Online Merker, 27. Juni 2025
THEATERFEST NIEDERÖSTERREICH / Nestroy-Spiele Schwechat:
DIE ZAUBERREISE IN DIE RITTERZEIT von Johann Nestroy
Premiere: 26. Juni 2025 (besucht wurde die Generalprobe am 25. Juni 2025)
Die Zauber-Ritter-Show
Das ist auch Nestroy? wird sich manch ein Besucher der diesjährigen Nestroy-Spiele Schwechat wundern. Aber ja, wenn auch ein sehr früher. Und wo sollte man nach Raritäten im Monsterwerk des Dichters (über 70 Stücke) schürfen, wenn nicht bei Festspielen, die seit mehr als einem halben Jahrhundert diesem Nestroy allein gelten?
„Die Zauberreise in die Ritterzeit“ ist ein frühes Nestroy-Stück von 1832, noch bevor der zu seiner Meisterschaft gefunden hatte. Aber Talent – das besaß er schon damals, wo er noch das Althergebrachte variierte. Nestroy bediente hier viele der damals üblichen Genres auf den Wiener Volkstheater-Bühnen. Zauberstücke mit Allegorien gab es ohne Zahl – hier sind es die Gegenwart mit Mutter Vergangenheit und Tochter Zukunft. Und wer das schlicht findet, soll nur an Analogien in Buch und Film denken, die sich heute Fantasy nennen und wo das Übernatürliche mit ähnlicher Selbstverständlichkeit behandelt wird. Es gab damals Zeitreisen, hier wird eine unternommen, es gab selbstverständlich Ritterstücke, hier geraten die Biedermeier-Menschen in diese Vergangenheit, und es gab natürlich Besserungsstücke: Es war üblich im politischen System, dass die Menschen zur Einsicht kommen, so auch hier. Und wenn die beiden Helden des Stücks, Onkel und Neffe Sapprawalt, sich gleich zu Beginn von ihrer Gegenwart angeödet zeigen, dann erinnern sie schon ein wenig an Nestroys Zerrissenen, den Herrn von Lips, dem das Leben auch nichts mehr bieten kann, weil er sich alles schon gekauft hat und nichts Neues auf ihn wartet. Wenn die oberflächlichen Sapprawalts sich für die Ritterzeit begeistern und meinen, damals sei das Leben spannend und interessant gewesen… dann nimmt Nestroy gedankenlose Nostalgie aufs Korn (die gibt es ja wohl noch immer, „die gute alte Zeit“).
Und folglich schickt die „Gegenwart“ sie in die Vergangenheit, um sie eines Besseren zu belehren. Dasselbe geschieht auch der Tochter des älteren Sapprawalt, Eulalie, die in der Gegenwart ihren Bräutigam so langweilig findet (sein Name, Herr von Geldsack, sagt schon, wie reich er ist – und das betont er auch dauernd). Einen Ritter zu heiraten, das fände sie herrlich. Als dann in der Ritterzeit genau das passiert, merkt sie – die durchaus emanzipierte Biedermeier-Zicke – , wie wenig Wert damals eine Frau hatte… ein Klacks echter Emanzipationsgeschichte (und Erkenntnis) im alten Nestroy. Freilich weiß man, warum die frühen Nestroy-Stücke, also auch dieses, so selten (1981 einmal im Theater der Jugend) bis gar nicht gespielt werden. Neben durchaus viel Witz und ansatzweiser Zeichnung echter Charaktere gibt es auch viel Überflüssiges, und da hätte die Aufführung in Schwechat durchaus eine Menge streichen können.
