Mein Freund

54. NESTROY Spiele Schwechat
27. Juni bis 01. August 2026
Di, Mi, Fr, Sa 20:30

So, 19. Juli 19:00

"Ich hab’ einmahl einen Freund g’habt, und seitdem hab’ ich gar keinen Abscheu mehr vor die Feind’."

Was bedeutet Freundschaft?
Auf wen kann man sich verlassen? Wem vertrauen?
Und hat man heutzutage als gutgläubiger, optimistischer, ja fast schon naiv denkender Mensch überhaupt noch eine Chance?

Auf die Probe gestellte Freundschaft, Verrat, Intrigen und Betrug stehen im Zentrum dieser beinahe melancholischen Komödie – in Nestroys einzigartiger, unverwechselbarer Sprache.

1997 erstmals bei den NESTROY Spielen Schwechat aufgeführt, kehrt diese postrevolutionäre Rarität nun in einer Neuinterpretation in die Rothmühle zurück.

 

 

 

AuszeichnungAuszeichnung des Plakatsujets
vom Art Directors Club Germany an JuliaAquaArt

Mein Freund © JuliaAquaArt (Paul Graf)
© Barbara Pálffy

Regie

Christian Graf
© Barbara Pálffy

Bühne & Kostüm

Andrea Költringer
© Barbara Pálffy

Originalmusik & Klavier

Otmar Binder
© Barbara Pálffy

Regieassistenz & Produktionsleitung

Sophie Hörlezeder
© Barbara Pálffy

Regiehospitanz

Hannah Frühwirth
© Barbara Pálffy

Choreographie

Lorna Dawson
© Barbara Pálffy

Lichtdesign

Harald Töscher
© Barbara Pálffy

Bühnenbau & Mann für Alles

Christoph Weiß
© Barbara Pálffy

Maske

Martina Reitinger

Bühnenrealisierung

Harry Spitzwieser

Kostümassistenz

Luisa Zeitler

Maske

Sophie Pretz, Flora Zobernig

Licht & Ton

Alexander Wanko

Bühnenbau

Martin Miehl, Stefan Puffer

Bühnenmalerei

Thomas Zimbo Zimmermann

Plakat- & Promofotos

JuliaAquaArt

Grafik

Lori Trauttmansdorff

Fotos

Barbara Pálffy
SPALTNER Besitzer einer Druckerei
FANNY seine Tochter
JULIUS FINT
SCHLICHT
HOCHINGER ein Maurer
THERES seine Frau
MARIE beider Tochter
HUMMER Besitzer einer Leihbibliothek
SCHIPPL dessen Ladendienerin
HERR VON STEIN Juwelier
AMALIE VON STEIN seine zweite Frau
CLEMENTINE Steins Tochter aus erster Ehe
MADAME SAUVEGARDE Clementinens Gouvernante
ANTON Bodyguard in Steins Hause
LISETT Personal Assistant in Steins Hause
FELLNER ein Journalist
KOGL ein Widerstandskämpfer im Untergrund
EVA seine Frau
TONI beider Tochter
MADAME VON KARTENBLATT
FRAU ZWIDERWURZ eine Köchin
AUGUSTINA GOLDENSTEIN eine Nonne
STUTZL ein kleiner Junge
KILLER ein Kampfhund
Chi Chi

Vorspiel
Zu Spaltners Bedauern verlässt Julius die Buchdruckerei, um sich selbständig zu machen. – Auftrittslied Schlicht Vorspiel, 3 (R: „Das wär’ so a Stoff jetzt, allein ich verschluck’s, / ’s kennt ja so jeder Mensch die Geschichte des Druck’s.“). – Spaltner möchte Schlicht seine Buchdruckerei übertragen und ihm seine Tochter Fanny zur Frau geben. Doch Schlicht lehnt ab, da er eine andere Frau liebt. Zwar grollt Spaltner ihm nicht, dennoch nimmt er Schlicht das Versprechen ab, aus der Stadt fortzugehen, damit Fanny ihn nicht mehr zu Gesicht bekommt. Großzügig bietet Spaltner Schlicht ein Darlehen an, das dieser ablehnt, zumal Julius ihm dazu rät. Er bittet seinen Freund Julius, seiner geliebten Amalie einen Abschiedsbrief zu bringen. Angeblich in Schlichts Namen bittet Julius Spaltner um das Darlehen und legt einen gefälschten Wechsel über 2.000 Gulden vor. Gerne bezahlt Spaltner das Geld, ist allerdings höchst verwundert, als ihn Schlicht, der es sich anders überlegt hat, kurze Zeit später ebenfalls um das Darlehen bittet. Als Schlicht hört, dass Julius das Geld bereits geholt hat, vertauscht er in einem unbeobachteten Moment den falschen Wechsel gegen einen richtigen und geht. Zwar ist er enttäuscht, dass Julius ihn auf diese Weise hintergangen hat, doch ist er sich sicher: „[…] ich werd noch Freuden, viel Freuden erleb’n an diesem Freund.“

