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Die Papiere des Teufels
oder Der Zufall

Posse mit Gesang in 3 Akten und 1 Vorspiel
  • Uraufführung 17. November 1842, Theater an der Wien (10 Aufführungen)
  • Nestroy-Rolle Federl, Schreiber (Rollenverzeichnis 663)
  • Musik Adolf Müller; Nachweise: Hilmar S. 82 f.; HKA Stücke 18/II,S. 335–352
  • Vorlage Etienne Arago/Paul Vermond: Les Mémoires du Diable (Comédie- Vaudeville, Paris 1842); übers. von J. Kupelwieser für ThJ: Die Memoiren des Teufels (UA 5. 11. 1843), übers. in Boths Bühnenrepertoire des Auslandes (Nr. 85, Dezember 1842)
  • Überlieferung Gladt S. 68f.; Hadamowsky 1934, S. 223; SW Bd. 11, S. 578–609; GW Bd. 4, S. 716 f.; HKA Stücke 18/II, S. 107–280
  • Werkausgaben (Stücktext) CG Bd. 2, S. 3–64; SW Bd. 11, S. 235–356; GW Bd. 4, S. 5–103; HKA Stücke 18/II (Hg.: Haida), S. 5–99
  • Musik (erhältlich) Wienbibliothek | Klavierauszug
  • Literatur HKA Stücke 18/II,S. 2f.; Diehl; May; Reese; Haida, Peter: Von den „Mémoires du Diable“ zu den Papieren des Teufels. Überlegungen zu Nestroys Umsetzung der französischen Vorlage. Nestroyana 11 (1991), S. 43–50

Personen

  • Zwicker, Privatagent
  • Federl, dessen Schreiber und entfernter Anverwandter
  • Stoppel, Gastwirt in der Stadt
  • Dominick, Maurer und Hausmeister im Herrenhof zu Hügelfeld
  • Frau Körndlbach, Müllerin in Hügelfeld, Witwe
  • Rab, Privatagent
  • Walpurga Hauskatz, Dominicks Mutter
  • Hilfreich, Chirurg
  • Seppl, Mühlknecht
  • Dorothea Stoppel, Witwe
  • Sophie, ihre Ziehtochter
  • Schrollmann, Greisler in der Stadt
  • Emilie, dessen Gattin, Stoppels Schwester
  • Buchfellner,
  • Klauber,
  • Schneck,
  • Steining, alle Wirtshausgäste
  • Rubinger, ein Pächter vom Lande,
  • Frau Schmalner, dessen Schwester in der Stadt
  • Kathi, ihre Tochter
  • Wilkner, Hausherrensohn, ihr Liebhaber
  • Grill, Harfenist
  • Rosa, seine Frau
  • Anton, Oberkellner
  • [Babett, Kellnerin]
  • Hannerl, Köchin
  • Eine Maske
  • Wirtshausgäste, Masken.
  • Die Handlung des Vorspiels geht zuerst im Herrenhof in Hügelfeld, dann in Zwickers Kanzlei vor. Die Handlung des 1. Akts spielt in der Mühle in Hügelfeld, und zwar 4 Monate später als die des Vorspiels. Die Handlung des 2. Akts 3 Tage später im Stopplischen Gasthause in der Stadt, die Handlung des letzten Akts 4 Tage später im Herrnhofe zu Hügelfeld.