Aber Intendant Christian Graf, der auf der Bühne schon wieder fehlt, weil der junge Sapprawalt ihm bestens zu Gesicht stehen würde, setzte eher auf Mehr als Weniger. Wenn aus dem Stück zwar ein paar handfeste Wahrheiten, aber nicht, wie so oft bei Nestroy, geradlinige Politik-Polemik herauszuholen ist, dann geht die Regie eben den anderen Weg. Graf baute den Hof von Schloß Rothmühle, wo seit Jahr und Tag sommers die Nestroy-Spiele stattfinden, zu einer Raumbühne um, das Publikum sitzt auf allein vier Seiten. Das ergibt weit mehr Spielmöglichkeiten als der übliche Guckkasten, hat aber auch die bekannten Akustik-Nachteile – Schauspieler, die mit dem Rücken zu einem stehen, versteht man nicht. Vielleicht sind deshalb alle ununterbrochen in Bewegung…
Das über die Maßen personenreiche Stück wird noch um eine Statistenschar aus Frauen und Männern für alles erweitert. Sie bauen nicht nur blitzschnell um, sie sind „Volk“ in Gegenwart und Vergangenheit, dienen auch schon einmal als Pferde für Ritter beim Turnier, sie erfüllen vor allem die reich mit Musik angereicherten Szenen mit perfekter Choreographie, so dass sich fast ein Musical-Effekt einstellt. Eine Mords-Show ist es jedenfalls, schnell, turbulent und immer wieder zu viel von allem. Vor allem wenn es zum Blödeln in die alte Ritterzeit geht, so gut wie die Pradler scheint es bald, und man muss das Stück auch nicht ernst nehmen. Aber es so zu überborden statt es zu verschlanken – das bietet zwar viele Lacher, aber auch eine gewaltige Dosis Unübersichtlichkeit. Und es wird bei den Rittern eher länger als lustig. Aber, ehrlich gesagt, gelacht wurde schallend.
In der Nestroy-Rolle des jungen Sapprawalt tänzelt und zappelt Paul Graf vergnüglich durch das Stück, auf seine Art komisch souverän ist Manfred Stella als sein Onkel, und den Vogel schießt Michelle Haydn als schmollende, lamentierende, zankende Tochter Eulalie ab.
Als „Fee“ Gegenwart schlüpft Bella Rössler in viele Rollen, wobei man unmöglich alle Mitwirkenden aufzählen kann – Clemens Fröschl nützt die Möglichkeiten des Herrn von Geldsack, Urgesteine wie Franz Steiner ist vergnügt im Mittelalter unterwegs.
Es war vielleicht nicht der übliche scharfe, politisch anwendbare Nestroy, aber das Publikum nahm die Zauber-Ritter-Show, die Christian Graf mit handwerklicher Meisterschaft gezaubert hat, mit großem Vergnügen auf. Renate Wagner
Online Merker, 27. Juni 2025
SCHWECHAT „Die Zauberreise in die Ritterzeit“ oder „Die Übermüthigen“
Bericht über die Premiere am 26. Juni 2025 Der NÖ Theatersommer in der Rothmühle in Schwechat hat trotz Regens begonnen!
53 Jahre wird in der Rothmühle schon Nestroy gespielt, erstmals ist eine Premiere wegen Starkregens abgebrochen worden. Bis zur Pause wurde fast zwei Stunden gespielt, gesungen und getanzt! Verpasste Spielzeit: ca 35 Minuten. Ritter sind zwar mutige Leut‘, aber Turniere, Kämpfe und Tänze wären für die Schauspieler:innen, Tänzer:innen und Sänger:innen auf der regennassen Bühne viel zu gefährlich geworden und auch die Zuschauer:innen sind gerne ins Trockene geflüchtet.
Was wird dieses Jahr bei den Nestroy Spielen Schwechat in ihrer 53. Saison geboten? Regisseur Christian Graf setzt auf ein relativ unbekanntes Stück „Die Zauberreise in die Ritterzeit“. Es geht um große Themen „Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft“ und die Frage „War früher wirklich alles besser?“ oder „Ist es nur eine nostalgische Erinnerung, an der man versucht festzuhalten? Die Idee, Personen, die das abenteuerliche Leben und Treiben des Rittertums als die glücklichste Zeit der Welt sehen, durch einen Zauber dahin zu versetzen, und durch die unterschiedlichsten Widerwärtigkeiten und Bedrängnisse bei den Rittersleuten wieder mit der Gegenwart zu versöhnen, ist originell. Die Umsetzung durch den Autor Nestroy ist allerdings klischeebehaftet. Die Regie macht das Beste aus dem etwas dürftigen Material. Im Programmheft wird die Thematik sehr gut aufgearbeitet.