1. Akt
Schippl ist verärgert, weil Marie seit ihrer Anstellung für mehr Kundschaft in der Leihbibliothek sorgt. Er erzählt Theres, Marie habe sich bei der Arbeit in Baron Hohenfint verliebt, und empfiehlt ihr, ihre Tochter aus der Anstellung zu nehmen. Die Familie Hochinger ist sehr erfreut, den seit langen Jahren nicht gesehenen Vetter Schlicht begrüßen zu können. Hochinger, stets bemüht, die Armut der Familie nicht merken zu lassen, bietet ihm großzügig eine Unterkunft an. Dennoch erkennt Schlicht die wahren Verhältnisse und versichert Theres, er sei nicht auf „blutsverwandtschaftliche Brandschatzung“ aus. Unter vier Augen erzählt Schlicht von seiner unglücklichen Liebe zu Amalie, die er vor sechs Jahren zurückließ. Zwei Wochen nach der Trennung hatte sein Freund Julius Fint ihm geschrieben, Amalie habe eine andere Wahl getroffen. Bei Hummer erhält Schlicht eine Anstellung als Geschäftsführer. Darüber ist Schippl sehr verärgert, zumal Hummer ihn wegen seines unfreundlichen Verhaltens gegenüber der Kundschaft zurechtweist. Marie warnt Schlicht vor der Feindschaft des Ladendieners, doch Schlicht sagt: „[…] ich hab’ einmal einen Freund g’habt, und seitdem hab’ ich gar keinen Abscheu mehr vor die Feind!“ Clementine hält die Bibliothek für einen geeigneten Ort, um mit ihrem Geliebten Julius ein heimliches Gespräch zu führen, doch Julius fühlt sich von Marie beobachtet. Clementine möchte wissen, ob sie zum Casinoball mit oder ohne Schmuck erscheinen soll. Sie verabreden, dass sie am nächsten Tag auf Maries Haarschleife achten soll. Ist sie blau, soll sie ohne Schmuck, ist sie rot, mit Schmuck erscheinen. Nach Clementines Weggang versichert Julius Marie, nur sie allein zu lieben. Er wünsche sich aber, dass sie eine rote Schleife im Haar trage, weil sie seiner verstorbenen Schwester dann so ähnlich sehe. Gerne ist Marie dazu bereit. Schippl warnt Marie vor dem angeblichen Baron, doch sie glaubt ihm nicht. Besorgt erkundigen sich Herr und Frau von Stein in der Bibliothek nach dem Verhältnis zwischen ihrer Tochter und Baron Hohenfint. Mit Erstaunen erkennt Schlicht in Frau von Stein seine geliebte Amalie. Sie verspricht, ihm bei einem geheimen Treffen alles zu erklären. Sie verabreden, von Schippl unbemerkt belauscht, dass Amalie noch am selben Tag ein Buch holen lässt, auf dessen letztes Blatt Schlicht einen Plan für ein Treffen schreiben soll.

2. Akt
Schippl erscheint in Steins Haus. Clementine vermutet, er wolle ihrem Vater von ihrem Verhältnis mit Baron Hohenfint berichten, und bezahlt ihm ein hohes Schweigegeld. Tatsächlich jedoch verrät Schippl Herrn von Stein die heimliche Verabredung zwischen Amalie und Schlicht. Unterdessen hat Amalie die verborgene Botschaft erhalten und schickt Lisette mit dem Buch und einem Brief, in dem sie Schlicht bittet, zu ihr zu kommen, zur Leihbiliothek. Noch im Haus wird Lisette von Stein aufgehalten. Er liest auf der letzten Seite, dass Schlicht Amalie um ein Treffen am Abend bei Hochinger bittet. Den Brief entdeckt er nicht. Wütend will Stein sofort seine Frau zur Rede stellen, doch Schippl beruhigt ihn und empfiehlt, bis zum Abend zu warten. Heimlich bringt Lisette Schlicht zu Amalie. Sie erzählt, dass Julius ihr seinerzeit versichert habe, Schlicht habe eine andere Liebe gefunden. Deshalb habe sie dem Drängen ihres Vaters nachgegeben und den verwitweten Stein geheiratet. Zu ihrer Verwunderung reagiert Schlicht scheinbar ungerührt auf diese Enthüllung. Amalie bittet ihn, nicht wiederzukommen, und wünscht ihm, dass sein „Lebensweg sich friedlicher gestalten möge“ als der ihre. Nüchtern stellt Schlicht fest: „Item, mit diesem Glückwunsch schließt sich unsere im Beginn so vielversprechende Idylle gleich einem Roman, dessen Verfasser zwischen dem ersten und zweiten Band gestorben ist […]“. Bei Hochinger schüttet Schlicht sein Herz aus, weil ihn die Begegnung mit Amalie doch tief berührt hat. Unterdessen hat Julius um Maries Hand angehalten. Ihr Vater würde sich jedoch Schlicht als Schwiegersohn wünschen. Nach seiner Erfahrung mit Amalie kommt für Schlicht aber eine neue Beziehung nicht in Frage. Marie hat den Verdacht, dass Julius und Schlicht sich kennen. Schlicht leugnet das entschieden ab, und Julius geht darauf ein. Stein stellt Schlicht über das geplante Rendezvous zur Rede, aber Schlicht versichert, Amalie habe das Treffen entschieden abgelehnt. Aus Wut über Schlichts Verhalten droht Stein ihm Prügel an, Hummer kündigt ihm die Stellung, und Hochinger weist ihn aus seinem Haus. Einsichtig nimmt Schlicht alles hin und verspricht, die Stadt in einer halben Stunde zu verlassen. – Couplet Schlicht II, 20 (R: „Ja hat denn die Sprach da kein anderes Wort“). – Bei dem abendlichen Ball kann Julius die über und über mit Juwelen geschmückte Clementine zur gemeinsamen Flucht bewegen. Er schickt sie mit Schippl, der ihm seine Dienste angeboten hat, zu befreundeten Landleuten nach Finsterbach und verspricht, selbst in einer Stunde nachzureisen. Unerwartet tritt Schlicht dem halbwegs siegesgewissen Julius in den Weg und hält ihm vor, ihn um Amalies Liebe gebracht zu haben. Doch Julius, nie um eine Antwort verlegen, erklärt, ganz im Sinne seines Freundes gehandelt zu haben, da Amalies Vater seine Einwilligung zu der Hochzeit sowieso verweigert hätte. Als Schlicht ihm den gefälschten Wechsel vorhält, spricht Julius von „jugendlicher Unbesonnenheit“ und bietet an, den Wechsel zu begleichen. Doch Schlicht behält den Wechsel, weil er auf diese Weise Julius’ „moralischen Tod im Sack“ habe. Er verlangt, dass Julius, wenn er Marie heiratet, sie glücklich macht. Sollte dies nicht der Fall sein, werde er zurückkehren. Beruhigt hört Julius von Schlichts Reiseplänen. In diesem Augenblick schlägt Stein Alarm, weil er das Verschwinden seiner Tochter mitsamt den 100.000 Gulden teuren Brillanten bemerkt hat. Zwar fällt sein Verdacht auf der Stelle auf Julius, doch dieser ist nicht nur selbst anwesend, sondern erklärt auch öffentlich, er werde ein Mädchen von niederem Stand heiraten. Stein ist verzweifelt.