Inhalt

Vorspiel

Im Herrenhaus zu Hügelfeld lassen Stoppel und Zwicker von Dominick ein Kästchen im sogenannten Teufelszimmer einmauern. Dominick hat keine Ahnung, welchen Inhalt dieses Kästchen hat. Das Teufelszimmer hat seinen Namen von einem an die Wand gemalten Teufel. Er hat ein Horn, das als Glocke zu gebrauchen ist. Doch niemand traut sich zu läuten, weil alle glauben, daß dann der Teufel erscheint. Damit Dominick schweigt, lassen ihn die beiden Herren schwören, das Geheimnis für sich zu behalten. Um auch im Rausch nichts zu verraten, darf er jeden Tag nur noch ein halbes Glas Wein trinken. Sollte er seinen Schwur brechen, soll ihn der Teufel holen. – Auftrittslied Federl Vorspiel, 3 (R: „Das is wohl nur Chimäre, aber mich unterhalt’s.“). – Der ältlichen Eva, die ein Auge auf ihn geworfen hat, erzählt Federl von seiner Liebe zu Sophie. Aus Eifersucht erzählt Eva dies in Federls Beisein Stoppel. Stoppel ist empört. Unterdessen überlegt Zwicker, wie er im Falle von Stoppels Ableben an dessen Erbe kommen könnte. Aufgrund des Ehevertrags werden weder Dorothea noch Sophie erben, sondern Schrollmann und Emilie. Gegen diese hat er jedoch Papiere in der Hand, die er als Gedächtnisstütze mit dem Vermerk „Papiere des Teufels“ versieht. Auch notiert er sich die vier Worte, auf die hin Dominick das Versteck öffnen darf. Schließlich erscheinen ihm diese Notizen allerdings zu gefährlich, und er streicht die Losungsworte wieder. Kurz darauf stirbt Stoppel bei einem Wagenunglück, und Zwicker erliegt einem Schlaganfall. Ärgerlich darüber, daß Eva Zwickers Universalerbin ist und er selbst leer ausgeht, nimmt Federl die „Papiere des Teufels“ zur Erinnerung an sich.

1. Akt

Seit seinem Eid trinkt Dominick nur noch Bier und lebt in der ständigen Angst, der Teufel könnte ihn holen. Frau von Körndlbach ist wegen seines seltsamen Benehmens sehr beunruhigt. Da kein Testament gefunden wurde, erbt Schrollmann mit seiner Frau Emilie allen Besitz von Stoppel. Sophie will bei Leuten eine Stellung annehmen, Dorothea das Anwesen verlassen, jedoch nicht ohne ihrem Schwager Vorhaltungen zu machen, weil er sie als arme Witwe gehen läßt. Dies läßt Schrollmann völlig ungerührt. Durch sein unverschämtes und dümmliches Auftreten macht sich der neue Gutsherr sofort unbeliebt. Gerade will Dorothea aufbrechen, als Federl erscheint. Er verspricht, er könne Dorothea und Sophie ihren Besitz innerhalb von acht Tagen wiedergeben. Als Belohnung erbittet er Sophies Hand. Bevor er geht, gibt Federl Dorothea eine Brieftasche zur Aufbewahrung, deren Papiere sie erst öffnen darf, wenn er nach acht Tagen nicht zurück sein sollte. In seiner Angst ist Dominick fest davon überzeugt, in Federl den leibhaftigen Teufel vor sich zu haben. Seine Befürchtungen bekommen neue Nahrung, als die Frauen die Brieftasche öffnen und lesen: „Papiere des Teufels“.

2. Akt

Der einfältige Schrollmann will aus seinem Gasthaus etwas Besonderes machen. So unterhält an diesem Tag eine Sängertruppe die Gäste. Federl spielt in deren Aufführung die Rolle des Teufels. Die Geschichte handelt von einem Ritter, der die Burg einer armen Witwe unrechtmäßig an sich gebracht hat. Der Teufel droht dem Ritter, seiner Frau von Spielschulden und Zahlungen an eine Geliebte zu erzählen, sollte er die Burg nicht zurückgeben. Zwar ist der Ritter einverstanden, doch seine Frau will nichts von einer Rückgabe wissen. So droht der Teufel ihr, ihrem Mann zu berichten, daß sie einen Sohn aus erster Ehe hat und diesem ihren Besitz vererben will. Auch von ihren Verehrern will er erzählen. Schrollmann und Emilie erkennen in dem Spiel entsetzt ihre eigene Geschichte. Unabhängig voneinander stellen beide Federl zur Rede. Zunächst verlangt Federl von Emilie die Erbschaft zurück, falls er sie nicht bei ihrem Mann verklagen soll. Als Beweis für seine Behauptungen nennt er den Namen „Zwicker“. Er verspricht Emilie, ihr die schriftlichen Beweise gegen eine Abtretungsurkunde am Samstag auszuhändigen. Ebenso verfährt er mit Schrollmann. Unterdessen sind Frau von Körndlbach, Dorothea, Dominick und Sophie mit Masken verkleidet im Gasthaus erschienen. – Final-Quodlibet II, 12: Federl macht einer Maske, hinter der er nicht Frau von Körndlbach vermutet, den Hof und schenkt ihr einen Ring, worüber Sophie und Dominick sehr erbost sind. Emilie hat Angst, von Federl trotz allem verraten zu werden. Schrollmann würde ihn am liebsten endgültig zum Schweigen bringen. Da sich die Frauen nicht, wie die übrigen Masken, zu erkennen geben wollen, werden sie von den Gästen bedroht. Federl stellt sich schützend vor sie und ermöglicht ihnen die Flucht.

3. Akt

Man hat Federl im Wirtshaus so zusammengeschlagen, daß er im Spital liegt. Sophie ist einerseits froh über die Rettung durch Federl, andererseits ist sie tief enttäuscht über seine Untreue. Dominick ist nach wie vor davon überzeugt, in Federl den Teufel höchstpersönlich gesehen zu haben. Da Schrollmann bei Federl keine kompromittierenden Papiere fand, glaubt er, daß Dorothea etwas gegen ihn in der Hand hat. Um die Herausgabe der Papiere zu verlangen, geht er nach Hügelfeld. Dort läßt er sich durch Dominick gegen gute Bezahlung ein Versteck hinter einer Tapetentür im Teufelszimmer zeigen. Als auch Emilie mit derselben Absicht erscheint, schickt Dominick sie in dasselbe Versteck. Über diese unerwartete Begegnung sind beide nicht glücklich. Bald stellt sich jedoch heraus, daß sie dasselbe Ziel haben: Dorothea endgültig vom Herrenhof zu vertreiben. Sie beschließen, sich den Aberglauben der Leute zunutze zu machen und läuten an der Teufelsglocke. Zu ihrem Schrecken erscheint im nächsten Augenblick Federl. Er gibt Schrollmann und Emilie eine halbe Stunde, um die Abtretungsurkunde zu schreiben. Die unglückliche Sophie zeigt Federl den Ring und erklärt ihr Heiratsversprechen für ungültig. – Lied Federl III, 8 (R: „Dieses Gefühl – ja da glaubt man, man sinkt in die Erd’!“). – Dorothea glaubt, weil sie Federls Rückkehr noch nicht bemerkt hat, ihm sei etwas zugestoßen, und will die Papiere lesen. Zuvor gelingt es aber Schrollmann, ihr die Papiere zu entreißen und ins Feuer zu werfen. Ratlos steht der eintretende Federl nun da. Doch dann entdeckt Frau von Körndlbach im zurückgebliebenen Umschlag eine undeutliche Schrift. Es wird klar, daß am Vortag der Todesfälle etwas eingemauert wurde. Doch so sehr man auch in ihn dringt, Dominick will um keinen Preis sein wohlgehütetes Geheimnis verraten, obwohl er selbst völlig verzweifelt ist. Alles scheint verloren. Verdrossen stellt Federl fest, daß es unverantwortlich von Zwicker war, Stoppel nicht darauf aufmerksam gemacht zu haben, daß sein Tod ohne ein Testament schlimme Folgen für seine Frau und seine Ziehtochter hätte. Siegessicher ruft Schrollmann aus: „Vivat, Zwicker, du Teufelsmensch.“ Sogleich springt Dominick auf. Genau diese vier Worte entbinden ihn von seiner Schweigepflicht. Auf der Stelle greift er zum Hammer und bringt im Nu ein Kästchen mit Stoppels Testament zum Vorschein. Das Testament bestimmt Dorothea zur Universalerbin und macht Sophie zur Adoptivtochter. Ärgerlich ziehen Schrollmann und Emilie ab. Auch Federl, der glaubt, Sophie endgültig verloren zu haben, wendet sich zum Gehen. Da vergibt sie ihm im letzten Moment. Dominick, endlich erlöst von seiner Angst, wendet sich glücklich Frau von Körndlbach zu.

Aus dem „Nestroy-Schauspielführer“ von Jürgen Hein und Claudia Meyer, Verlag Lehner