Das Stück wurde 1832 verfasst und hatte am 20. Oktober desselben Jahres seine Uraufführung. Zu Nestroys Zeiten erlebte es nur fünf Aufführungen. Es folgte der Mode der Zauberstücke und Possen, ein Mittel, der Zensur im Biedermeier zu entgehen.
Das spielfreudige Ensemble besteht aus 28 Personen, 10 von ihnen sind das erste Mal bei den Nestroy Spielen Schwechat dabei, Franz Steiner seit 1974 bereits das 43. Mal und Bella Rössler seit 1984 zum 39. Mal. Eine interessante Mischung! Paul Graf als Simplicius Sapprawalt und Manfred Stella als Polycarpus Sapprawalt wissen besonders zu beeindrucken!
Der Regisseur und Intendant Christian Graf bricht mit der bisherigen Tradition der Guckkastenbühne. Er arbeitet mit einer quadratischen Bühne in der Mitte des Zuschauerraums, sodass das Publikum von allen vier Seiten exzellente Sicht auf die Bühne, den sog. Turnierplatz, hat. Elisabeth Dietrich-Schulz
Kurier, 28. Juni 2025
Nestroy-Spiele Schwechat: Nostalgie ist auch keine Lösung
Heiteres mit Tiefgang – und Längen: "Die Zauberreise in die Ritterzeit" beim Sommertheater in Schwechat. Eine Kritik zur wetterbedingt vorzeitig abgebrochenen Premiere.
Schwechat kennt man eigentlich nur vom Vorbeifahren – am Weg zum Flughafen. Es gibt aber auch nur wenige Gründe, sich freiwillig in diese Gegend zwischen Start- und Landebahn sowie der größten Erdölraffinerie Österreichs zu bewegen – außer, man lebt natürlich dort.
Aber im Sommer ist vieles anders, und Schwechat durchaus ein Hotspot in Sachen Theater. Vor allem, wenn es um Nestroy geht. Denn mit Nestroy kennt man sich in Schwechat aus, der hat dort Tradition – seit 1973. Und damit es nicht langweilig wird, sucht man immer wieder nach neuenHerausforderungen, nach Nestroy-Stücken, die eigentlich niemand spielen will. Und damit wären wir bei "Die Zauberreise in die Ritterzeit" angelangt.
Alles so langweilig hier
Für diese Posse aus dem Jahr 1832 verwandelt sich der wirklich ansehnliche Schlosshof der Rothmühle in einen mittelalterlichen Turnierplatz - rundherum sitzt das Publikum. Dieses Setting ist vor allem für die Schauspielerinnen und Schauspieler eine besondere herausfordernd, weil sie dadurch nicht nur nach vorne spielen müssen – sondern auch zur Seite und nach hinten. Dem bunt zusammengewürfelten Ensemble gelingt diese Aufgabe dann auch ganz gut. Allen voran dem meist im Mittelpunkt stehenden Duo: Polycarp Sapprawalt (Manfred Stella) und sein Neffe Simplicius (Paul Graf), die das Leben in der Gegenwart nur noch langweilt. Geld macht auch nicht glücklich. Heute ist alles nur noch kompliziert. Früher war alles besser, weil heute darf Mann ja nichts mehr machen und schon gar nichts mehr sagen. Tja, ein Ritter müsste man sein ..., denn damals sei das Leben noch einfach und aufregend gewesen. "Gegenwart" (Bella Rössler) will sich das nicht mehr länger anhören und schickt die beiden in die Vergangenheit – zurück in Zeiten, wo acht Tage eine sehr lange Zeit waren, weil man schon in der nächsten Sekunde todkrank (u. a. Pest) oder von einem Schwert aufgespießt werden konnte. Älter als 40 wurde da kaum jemand. Und von Gleichberechtigung war keine Rede, wie Eulalie (Michelle Haydn), die verwöhnte Tochter von Polycarp, bei der Zeitreise in die Ritterzeit feststellen muss.