3. Akt
Clementine ist überglücklich, als Julius endlich in Finsterbach eintrifft. Großzügig bezahlt er die Familie Kogl für ihre Dienste, zumal Clementine noch einen Tag bei ihnen verbringen soll. Julius will in die Stadt zurück, um alle Verdächtigungen von sich abzulenken und eine sichere Flucht zu ermöglichen. Da er keine Ruhe habe, bevor er Stein nicht Clementines Schmuck zurückgebracht habe, bittet er seine Geliebte, ihm die Brillanten auszuhändigen. Schippl macht Toni Avancen, ohne zu merken, dass sie sich über ihn lustig macht. Schließlich gibt sie ihre Abneigung offen zu, was Schippl tief beleidigt. – Duett Schippl, Toni III, 5. – Schlicht eröffnet Schippl, dass es Julius um einen Diamantenraub geht und Schippl als Helfer mit einigen Jahren Gefängnis bestraft werden könnte. Unter diesen Umständen ist Schippl gerne bereit, Schlicht zu helfen. In einem, wie er meint, unbeobachteten Moment versenkt Julius das Kästchen mit den Juwelen in einem hohlen Baum, doch nach seinem Weggang holt Schlicht es wieder heraus. In Hummers Haus freuen sich unterdessen Hochinger, Theres und Marie auf die bevorstehende Hochzeit. Als Julius endlich erscheint, wirft er Marie Untreue vor, läßt die Feierlichkeiten abbrechen und stürzt wütend aus dem Raum. Ohnmächtig sinkt Marie inmitten der empörten Gäste auf einen Stuhl. Sogleich bekommt Steins Verdacht gegen Julius neue Nahrung. Er hält Julius’ Gründe für vorgeschoben. Unter diesem Druck gesteht Julius scheinbar zerknirscht, einen Fehler gemacht zu haben, und bittet Marie auf Knien um Verzeihung und Versöhnung. Die Trauung soll auf der Stelle stattfinden. Doch in diesem Augenblick führt Schlicht Clementine herein. Er überreicht Stein die Juwelen. Um Marie zu schützen, berichtet Schlicht in kurzen Worten von Julius’ Untaten. Mit einem Schrei stürzt Marie in die Arme ihrer Mutter. Noch glaubt Julius, seinen Kopf aus der Schlinge ziehen zu können, und droht Schlicht mit einer behördlichen Untersuchung. Doch Stein hat bereits den Gerichtskommissär herbeigerufen. Nun ist auch Julius klar, dass seine Sache verloren ist. Stein entschuldigt sich bei Schlicht und gibt ihm 10.000 Gulden, die zur Belohnung ausgesetzt waren. Auch bei Hochinger ist Schlicht wieder wohl gelitten. Schlicht will das Geld Marie für ihre Aussteuer schenken. Hochinger macht den Vorschlag, dass Schlicht selbst das Mädchen heiraten soll. Gutmütig stimmt Schlicht zu: „Ich –? Ja, mein Gott – ich hilf ja gern, wo’s nötig ist.“ Man einigt sich, zunächst Stillschweigen über dieses Vorhaben zu bewahren und Marie einige Wochen Zeit zu geben. Auch Schippl geht nicht leer aus: Gegen eine kleine Zulage nimmt er seine Arbeit bei Hummer wieder auf und stellt zufrieden fest: „[…] – mag auch an der G’schicht manches zu tadeln sein, den Ausgang find ich brillant.“

Aus dem „Nestroy-Schauspielführer“ von Jürgen Hein und Claudia Meyer, Verlag Lehner

Jürgen Hein, Johann Nestroy, Karl Zimmel

50. INTERNATIONALE NESTROY-GESPRÄCHE

30. Juni – 4. Juli 2026

NESTROY UND DIE WISSENSCHAFT

„Dann haben Sie auch alles, denn die größten Gelehrten haben von der Wahrheit nie mehr als eine Ahnung gehabt.“(Schnoferl in Das Mädl aus der Vorstadt, Stücke 17, 27)


Dienstag, 30. Juni 2026
Anreise nach A-2320 Schwechat, Justiz-Bildungszentrum (Schloss Altkettenhof), Schlossstraße 7 
18:30 Begrüßung
20:30 Schloss Rothmühle, Rothmühlstraße 5, 2320 Schwechat-Rannersdorf
Aufführung der 54. NESTROY Spiele Schwechat Mein Freund (Regie: Christian Graf)

Mittwoch, 1. Juli 2026
08:45 Begrüßung und Einführung
09:00 Sebastian Hauck (Leipzig, D): „In welche Kategorie gehörst du, in die der Dummköpfe oder die der Irren?“ Spropositi in der Improvisationscomoedie zwischen Gelehrtensprache und Wahnsinn
09:30 Roman Lach (Daegu, KOR): Lesende Frauen in der Komödie
10:00 Kaffeepause
10:30 Gernot Waldner (Wien, A): Reformpläne auf der Bühne. Nestroys Blick auf Wissenschaft und Bildung vor 1848
11:00 Thomas Assinger (Salzburg, A): Junge Gelehrte. Eine Sozialfigur der Aufklärung macht Komödie
11:30 Gespräch über Stück und Inszenierung mit Christian Graf und Johann Hüttner
Mittagessen
14:00 Janina Piech (Wien, A): Wissenschaft als theatrale Praxis zwischen Erkenntnisanspruch, Geschlechterordnung und Skepsis
14:30 Sebastian Fink (Innsbruck, A): Nestroy und die Philosophie
15:00 Kaffeepause
15:30 Lisa Niederwimmer (Wien, A): Künstler:innenkörper als Wissensobjekte der Medizin
16:00 Bernhard Doppler (Paderborn, D): Humoralpathologie und Theater. Nestroys Das Haus der Temperamente
16:30 Peter Gruber (Wien, A) / Ulrike Tanzer (Innsbruck, A): Höllenangst-Inszenierungen – ein Gespräch
18:30 Heurigenbesuch

