumentationen und Hörspiele. So war der Vater von vier Kindern etwa mehr als zwei Jahrzehnte lang die Stimme des „Traummännleins“ im ORF-Radio.
In den 1970er-Jahren wollte ein Proponentenkomitee rund um den Schauspieler Bruno Dallansky und den Autor György Sebestyén in der frisch renovierten Rothmühle ein Nestroy-Sommerspiel initiieren.
Für einen Probelauf mit Amateuren wurde somit von Walter Mock Peter Gruber als Regisseur engagiert. Aus dem Provisorium wurde eine Dauereinrichtung – für deren langjährige Leitung er 2014 beim Nestroy-Preis mit einem Spezialpreis gewürdigt wurde. Nestroy in Schwechat ist stets Garant für aufmüpfiges, politisches, ganz und gar nicht biedermeierliches Theater, für fundierte theaterwissenschaftliche Begleitung sowie für Entdeckungen aus dem breiten Oeuvre des Wiener Dramatikers.
Peter Gruber war 1994 Gründungsmitglied des Theaterfest NÖ und 2022 längstdienender Intendant Österreichs.
Als Gast-Professor für Regie bzw. Schauspiel unterrichtete und inszenierte er mehrmals am Max Reinhardt Seminar in Wien, an der Kunstuniversität Graz und an der Schauspielakademie Elfriede Ott.
2022 übergab er die Leitung der NESTROY Spiele Schwechat im Rahmen des "50 Jahre Festes" feierlich an Christian Graf, dessen schauspielerische Laufbahn in Schwechat im Jahr 2000 begonnen hat.
Gruber ist Vorstandsmitglied der Internationalen Nestroy-Gesellschaft, sowie Ehrenpräsident des österreichischen Sprecherverbandes Voice und Ehrenmitglied der NESTROY Spiele Schwechat.
Auszeichnungen
- 1974: Kainz-Medaille (Förderungspreis) für Regie („Musketiere“)
- 1977: Goldenes Ehrenzeichen der Stadt Schwechat
- 1983: Kainz-Medaille für Beste Regie („Mephisto“)
- 1994: Nestroy-Ring der Stadt Wien für satirische Darstellung
- 1995: Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich für Kultur
- 1996: Gustav-Klimt-Preis
- 2001: Würdigungspreis des Landes NÖ für Kultur
- 2002: Max-Reinhardt-Preis beim Theatertreffen Essen
- 2009: NÖ-Kulturpreis für sein Lebenswerk
- 2011: Good-Friend-Award der Stadt Schwechat
- 2011: Großes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Niederösterreich
- 2014: Nestroy-Theaterpreis Spezialpreis für vier Jahrzehnte Nestroy-Spiele Schwechat
- 2016: Ernennung zum Professor durch den Bundespräsidenten