Die Moral der Geschichte hat man nach wenigen Minuten kapiert, dazu braucht man kein Nestroy-Kenner sein, kein Programmheft kaufen: Nein, früher war nichts besser – nicht einmal das Wetter. Und das war am Tag der Premiere wahrlich nicht besonders, was dazu geführt hat, dass mit der Pause das bis dahin viel zu lange Stück verfrüht beendet wurde. Bis dahin sah man abseits einiger Längeneinen durchaus ansprechenden und locker-leichten Theaterabend. Schwer waren an diesem Abend nur die Regentropfen, die vom Himmel fielen.
Ganz schön viel los
Christian Graf liefert eine kreative, ideenreiche und witzige Inszenierung eines schwierigen Stücks, das sicherlich nicht zu den besseren von Nestroy gehört. Dieses Problem versucht er mit mehr anstatt mit weniger zu kompensieren, was dazu führt, dass auf der Bühne oft (zu) viel los ist. Die gefühlt 30 Mitwirkenden sind ununterbrochen in Bewegung – mal kommen sie von links, dann von rechts oder stehen plötzlich hinter einem. Sie nennen sich das „Volk“, bringen dem adeligen Bürgertum den Wein, satteln die Pferde, bringen den Rittern die Rüstung; sie liefern Slapstick-Einlagen, tanzen zu Walzermelodien, musizieren und singen – fast wie in einem Musical. Ob nach der Pause die Sapprawalts zufriedener, ja, gescheiter in der Gegenwart landen, müssen Sie sich selber ansehen. Marco Weise
oe24.at, 27. Juni 2025
Nestroy-Rarität als Regenschlacht in Schwechat
"Die Zauberreise in die Ritterzeit" auf Schloss Rothmühle musste zur Pause leider wegen Regen abgebrochen werden.
Manches war ungewohnt bei der Premiere der 53. Nestroy Spiele am Donnerstagabend auf Schloss Rothmühle in Rannersdorf bei Schwechat. Das Stück - "Die Zauberreise in die Ritterzeit" - mit seinen Allegorien ist eher Raimund verwandt, die Bühne wurde in die Mitte des Schlosshofs verlegt, und dem bunten Treiben war der Wettergott abhold. Zur Pause - nach immerhin fast zwei Stunden - wurde abgebrochen.
"Keinen Hochglanz-Nestroy im lustigen Biedermeiergewand" will Intendant Christian Graf auf die Bühne bringen. Das war auch nicht die Intention seines langjährigen Vorgängers Peter Gruber, der stets für bissig-zeitkritische Inszenierungen gesorgt hatte. Dieser Biss scheint Graf etwas abhanden gekommen zu sein, sein Ansatz wirkt vergleichsweise zahm. Das liegt in diesem Fall wohl auch an der Stückwahl, denn die Zauberposse thematisiert die zeitlose Frage, ob denn früher alles besser war. Dass dem nicht so ist, illustriert Nestroy anhand eines Rückblicks in die romantisierte Ritterzeit. Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft messen sich miteinander.
Große Spiellust, kein Mangel an Pointen
Das 28-köpfige Ensemble stürzt sich mit großer Spiellust ins klamaukige Geschehen. Dass dabei komödiantische Kapazunder wie Doyen Franz Steiner (seit 1974 mit dabei) wenig Gelegenheit haben, ihre Qualitäten gebührend auszuspielen, ist schade. Dennoch mangelt es natürlich nicht an Pointen, und Andrea Költringer hat sich eine Vielzahl an ansehnlichen Kostümen einfallen lassen.