Donnerstag, 2. Juli 2026
08:30 Christoph Stoll (Innsbruck, A): Nestroy und die Rechtswissenschaft: Theater, Recht und Satire im 19. Jahrhundert
09:00 Federica Rocchi (Perugia, I): Das ,Licht des Wissens‘ am Beispiel Der Affe und der Bräutigam
09:30 Kaffeepause
10:00 Daniel Milkovits (Wien, A): Faschismus als Volksstück? Fritz Hochwälders Himbeerpflücker und die Provokation der Komödie ,nach Auschwitz‘
10:30 Magdalena und Martin Gronau (Berlin, D): Rezeption österreichischer Literatur, insb. Grillparzer und Anzengruber, bei Erwin Schrödinger
Mittagessen
13:30 Fanny Platelle (Université Clermont Auvergne, F): Wissenschaft, Gelehrte und moderne Erfindungen in Jacques Offenbachs Operetten Barbe-Bleue (1866), Le Voyage dans la Lune (1875), Le Docteur Ox (1877) und Les Contes d'Hoffmann (1881)
14:00 Sigurd Paul Scheichl (Innsbruck, A): Kann man Nestroys Possen ,interpretieren‘?
15:00 Kaffeepause
15:30 Markéta Grill-Hynesová (Wien, A): Neueste Erkenntnisse aus der Schikaneder-Forschung
16:00 Imelda Rohrbacher (Wien, A): Digitale Edition der „Schaubühne“ (1905-1918) von Siegfried Jacobsohn – Zum Repertoire der Dramenabdrucke und modernen Gelehrten
16:30 Chiara Haas, Judith Kerschbaumer, Ulrike Tanzer (Innsbruck, A): 50 Jahre Internationale Nestroy-Gespräche Schwechat. Zahlen, Fakten, Themen.
19:00 Sektempfang im Schloss Rothmühle (Rothmühlstraße 5, 2320 Schwechat-Rannersdorf)
19:30 Festakt zu den 50. Internationalen Nestroy-Gesprächen

Freitag, 3. Juli 2026
08:30 Marc Lacheny (Université de Lorraine, F): Raimund ins Französische übersetzen: Ein spannendes kollektives Projekt
09:00 Henk J. Koning (Putten, NL): Franz Wallner (1810-1876) – Raimundkopist und St. Petersburger Publikumsliebling
09:30 Kaffeepause
10:00 Anna Stuhlpfarrer (Wien, A): Entfesselte Fantasie. Oskar Kokoschka und die Bühne
10:30 Artur Robert Białachowski (Wroclaw, PL): Ein Fest auf Polnisch – Zu ebener Erde und erster Stock in der Fassung von Zygmunt Anczyc aus den Sammlungen der Ossoliński Bibliothek in Wrocław/Breslau
11:00 Mario Huber (Krems, A): Das Kabarett als soziale und mediale Praxis. Österreichisches Bühnengeschehen 1955-2000
Mittagessen
Ausflug nach Berndorf und gemeinsamer Ausklang (Otmar Nestroy, Ulrike Tanzer)

Moderation: Matthias Mansky, Maria Piok, Ulrike Tanzer
Konzeption: Matthias Mansky, Walter Pape, Ulrike Tanzer
Organisation: Rania Abbas-Ragab, Christian Graf, Florian Haslinger, Matthias Mansky, Ulrike Tanzer

© JulaAquaArt

Begleitende Ausstellung im Nestroysaal der Rothmühle 

ENDLESS DEPTH

Unsere Fotografin des diesjährigen Plakatsujets JuliaAquaArt präsentiert – begleitend zu den Spielen – in einer Soloausstellung ihre Unterwasserfotografien, sowie Fotos unseres Shootings im Hallenbad Schwechat

Die Ausstellung ist an den Spieltagen für Besitzer*innen einer Eintrittskarte zu den NESTROY Spielen kostenlos besuchbar

An folgenden Tagen wird die Künstlerin vor Ort sein:
27.06., 30.06., 01.07., 07.07., 11.07., 31.07., 01.08.

Homepage: JuliaAquaArt

Nachtwandler 2026

Bereits Tradition hat unsere alljährliche
NACHWANDLER AFTER SHOW PARTY

Direkt im Anschluss an die Vorstellung mit Musik und Drinks im Garten der Rothmühle

Samstag, 11. Juli 2026

Beginn: 23:15 | Eintritt frei!

Hosted by RYTA TALE

>> NÖN Partyrückblick 2025 mit Fotostrecke

Online Merker, 27. Juni 2026

THEATERFEST NÖ / Nestroy Spiele Schwechat:
MEIN FREUND VON Johann Nestroy
Premiere: 27. Juni 2026, besucht wurde die Generalprobe

Viel mehr als nur ein Jux… 

Johann Nestroy war ein Meister im Ausziselieren brillanter Charakterstudien. Wohl aus tiefen Erkenntnissen heraus finden sich bei ihm allerdings ganz selten „gute Menschen“. Der Schnoferl fällt einem ein, der Kampl – ja, und der Schlicht aus „Mein Freund“ von 1851, einem selten gespielten Stück. Vielleicht weil es, von ein paar knallig komischen Nebenrollen abgesehen, so ernst ist. Gar kein Theaterjux, keine schöne Geschichte über Gewissenlosigkeit und Verrat – und wie hilflos die Anständigen eigentlich sind.

Das Vorspiel des Stücks spielt in einer Druckerei, in der Schlicht angestellt ist. Sein Prinzipal will ihm Geschäft und Tochter geben – welcher arme Angestellte hätte da nein gesagt? Aber Schlicht ist ein resignierter Melancholiker von Natur aus (was soll man als Mensch schließlich machen, wenn man ohnedies sterben muss?), grundanständig und nicht käuflich, weil er eine andere Frau liebt. Also ist er bereit, weg zu gehen, sich anderswo ein Leben aufzubauen und die Geliebte nach zu holen. Vielleicht hätte das auch geklappt – wenn er nicht einen „Freund“ hätte…

Genau so überzeugend wie Schlicht, der sich bei aller Klugheit nicht zur Unanständigkeit entschließen kann, ist sein „Freund“ Julius Fint gezeichnet (wieder die sprechenden Namen, der Schlichte, der Fintenreiche). Diese Menschen, die skrupellos für den eigenen Vorteil alles tun, sind – das zeigt das Stück und das zeigt die Aufführung – absolut nicht als „Bösewichte“ erkennbar, und vielleicht fühlen sie sich gar nicht so. Tatsächlich weiß Fint für all seine Schmutzereien immer eine sophistische Erklärung zu finden. Man fühlt sich sehr an heutige Politiker erinnert, die jede ihrer lächerlichen Entscheidungen als Großtaten verkaufen. Oder an Banker, die Leute um ihr Geld bringen und es vor sich selbst rechtfertigen, dass so vertrauensvolle Teppen es nicht anders verdienen…Fint wird immer etwas einfallen, die Dinge zu seinen Gunsten zu drehen und die anderen sprachlos zu machen. Auch, wenn er Schlicht um Geld und Frau bringt…

Der Rest der Handlung spielt sechs Jahre später, als Schlicht zurückkehrt und bei einem Verwandten Unterschlupf findet, dem Maurer Hochinger, ein armer Mann, der sich Wohlhabenheit in die Tasche lügt. Aber die große, raumgreifende komische Rolle (geschrieben für den rundlichen Freund und Kollegen Wenzel Scholz) ist der Ladendiener Schippl, der sich zu jeder Intrige vordrängt.

Trotz dieser starken komischen Elemente geht es darum, dass Schlicht nun dem „Freund“ Fint das Handwerk legen muss, wenn dieser (unter falschem Adelsnamen) eine Juwelierstochter ihrer Brillanten entledigen und auch noch angeblich Schlichts Verwandte Marie, die hemmungslos in ihn verliebt ist, heiraten will. Wobei durchaus anerkennenswert ist, wie sich Fint fintenreich durch sein Lügengebäude turnt… bis Schlicht in echter Empörung einmal nicht resigniert, sondern handelt.

Es sind die 54. Nestroy-Spiele Schwechat, die im Hof von Schloß Rothmühle stattfinden, und Christian Grafals Leiter und Regisseur hat schon mit heftigerer Regiefaust zugeschlagen (etwa beim „Mädl aus der Vorstadt“). Diesmal gibt er der „ernsten“ Erzählung von vermeintlicher Freundschaft, Verrat und letztlich doch Schlichts Widerstand das Gewicht, das sie verdient.

Das gelingt vor allem durch zwei exzellente Besetzungen: Paul Graf schafft es, Nestroys Wort-Equilibristik, die sich auf seiner ganzen Höhe befindet, klar ins Publikum zu schleudern und doch einen beschädigten Menschen zu spielen, der immer zögert, wenn es um ihn selbst geht. Eine schöne, runde Figur, der Nestroy übrigens kein unmittelbares HappyEnd aufdrückt – da steht am Ende die Frage im Raum, ob er überhaupt das Zeug hat, glücklich zu sein…

Ebenso vielschichtig ist Florian Haslinger als Fint, gut aussehend, gewandt, der jedem alles vorspielen und einreden kann, eine jener Fassaden-Figuren, denen man übrigens im Leben auch begegnen kann… man denke an diese oder jene aktuelle Erscheinung des öffentlichen Lebens.

Einen besonderen Clou hat sich Christian Graf für den Schippl ausgedacht (der zuletzt an der Josefstadt etwa von Fritz Muliar gespielt wurde – ein Hinweis, damit man sich Charakter und Gewicht der Figur vorstellen kann). Denn Graf putzt seine Vorstellung, die ja schließlich einem Sommertheater-Publikum gefallen soll, mit einer Schar wilder Figuren aus der heutigen Trans-Welt auf, erfindet sogar einen Kampfhund für eine höchst unnötige Szene…

Aber am köstlichsten ist diese „Modernisierung“ doch bei der „genderfluid“-Besetzung des Ladendieners Schippl gelungen. Die herrliche Bella Rössler, die Jahr für Jahr in Schwechat dabei ist, in Ensemblegeist-Nebenrollen und in großen (Erbsenstein, Mispl, Blumenblatt), darf ihr vierzigjähriges Schwechat-Jubiläum als – Schippl feiern, die Haare kurz, der Anzug männlich, das Auftreten auch, aber doch die „Ladendienerin“, ein drastisches Zwitterwesen und eine umtriebige Intrigantin, komisch und dabei echt zugleich. Ein Meisterstückl.

Mancher Veteran steht auf der Bühne, Franz Steiner als Juwelier, der betrogen werden soll und klar macht, dass er sich zwar um sein Töchterchen, aber auch sehr um seine Brillanten sorgt. Von uriger Bodenständigkeit ist das Maurer-Ehepaar Höchinger (Manfred Stella und Maria Sedlaczek), Bruno Reichert als Druckerei-Besitzer mit dem sprechenden Namen Spaltner., San Trohar der doch recht halbseidene Besitzer einer Leihbibliothek.