NÖN PLUS | Premieren-Kritik, 27. Juni 2025
Nestroy Spiele Schwechat: Verregnete Ritter und ein rarer Nestroy
Seit Jahrzehnten ist Schloss Rothmühle bei Schwechat ein Fixpunkt der niederösterreichischen Sommertheaterszene. Im 53. Jahr der Nestroy Spiele hat Christian Graf eine kaum bekannte Zauberposse aus der Versenkung geholt. Und damit gestern, Donnerstag, (nasse) Premiere gefeiert. Feucht war's bei der Premiere, und fröhlich auch immer wieder, doch der Regen bewirkte nach der Pause den Abbruch der Vorstellung. Da waren aber immerhin beinahe zwei Stunden absolviert.
Zu sehen gibt es heuer einen eher untypischen Nestroy, dessen teilweise allegorisches Personal mehr an Raimund denken lässt: Es geht um den Wettstreit zwischen Gegenwart und Vergangenheit, die ja oft verklärt wird. Um dieses Missverständnis zu entkräften, taucht Nestroy ins Mittelalter ein und zeigt auf, wie wenig berechtigt eine romantisierende Rückschau ist.
Intendant und Regisseur Christian Graf lässt das 28-köpfige Ensemble durch seine turbulente Inszenierung sausen, die zwar reich an Pointen ist, aber doch gelegentlich etwas Kürzung vertragen hätte. Die Bühne ist nun im Hof zentriert, das Publikum sitzt rundum. Ein bisschen schade um die Pawlatschen. Und ein bisschen vermisst man schon die schärferen zeitkritischen Anspielungen aus früheren Jahr(zehnt)en. Aber ja, das ist ja Thema: Ob früher alles besser war? Ewald Baringer
NÖN-TV, 27. Juni 2025
Premierenabend bei den Nestroy Spielen in Schwechat
Zum 53. Mal verwandelt sich der Schlosshof der Rothmühle in eine Freiluftbühne. Mit der neuen Inszenierung „Früher war alles besser! Und erst in der Ritterzeit!" entführt das Ensemble sein Publikum auf eine humorvolle Reise ins Mittelalter – mit überraschenden Blicken auf die Gegenwart.
Es ist wieder so weit: Bereits zum 53. Mal dürfen sich Kulturliebhaberinnen und Kulturliebhaber auf die Nestroy Spiele freuen. Der barocke Schlosshof der Rothmühle wird erneut zur Theaterbühne unter freiem Himmel. Viele Gäste aus Schwechat und der Umgebung haben sich am Premierenabend eingefunden – gespannt auf die erste Aufführung der diesjährigen Produktion.
In diesem Jahr wurde eine besondere Inszenierung gewählt: Mit „Früher war alles besser! Und erst in der Ritterzeit!" nimmt das Ensemble das Publikum mit auf eine Zeitreise ins Mittelalter. Eine unterhaltsame Mischung aus Gegenwart und Vergangenheit – mit viel Humor und einer wichtigen Botschaft.
Doch nicht nur der Inhalt stellt die Schauspielerinnen und Schauspieler vor Herausforderungen – auch die neue Bühnenkonstruktion sorgte für Abwechslung. Erstmals wurde die Spielfläche in die Mitte des Schlosshofes verlegt.
Dass Johann Nestroy und Schwechat untrennbar miteinander verbunden sind, wird bei den jährlichen Festspielen besonders spürbar. Die Rothmühle bietet dabei die perfekte Kulisse für das Open-Air-Theater.
Wer Lust bekommen hat: Die Nestroy Spiele in Schwechat laufen noch bis zum 2. August – immer dienstags, mittwochs, freitags und samstags um 20:30 Uhr – sowie am Sonntag, den 20. Juli, schon um 19 Uhr. Ein lohnenswertes Kulturangebot – für alle, die Theater unter freiem Himmel in besonderer Atmosphäre erleben möchten.