Und auch die Jugend brilliert, Sophie Gerold als verführtes Juweliers-Töchterchen und vor allem Marie Christine Reisinger als so beflissen brave Marie. Einige Damen sind von Nestroy ein wenig im Stich gelassen worden, Michelle Haydn als Schlichts einstige Liebe und Hannah Frühwirth als die von ihm Verschmähte.Aus einer Kalkbauernfamilie hat Graf Widerstandskämpfer im Untergrund gemacht (Sandler-Typen : Andreas Herbsthofer, Sabine Axmann und Melina Rössler; ein Live-Hund, der nicht peinlich ist, darf auch dabei sein) Im Haus des Juweliers Stein gibt es eine  allzu überdrehte Gesellschafterin (Gabriele Herbsthofer), ein Dienstmädchen, zur „Personal Assistent“ gemacht (Angela Vogelsang), ein Diener zum Bodyguard aufgestiegen (Sascha Nikodym). Außerdem hat Graf eine Menge buntes Personal erfunden – damit es lustiger wird. Nestroy hätte vermutlich nichts dagegen, für ihn war unmittelbar Zeitbezug für sein Schaffen elementar.

Musik spielt diesmal fast keine Rolle (zu Recht – das ist kein musikalisch beschwingtes Werk) – Otmar Binder mit eigener Musik am Klavier begleitet fast nur ein adaptiertes Couplet von Schlicht.

Eines ist klar: „Mein Freund“ ist eine tragische Geschichte – und zweifellos aus dem Leben gegriffen.
Renate Wagner

P.S. Als neue Initiative, da ja Nestroy-Werke (zumal die seltenen) gar nicht so leicht zugänglich sind, legen die Nestroy-Spiele gemeinsam mit der Nestroy-Gesellschaft ab heuer das jährlich gespielte Stück in einem angenehm gestalteten Band auf, kommentiert von dem Experten Matthias Mansky. Da kann man dann auch nachlesen, was in der Inszenierung im Vergleich zum Original verändert wurde…


Salzburger Nachrichten / APA, 27. Juni 2026
"Mein Freund": Ungewohnt schwermütiger Nestroy in Schwechat

Mit einem eher selten gespielten Stück gehen die Nestroy-Spiele auf Schloss Rothmühle bei Schwechat in die 54. Saison. Intendant Christian Graf hat die geradezu schwermütige Posse "Mein Freund" auf den Spielplan gesetzt, die Premiere am Samstagabend wurde freundlich aufgenommen.

Es ist ein ungewöhnlicher Nestroy, dem man hier begegnet, beinahe melancholisch und von resignativem Tonfall getragen, sprachlich wie immer mit Tiefgang und pointenreich, doch trotz der bisweilen verworrenen Handlung nicht ganz so komödiantisch wie gewohnt. Etwas Straffung hätte dem Stück gutgetan. Es geht um enttäuschte Freundschaft, enttäuschte Liebe, überhaupt um Täuschung und Betrug - womit durchaus zeitgeistige Fragen am Tapet sind: Wem darf man heute vertrauen, was darf man glauben?

Jubiläum für Nestroy-Gespräche

Für Ensemble und Regie eine Herausforderung, umso deutlicher die Charaktere des Geschehens zu zeichnen. In der Rolle des gutgläubigen Schlicht kann sich Paul Graf sympathisch profilieren. Mit dabei sind auch wieder Haudegen wie Bruno Reichert, Maria Sedlaczek, Franz Steiner, Sissy Stacher und nicht zuletzt Bella Rössler, die in der Rolle der grantigen Ladendienerin Schippl aufblüht. Und besonders ironisch wirkt es natürlich, dass mit der Partie des betrügerischen Hochstaplers Julius Fint der Geschäftsführer der Nestroy-Spiele, Florian Haslinger, betraut wurde.

Parallel zu den Spielen finden heuer zum 50. Mal die Internationalen Nestroy-Gespräche statt, diesmal zum Thema "Nestroy und die Wissenschaft". Als Präsident der Internationalen Nestroy-Gesellschaft fungiert Kammerschauspieler Robert Meyer. Ewald Baringer / APA


NÖN PLUS, 29. Juni 2026
Nestroy Spiele Schwechat: Eine Freundschaft mit Tiefsinn
 
Mit einem selten gespielten Nestroy, bei dem selbst das Happy End ein großes Fragenzeichen hat, mit Kapazundern und jungen Talenten und: mit Juwelieren, Ladendieben und anderen „Freunden“ hat Christian Graf am Samstag die 54. Sommersaison in Schwechat eröffnet.

"Ich hab’ einmal einen Freund g’habt, und seitdem hab’ ich gar keinen Abscheu mehr vor die Feind’." Der das sagt, ist ein junger Mann namens Schlicht (Paul Graf), und der Freund, der ihn enttäuscht hat, heißt Fint (Florian Haslinger): Nomen est omen, wie so oft bei Nestroy.

Intendant Christian Graf zeigt im Hof von Schloss Rothmühle in Rannersdorf diesmal ein wenig gespieltes Stück, in dem es zwar kunterbunt drunter und drüber geht, aber der Tiefsinn überwiegt, und selbst das Happy End hat ein großes Fragezeichen. Zu Schwechater Kapazundern wie Bella Rössler (verkörpert famos den/die Ladendiener/in Schippl), Franz Steiner als Juwelier von Stein oder Bruno Reichert als Druckereibesitzer Spaltner gesellen sich junge Talente wie Marie Reisinger und Sophie Gerold, den musikalischen Ton gibt - diesmal sparsam - wieder Otmar Binder an. Ewald Baringer


NÖN, 29. Juni 2026
„Mein Freund“ in der Rothmühle: Eine große Rolle für das zu gute Herz

Die Nestroyspiele 2026 feierten ihre Premiere mit prominenten Gästen im Schlosshof der Rothmühle. Bis 1. August steht „Mein Freund“ in Schwechat am Programm.

In Johann Nestroys Posse „Mein Freund“ geht es um starke Beziehungen und um Vertrauen, welches der Protagonist trotz Enttäuschungen immer wieder fasst. Die große Rolle des Herrn Schlicht (gespielt von Paul Graf) sei, laut Regisseur Christian Graf, „Ein wahrer Kraftakt“ gewesen. Doch unser Shakespear von Wien - Johann Nestroy - sorgte in seinem Stück aus dem Jahre 1851 auch für große Komödie rund um den tragischen Helden.

Besonders viele Lacher erntete Bella Rössler als Frau Schippl in Männerkleidern. Sie spann die Fäden der Intrigen und kassierte an allen Seiten ab. Als Schlichts hinterlistigen „Freund“ Julius Fint gibt sich diesen Sommer Nestroyspiele-Geschäftsführer Florian Haslinger die Ehre und die angebetete „Amalie“ wird von der talentierten Michelle Haydn verkörpert.

Eine süße Rolle bekam die junge Schwechaterin Hannah Frühwirt. Sie spielte „Fanny“, die Tochter des Druckereibesitzers Spaltner (Bruno Reichert), welche unsterblich in den Herrn Schlicht verliebt ist. Doch Frühwirt tauchte zwischendurch auch immer wieder als Leichtes Mädchen in Netzstrumpfhosen im Hintergrund der Bühne auf.

In weiteren Rollen brillierten unter anderen Gabi Herbsthofer als Madame Sauvegarde, Sophie Gerold als Clementine, Manfred Stella als Maurer Hochinger, Maria Sedlaczek als seine Frau Theres, Mario Santi als Jounalist Fellner, Franz Steiner als Juwelier Herr von Stein und Marie Christine Reisinger als Maurerstochter Marie.

Etwas unmotiviert erschien im zweiten Teil des Stückes im Obergeschoß der Bühne bei Baron Hummer (San Trohar) dem eine Bibliothek gehörte, ein Sado-Maso-Mann mit lederner Hundemaske und Eisenketten um den Hals. Mit Nestroys „Mein Freund“ hatte diese Szene wohl weniger zu tun.

Dem Premierenpublikum jedoch gefiel die gesamte Inszenierung großartig, denn es applaudierte dem Nestroy-Ensemble begeistert. Unter den Gästen fanden sich auch Robert Meyer (Präsident der Internationalen Nestroy-Gesellschaft), „Was gibt es Neues“-Moderator Oliver Baier, die ehemalige ORF-Moderatorin Heilwig Pfanzelter, Drag Queen Grazia Patricia und Schauspielerin Pia Baresch. Brigitte Wimmer


Mein Bezirk, Schwechat, 30. Juni 2026
Premiere der Nestroyspiele Schwechat
Was im Leben zählt ist echte Freundschaft
 
Nestroys „Mein Freund“ feierte im Hof von Schloss Rothmühle unter der Regie von Intendant Christian Graf seine erfolgreiche  Premiere.

SCHWECHAT. Die Aufführung entfaltet eine bittere wie komische Geschichte über Täuschung, Verrat und verlorene Illusionen und zeigt einmal mehr die sprachliche Brillanz Nestroys. 

Das Stück, 1997 erstmals in Schwechat gezeigt, ist nach der Revolution von 1848 entstanden und überrascht mit einem sehr aktuellen Bezug. Was bedeutet Freundschaft heute noch?
Auf wen kann man sich verlassen? Wem kann man noch wirklich  vertrauen und gibt es überhaupt noch echte Freundschaft?

Echte Freunde sind wichtig

"Ich hab’ einmahl einen Freund g’habt, und seitdem hab’ ich gar keinen Abscheu mehr vor die Feind’", lässt Nestroy seinen Protagonisten sagen. Aber was bedeutet Freundschaft heute noch? 

Schwechats Bürgermeisterin Karin Baier (SPÖ) ist Freundschaft "nicht nur von der Politik abhängig und wahre Freundschaft spürt man dann, wenn es einem nicht so gut und im Leben bergab geht." Es sei wichtig, so Baier, Menschen zu treffen, die sich "in den elitären Kreis der Freunde einreihen." Es gibt Freundschaften, die über viele Jahre und Grenzen hinweg bestehen bleiben. "Je länger ich auf der Welt bin, desto wichtiger sind echte Freunde, auf die man sich verlassen kann", so Baier.

Für Intendanten und Regisseur Christian Graf ist wahre Freundschaft, wenn man "sich auf Augenhöhe begegnet und voll vertraut". Gerade in einer "Ich-bezogenen-Zeit" ist es wichtig, echte Freundschaften zu behalten. Die trockene Premiere genossen bei Sommerspritzer und kulinarischen Schmankerln neben Karin Baier (SPÖ) auch Kulturstadträtin Angelika Frauenberger (SPÖ), Stadtrat Michael Hornak (FPÖ) mit Gattin Brigitta sowie Heilwig Pfanzelter, Oliver Baier, Robert Meyer mit Gattin Eva und Bürgermeister und Abgeordneter Otto Auer (ÖVP) mit Gattin Helga, und Toni und Andrea Frühwirth die Tochter Hannah auf der Bühne und bei der Regiehospitanz bewundern konnten. 

Auf der Bühne überzeugten außerdem Paul Graf, Bella Rössler, Bruno Reichert, Michelle Haydn sowie das gesamte Nestroy-Ensemble mit eindrucksvoller Präsenz und Spielfreude. Roland Weber


Falter,Woche 27/2026, 30. Juni 2026
Kritik Sommertheater Niederösterreich:
„Mein Freund“ – Ich hab’s ja nicht nötig

Wer so einen Freund hat, braucht keine Feinde: Vom vermeintlichen „BFF“ Fint um Liebschaft und Abfindung betrogen, zieht Schlicht durch die Lande. Sechs Jahre später trifft er den „Ex-Freund“ zufällig wieder und stellt fest, dass dieser sich noch mehr zum Gauner entwickelt hat.

Die Rolle des Schlicht, der sich nicht verzeihen kann, dem Falschen vertraut zu haben, schrieb sich Johann Nepomuk Nestroy selbst auf den Leib. Der Held ist an den Fehlern der anderen weise, aber auch bitter geworden. In seiner postrevolutionären Posse „Mein Freund“ gibt es nicht allzu viel zu lachen. Dennoch geht Regisseur und Intendant Christian Graf dem Werk bei den Nestroyspielen bemerkenswert konsequent auf den Grund. Dass der Abend über drei Stunden trägt, ist vor allem dem (nicht mit dem Regisseur verwandten) Hauptdarsteller Paul Graf zu verdanken, für den Melancholie und Energie kein Gegensatz sind und der auch schwierige, tagespolitisch angepasste Couplets rockt.