NÖN, 28. Juni 2025
Wettergott ließ Nestroy Spiele in Schwechat nur bis zur Pause gewähren
Bei der Premiere von Nestroys „Die Zauberreise in die Ritterzeit“ machte der Regen dem Spaß nach fast zwei Stunden einen Strich durch die Rechnung.
War früher alles besser? Um diese Frage kreist das Stück „Die Zauberreise in die Ritterzeit“, mit dem Intendant Christian Graf am Donnerstag Premiere feierte. Um zu zeigen, dass dem nicht unbedingt so war, dient ein Ausflug in die Ritterzeit. Und dabei war dieses Mal einiges neu im Hof von Schloss Rothmühle in Rannersdorf, so etwa, dass die Bühne in der Mitte des Areals platziert war und die Gäste dadurch einen Rundum-Blick auf das dortige Geschehen hatten.
Die Zauberposse gab dem Ensemble reichlich Gelegenheit, mit lustigen Pointen aufzuwarten und sich mit viel Spielfreude ins Geschehen zu werfen. Allerdings war nach beinahe zwei Stunden ein abruptes Ende angesagt: Die Premiere musste wegen des Regens abgebrochen werden.
Die Gäste nahmen's großteils mit Humor und packten ihre Regenschirme aus. Mit dabei waren neben der Hausherrin Bürgermeisterin Karin Baier auch zahlreiche Promis aus der Schauspielwelt, so etwa die Schauspieler Pia Baresch, Elfriede Otts Adoptivsohn Goran David-Ott und Peter Lesiak, sowie Regisseur Michael Garschall, aber auch Nestroys Urgroßneffe Othmar Nestroy. Susanne Müller
Kultur und Wein, 29. Juni 2025
DIE ZAUBERREISE IN DIE RITTERZEIT Turnier von Gegenwart und Vergangenheit
Ein vergessenes „Besserungsstück“ wird in der „Arena“ Rothmühle wieder belebt
Johann Nestroy ist auch in seinen bösesten Possen ein unglaublicher Moralist. Am Schluss wird geheiratet, egal was zuvor an schändlichen Umtrieben passiert ist. Das Publikum hat dem wortgewaltigen Fabulierer dafür durch Zustrom zu seinen Stücken gedankt; und tut es noch immer. Eine Ausnahme ist die 1832 uraufgeführte Original-Zauberposse in drei Aufzügen mit dem Titel „Die Zauberreise in die Ritterzeit“. Die erste Serie wurde nach nur fünf Aufführungen abgesetzt, eine Wiederaufnahme im Jahr darauf nach nur zwei Abenden. Dabei bietet diese Komödie das Abenteuer einer Zeitreise, einen Blick ins Feenreich, in dem Fee Gegenwart mit Donner und Blitz regiert, und Fehden zwischen geharnischten Rittern, die in Turnieren und wilden Kämpfen ausgetragen werden. Von der zeitgenössischen Kritik wurde dem Verfasser Oberflächlichkeit vorgeworfen, mit dem er dieses herrliche Sujet behandelt hätte. Knapp 200 Jahre danach wird man den Eindruck nicht los, dass der Verriss dieser Frühform der Pradler Ritterspiele nicht völlig unbegründet war. Sagen wir es so: Es war ein verzeihlicher, weil unterhaltsamer Ausrutscher des großen Nestroy.
Trotz dieser wenig ermutigenden Vorgaben wurde für das Theaterfest NÖ die „Zauberreise“ von den Nestroy Spielen Schwechat aufgegriffen – und wird, wie es scheint, ein später Erfolg für ihren Patron. Die Premiere musste zwar wegen Regen nach der Pause abgebrochen werden, aber der größere Teil vorher genügte, um sich einen brauchbaren Eindruck zu verschaffen. Intendant und Regisseur Christian Graf hat eine Arena mit Turnierplatz eingerichtet, auf dem Fee Gegenwart (Bella Rössler) die von ihr gelangweilten Herren Simplicius Sapprawalt (Paul Graf) und dessen Vater Polycarpus (Manfred Stella) samt aufmüpfiger Tochter Eulalie (Michelle Haydn) mit Hilfe ihrer Mutter Die Vergangenheit (Sissy Stacher) ins Mittelalter bugsiert.