Das 23-köpfige Ensemble, das großteils aus Nichtprofis besteht, trifft Nestroys Sprache gekonnt und zeichnet auch Nebenfiguren fein. Besonders gut: Manfred Stella als Maurer, der sich mit einem „Ich hab’s ja nicht nötig“ ohne jede Grundlage einredet, reich zu sein – und so stets positive Vibes ausstrahlt. Martin Pesl

Quelle Falter


European News Agency, 02. Juli 2026

My friend

Nestroy Spiele Schwechat [ENA] In the 54th edition of the Nestroy Spiele Schwechat, Johann Nestroy’s late play Mein Freund emerges as a surprisingly dark summer entertainment: a “Posse” that smiles as it lifts the mask from betrayal, cowardice and self deception. Directed by Christian Graf in the courtyard of Schloss Rothmühle, the production embraces both sides of the piece—its sharp comic surface and its underlying melancholy.

It turns them into an evening that feels at once authentically Nestroy and disconcertingly contemporary. Written in 1851, in the long shadow of the crushed 1848 revolution, Mein Freund belongs to Nestroy’s “darker” works: popular theatre that trades in laughter yet never fully trusts it. Graf’s staging takes this seriously. From the outset, the question “Was bedeutet Freundschaft wirklich?” hangs palpably over the action: every handshake, every protestation of loyalty is tinged with doubt.

The plot pivots on Schlicht, a good natured, trusting man who believes Julius to be his truest friend—a catastrophic misjudgement. When Schlicht entrusts Julius with a love letter to Amalie, Julius pockets the opportunity, suppresses the letter and forges a bill of exchange to get money; Schlicht discovers the fraud and forgives him, a gesture the production plays not as saintly generosity but as a painful mixture of naivety and need.

Graf handles Nestroy’s six year time leap with a light but pointed touch. The world has moved on socially, but the structures of power and opportunism remain unchanged. Julius reappears as a bogus baron, slipping into genteel society with counterfeit manners and an ever present eye for profit. His new schemes centre on two women: the young Marie, whom he cynically instrumentalises, and the wealthy Clementine, whose diamonds he covets. The staging plays these seduction scenes with deliberate ambivalence. On one level they deliver the expected comic pleasure in unmasking a social climber; on another, they expose a disturbing pattern of emotional exploitation which feels remarkably close to modern scams and “gaslighting.”

Schlicht’s second encounter with Julius becomes the hinge of the evening. He gradually realises that Julius has robbed him not only of money but of his chance at love with Amalie. This time, the trusting man refuses to be the perpetual victim: stepping out of his own role as the “good fool,” he actively sabotages Julius’s plans, rescues Clementine and orchestrates the final exposure. The production lets this transformation register quietly rather than triumphantly, suggesting that moral clarity comes at the price of lost innocence.

What makes the Schwechat Mein Freund particularly pleasurable is its respect for Nestroy’s language. The dialogue, full of verbal traps, reversals and pointed asides, is delivered with the musicality and precision that this kind of Volksstück demands; jokes land without being underlined, and the transitions from farce to seriousness feel almost seamless because they are embedded in the same verbal texture. Nestroy’s idiom—apparently casual, yet exact in its social observation—allows Graf to stage the play as a drama about “gesellschaftliche Maskenspiele.” The production underscores how figures define themselves through clichés and stock phrases, only to be betrayed by their own slips of the tongue.

Here, language itself becomes a diagnostic tool: the audience hears, often before the characters do, who is lying, who is self deluded, who has begun to see more clearly. Graf is supported by an ensemble that clearly relishes this blend of humour and bitterness. Paul Graf’s Schlicht anchors the performance with a quiet, wounded openness: his trustfulness never seems stupid, but rather grounded in a human desire to believe in others, which makes his disillusionment in the second half all the more moving. Opposite him, Floran Haslinger’s Julius offers an elegant study in opportunism—charming enough to make his manipulations plausible, yet with just enough edge to remind us that his betrayals are deliberate, not accidental.

Around this central pair, Michelle Haydn, Florian Haslinger, Maria Sedlaczek, Bella and Melina Rössler, Franz Steiner, San Trohar and Bruno Reichert sketch a small society where each character’s pursuit of advantage contributes to the larger moral climate. The interactions between Marie and Clementine, in particular, highlight different ways in which women navigate a world structured by male calculation—naivety on the one hand, guarded self assertion on the other.

The setting in the courtyard of Schloss Rothmühle, with performances on warm summer evenings, adds its own layer to the experience. Under the open sky, Nestroy’s mid 19th century Vienna feels closer than one might expect: the laughter of today’s audience mingles with the echoes of an era equally marked by dashed hopes and social manoeuvring. By choosing Mein Freund, the oldest member of Theaterfest Niederösterreich once again proves that Nestroy is not merely a supplier of comfortable Biedermeier fun. This “almost melancholic comedy,” as the festival description aptly puts it, foregrounds betrayal, lost illusions and the fragility of trust—topics that resonate powerfully in a present shaped by economic uncertainty and a general crisis.

Graf’s production neither modernises aggressively nor embalms the play in nostalgia. Instead, it trusts Nestroy’s text and allows its “bittere wie komische Geschichte” to speak across 175 years with remarkable clarity. For audiences in Schwechat and beyond, Mein Freund offers what the best summer theatre can deliver: an evening of wit and enjoyment that lingers in the mind because it dares to ask unsettling questions about the price of friendship and the masks we wear to get through life. Nadejda Komendantova


Weitere Links:

Radio Dispositiv auf Orange 94.0 (mit Herbert Gnauer, Christian Graf, Paul Graf, Florian Haslinger, Marie Christine Reisinger, Bella Rössler)