Trotz ersichtlicher Ablehnung folgt der Verlobte, Herr von Geldsack (Clemens Fröschl), der jungen Dame ins 14. Jahrhundert. Sie heiratet dort auf der Stelle den stolzen Ritter Ottomar von Eisenfels (Markus Weitschacher), der sich jedoch umgehend als Brutalinski entpuppt und seine Angetraute die Schlaghand spüren lässt. Aus Petronella (Melina Rössler), der heiratswilligen Braut von Simplicius und Tochter der betuchten Frau von Ducatenstein (Maria Sedlaczek), ist Kunigunde geworden, die dem Ritter Eichenwald (Fabian Stiegner) versprochen ist. Zwischen diesen veritablen Wirren webt ein stattliches Ensemble in schlichten Gewändern durch die ungemein spartanische Ausstattung und erzeugt u. a. mit Seifenblasen das überirdische Feenreich. Andrea Wild begleitet mit Laute und Gitarre die Couplets und untermalt mit zarten Akkorden immer wieder die Szene. Freilich müssen die Zeittouristen nicht im Burgverlies verschmachten und kommen – ganz Nestroy – zur Einsicht. „Wier (sic!) waren ein paar Eseln“ geben Polycarp und Simplicius zu. „Seht ihr das ein?“ fragt die Gegenwart. Darauf die beiden Gebesserten: „Im Hungerturm sieht man alles ein.“ Johannes Gans
NÖN, 14. Juli 2025
Theaterparty auf der Nestroybühne Schwechat
Intendant Christian Graf brachte die Nestroybühne nicht nur an einen neuen Platz im Hof der Schwechater Rothmühle, er ließ am 12. Juli auch die Zuschauer darauf tanzen.
Seit Christian Graf 2022 die Nestroyspiele Schwechat von Peter Gruber übernommen hat, veranstaltet sein Theaterteam jeweils zur Mitte der Sommerspielsaison eine After Show Party namens „Nachtwandler“.
Diesen Samstag war es wieder einmal soweit. Auf der ins Zentrum gerückten Bühne brachten Nestroy-Gäste, Ensemblemitglieder und Freunde des Sommertheaters von 23 Uhr bis 3 Uhr Früh eine heiße Sohle aufs Parkett.
DJane Linda Lipsi sorgte für den passende Sound. Ob bei „Uptown Girl“ von Billy Joel, „Girls Just Want to Have Fun“ von Cyndi Lauper, beim „Time Warp“ aus der Rocky Horror Picture Show oder dem Evergreen-Mitmachsong „Macarena“, die Partygäste tanzten bis in den frühen Morgen.
„Happy Hour“ zum Partystart
An der Bar gab es nach dem Stückende von „Die Zauberreise in die Ritterzeit“ Mixgetränke um einen Preis „fast so günstig wie noch im Mittelalter“, so der Nestroyspiele-Intendant. Bei diversen Cocktails ließen „Nachtwandler“ die Samstagvorstellung nochmal Revue passieren. „Dieses selten gespielte Werk Nestroys ist so erfrischend humorvoll inszeniert, dass es schade wäre, es zu verpassen“, ist eine Besucherin der Samstagsvorstellung überzeugt. Brigitte Wimmer
Weitere Links:
Radio Dispositiv auf Orange 94.0 (mit Herbert Gnauer, Christian Graf, Paul Graf, Michelle Haydn, Manfred Stella)
SW1 / NÖN-TV Premierenbericht
Zeitungsausschnitte: