Die Zauberreise in die Ritterzeit

53. NESTROY Spiele Schwechat
26. Juni bis 02. August 2025

So, 20.07. 19:00

„Früher war alles besser! Und erst in der Ritterzeit!“

Wollten Sie nicht auch schon immer romantisch von einem Ritter erobert und auf seine Burg entführt werden? 
Oder ein Held sein und Herrscher über Volk und Land - also ein richtiger Mann?!

Dann folgen Sie uns auf eine Zeitreise ins Mittelalter und überzeugen Sie sich selbst, ob damals wirklich alles „besser“ war, oder sich die nostalgischen Träume doch schneller als einem lieb ist in Albträume verwandeln.

Gegenwart trifft auf Vergangenheit 
…und der Schlosshof der Rothmühle verwandelt sich in einen mittelalterlichen Turnierplatz.

 „Über dem Grabe der Vergangenheit thront die Gegenwart im rosigen Schimmer.“

Die Zauberreise in die Ritterzeit  © Barbara Pálffy (Manfred Stella, Paul Graf, San Trohar)
Christian Graf © Barbara Pálffy

Regie

Christian Graf
Andrea Költringer © Barbara Pálffy

Bühne & Kostüm

Andrea Költringer
Otmar Binder © Barbara Pálffy

Originalkomposition

Otmar Binder
Florian Haslinger © Barbara Pálffy

Regieassistenz

Florian Haslinger
Marie Christine Reisinger © Barbara Pálffy

Regiehospitanz

Marie Christine Reisinger
Lorna Dawson © Barbara Pálffy

Choreografie

Lorna Dawson
Mel Stein © Barbara Pálffy

Kampfchoreografie & Coaching

Mel Stein
Andrea Wild © Barbara Pálffy

Gitarre & Arrangements

Andrea Wild
Martina Reitinger

Maske

Martina Reitinger
Harald Töscher © Barbara Pálffy

Lichtdesign

Harald Töscher
Harry Spitzwieser © Barbara Pálffy

Bühnenrealisierung

Harry Spitzwieser
Christoph Weiß © Barbara Pálffy

Bühnenbau | Mann Für Alles

Christoph Weiß

Endprobenassistenz

Sophie Hörlezeder

Kostümassistenz

Juliane Fülöp

Schneiderei

Maria Bittner, Amrei Plattner

Maske

Nina Sophie Ploiner, Flora Zobernig

Licht | Ton

Alexander Wanko

Gitarre (am 20., 22., 26., 30.7., 1., 2.8.)

Ignacio Giovanetti

Bühnenbau

Martin Miehl

Sound-Mixing

Max Antoniades

Grafik

Lori Trauttmansdorff

Fotos

Barbara Pálffy
DIE GEGENWART eine mächtige Fee
DIE VERGANGENHEIT Mutter der Fee Gegenwart, eine pensionierte Fee
FURIOSUS (FRANZ)
MOROSUS (BERNHARD) ranghohe Geister der Fee Gegenwart
DIE WAHRHEIT
FOLLETTERL ein Kobold
POLYCARPUS SAPPRAWALT ein reicher Privatmann
EULALIE seine Tochter
SIMPLICIUS SAPPRAWALT sein Neffe
FRAU VON DUCATENSTEIN Schwägerin des Herrn von Sapprawalt
PETRONELLA ihre Tochter, Braut des Simplicius Sapprawalt
HERR VON GELDSACK Eulaliens Bräutigam, Neffe der Frau von Ducatenstein
FRÄULEIN GICKS
HERR VON SCHERWENZL
FRÄULEIN DUFT
FRÄULEIN SPITZ
HERR VON SCHARF
FRAU VON HAUBENBAND
FRÄULEIN GIRAFF
OTTOMAR VON EISENFELS ein junger Ritter
BRIGITTA VON WINTERSCHNEE seine Muhme
URSULA Beschließerin auf Ottomars Feste
KURT ein Knecht auf Ottomars Feste
EIN HEROLD auf Ottomars Feste
RITTER BLASIUS VON HUMPENBERG
KUNIGUNDE seine Tochter
BERTRAM Burgvogt auf Humpenberg
EIN KNECHT des Ritter Humpenberg
KUNO VON DOPPELSCHWERT
ADELHEID dessen Gemahlin
HILDEGARDIS VON TIEFENSTEIN deren Schwester
RITTER EICHENWALD Kunigundens Verlobter
RITTER KLEEBERG dessen Freund
GUNTRAM Doppelschwerts Leibknappe
EIN KERKERMEISTER
DIENSTBARE GEISTER
Ensemble
1. Akt
Chor der Geister mit der Fee Gegenwart I, 1. – Die dienstbaren Geister beschweren sich über die ausbleibende Besoldung. Die Fee Gegenwart vertröstet sie auf ihr Kind, die Zukunft. Gerne würden die Geister die Mutter der Gegenwart, die Vergangenheit, zu Rate ziehen, doch diese schläft immerzu. Man bringt der Gegenwart einen sechs Fuß hohen Brief, aus dem Frau von Dukatenstein und ihr Neffe Geldsack steigen. Sie bitten die Gegenwart um Hilfe in einer Hochzeitsangelegenheit: Der junge Simplicius Sapprawalt soll Petronella, Frau von Dukatensteins Tochter, heiraten, ebenso wie Geldsack Eulalie, doch die Narrheit der Familie Sapprawalt verhindert dies. Darüber möchte sich die Gegenwart aus unabhängiger Quelle informieren und befragt das Buch der Wahrheit. Darin steht, dass das junge Fräulein Eulalie die fixe Idee hat, „dass die jungen Herrn der jetzigen Zeit nicht mehr viel taugen – und dass nur die Jünglinge der Vorzeit fähig waren, ein Mädchenherz zu beglücken.“ Über Vater und Sohn Sapprawalt kann man lesen, dass sie die Gegenwart „abscheulich, langweilig, und fad“ finden. „Die Vergangenheit aber behaupten sie war herrlich und schön.“ Diese Worte bringen die Vergangenheit dazu, aufzuwachen und fortzueilen, um sich in ihrer ganzen Schönheit zeigen zu können. Die Gegenwart verspricht, Frau von Dukatenstein und Geldsack zu helfen. Sie ist sicher, dass man die Gegenwart besser zu schätzen wisse, wenn man sieht, wie die Vergangenheit wirklich war. Geldsack möchte bei dieser Geschichte unbedingt dabei sein, obwohl ihn die Fee davor warnt. Er glaubt, sein Geld schütze ihn sowohl vor der Gegenwart als auch der Vergangenheit. – Chor der Geister I, 2. – Duett Polycarpus, Simplicius I, 4: Sie klagen: „Warum sind wier nicht in der Vorzeit gebohr’n, / Aus uns wär’n zwey schöne Stück Ritter gewor’n.“Auftrittslied Eulalie I, 6 („So oft ich ein Mannsbild nur seh’ muß ich lachen“). – Eulalie schikaniert Geldsack durch ihre Launen, obwohl er eifrig bemüht ist, alle ihre Wünsche zu erfüllen. Ihre Zeit verbringt sie mit der Lektüre von Ritterromanen. Simplicius und Petronella haben sich überhaupt nichts zu sagen. Bei einem Ball versucht Simplicius, mit den verschiedensten Frauen anzubandeln. Obwohl alle ihn abweisen, hält er sich für unwiderstehlich. – Lied Simplicius I, 14: („Mit die Madeln da ist’s richtig“). – Fräulein Giraff hat es wegen seines Geldes auf Simplicius abgesehen. Begeistert stürzt er ihr zu Füßen. Petronella sieht die Szene und fällt mit einem lauten Schrei in Ohnmacht. In dem entstehenden Tumult zeigt sich die Gegenwart Frau von Dukatenstein und Geldsack und gibt ihnen kurze Anweisungen. Nachdem alle Gäste fort sind, versetzt die Gegenwart Eulalie, Polycarpus und Simplicius in einen tiefen Schlaf. Allmählich verwandelt sich die Umgebung in eine Ritterwelt. Polycarpus und Simplicius werden zu Rittern, Eulalie wird ein Burgfräulein. Sie befinden sich in einer Burg, über der sich die Vergangenheit niederlässt. – Chor I, 19.

2. Akt
Jagdchor mit Eulalie und Simplicius II, 1. – Wie gewünscht, befindet sich auch Geldsack in der Ritterzeit. Allerdings fühlt er sich getäuscht, weil Eulalie ihn ebenso schlecht behandelt wie zuvor. – Quodlibet-Duett Polycarpus, Eulalie II, 4. – Zu Eulalies Begeisterung hält der Raubritter Ottomar bei Polycarpus um ihre Hand an. Gerne gibt der Vater seine Einwilligung. Auf Ottomars Wunsch hin findet die Hochzeit auf der Stelle statt. Polycarpus gefällt die Ritterwelt ausnehmend gut. Seine Entscheidung reut ihn jedoch, als er Geldsacks Verzweiflung über die Hochzeit sieht. Er rät ihm, den Ritter niederzuschlagen und Eulalie an sich zu nehmen. Geldsack fürchtet seinerseits, von dem Ritter niedergeschlagen zu werden, und will sich lieber einer List bedienen. Polycarpus hält das für den gefährlicheren Weg, aber Geldsack vertraut auf seinen Reichtum. Humpenberg fordert Polycarpus auf, an einem Turnier teilzunehmen. Eichenwald hofft, bei diesem Turnier einen Preis zu erringen, den er dann aus den Händen seiner geliebten Kunigunde erhielte. Bei Humpenberg versucht er die Einwilligung zu einer Hochzeit zu erlangen, dieser will jedoch erst in einem Jahr zustimmen. Kleeberg tröstet seinen Freund und verweist ihn auf den Turnierpreis. Da hören beide aus einem Baum eine Stimme, die ihnen prophezeit, dass sie an diesem Tag keinen Preis gewinnen werden. Es ist die Fee Gegenwart, die ihnen in Gestalt einer alten Hexe befiehlt, das Turnier gegen Polycarpus und Simplicius zu verlieren. Zunächst weigern sich die Ritter, geben aber nach, als die Fee ihre wahre Gestalt annimmt. Unter diesen Umständen ziehen sie es vor, an dem Turnier überhaupt nicht teilzunehmen, doch die Gegenwart zwingt sie dorthin. Gleich nach der Hochzeitszeremonie schlägt Ottomar Eulalie gegenüber ganz neue Töne an. Statt eines schönen Kleides, Schmuck und vielen Gästen, wie Eulalie es erwartet hatte, gibt es nur die Ermahnung, sich um die häuslichen Pflichten zu kümmern. Eulalie ist entrüstet. Ursula meldet, vor der Burg stehe ein Jüngling, der ständig heraufblicke. Auf Ottomars Geheiß gießt Kurt einen Eimer Wasser hinab und an dem Aufschrei erkennt Eulalie ihren ehemaligen Bräutigam. Ottomar droht seiner Frau, sie bei Wasser und Brot in das Burgverlies zu sperren, falls sie es wagen sollte, noch einmal an einen anderen Mann zu denken. Nur ihre Tränen stimmen ihn etwas milder. Als Meistersänger verkleidet erscheint Geldsack. Durch sein Singen soll er Eulalie beim Spinnen erheitern. Erst als er Bart und Perücke abnimmt, erkennt Eulalie, wer vor ihr steht. Eigentlich wollte er Eulalie entführen, doch jetzt fühlt er sich zu nass. Als Ottomar sich nähert, legt Geldsack schnell seine Verkleidung wieder an und fühlt sich sicher. In der Eile hat er jedoch vergessen, den Bart richtig zu befestigen, sodass Ottomar den Betrug auf der Stelle bemerkt. Ohnmächtig bricht Eulalie zusammen. Obwohl er Ottomar viel Geld gibt, wird Geldsack zu seiner Verwunderung in das Verlies gesperrt. Unterdessen haben Polycarpus und Simplicius sich für das Turnier gewappnet. Heimlich schleichen sie zu Hildegardis und Kunigunde und machen ihnen den Hof. Kunigunde fühlt sich von Simplicius belästigt. Um zu verhindern, dass das Burgfräulein Eichenwald zu Hilfe holt, nimmt die Gegenwart ihre Gestalt an, ohne dass Simplicius die Verwechslung bemerkt. Polycarpus und Simplicius sind glücklich und fühlen sich unbesiegbar. – Chor der Ritter und Frauen II, 23. – Wie verabredet gewinnen Polycarpus und Simplicius das Turnier. Aus Hildegardis’ Hand erhält Polycarpus ein goldenes Schwert, dass er nur gegen einen Handkuss für Hildegardis nehmen will, womit er Doppelschwerdts Ärger auf sich zieht. Während Simplicius von Kunigunde einen silbernen Helm erhält, spricht er davon, sie zu entführen. Insgeheim beschließt die Gegenwart, die Strafe für die Übermütigen nun beginnen zu lassen. In der Zwischenzeit ist Eulalie geflohen. Polycarpus will sie nach Hause bringen, wird jedoch von den Rittern daran gehindert. Da Polycarpus sich nicht beirren lässt, wollen sie ihn angreifen, doch Humpenberg hält sie unter Hinweis auf das Gastrecht zurück. So beschließen die Ritter, mit ihrem Angriff zu warten, bis er sich wieder auf seiner eigenen Burg befindet. Bertram meldet, dass Simplicius soeben Kunigunde entführt habe. Zwar bemerkt ein Knecht, Kunigunde sitze in ihrer Kammer, doch die Ritter schenken ihm keinen Glauben und beschließen, die Feste der Sapprawalts zu zerstören. – Chor der Ritter II, 25. – Die Gegenwart, noch immer in Kunigundes Gestalt, weist Simplicius auf die Gefahr eines Angriffs hin. Tapfer verspricht Simplicius, wie ein Ritter für sie zu kämpfen und sich eher unter den Trümmern seiner Burg begraben zu lassen als von ihrer Seite zu weichen. – Duett Simplicius, Fee Gegenwart II, 26. – Franz meldet, dass sich bewaffnete Scharen der Burg nähern. Ein Herold verlangt in Ottomars Namen Eulalies Rückkehr, damit ihr Gatte sie angemessen bestrafen kann. Polycarpus droht mit einem Prozess, was der Herold nicht versteht. Er wirft einen Fehdehandschuh. Als nächster tritt Humpenbergs Burgvogt ein und verlangt die Herausgabe von Kunigunde. Auf Simplicius’ Entgegnung, er wolle sie heiraten, weist Bertram auf die versprochene Hochzeit mit Eichenwald und die bevorstehende Erstürmung der Burg hin. Auch er wirft einen Fehdehandschuh. Guntram überbringt die Nachricht, dass Doppelschwerdt Polycarpus wegen der Avancen gegen Hildegardis zum Duell fordere. Sollte Polycarpus sich nicht stellen, werde er ihm die Burg anzünden. Auch Guntram hinterlässt einen Fehdehandschuh. Noch trösten Polycarpus und Simplicius sich mit der Hoffnung, dass die Ritter ihre Drohungen nicht wahrmachen werden. Doch in diesem Moment wird die Burg bereits angegriffen. Auf der Stelle sind Poylcarpus und Simplicius zum Frieden bereit, aber Bernhard ist sich sicher, dass die Feinde nicht ablassen, bevor die Burg zerstört ist. Eilig begibt man sich auf die Flucht. Die Ritter erstürmen die Burg und suchen nach Kunigunde, als ein alter Knecht die echte Kunigunde herbeibringt und versichert, sie habe sich gar nicht aus der eigenen Burg entfernt. Durch diese Verwechslung fühlen sich die Ritter gefoppt und setzen deshalb ihr Zerstörungswerk fort. Plötzlich verwandelt sich die Burg in den Kristallpalast der Gegenwart, und die Ritter verharren in lebloser Erstarrung. – Chor der Nymphen II, 33.

3. Akt
Chor der Knechte III, 1. – Polycarpus ist zu der Erkenntnis gekommen: „[…] aus’n Ritterleben schaut nix heraus. Auf Ehre, mir kann man jetzt glauben, denn ich red aus Erfahrung, es ist nichts g’schenckt’s an der Vorzeit.“ – Lied Polycarpus III, 1 (R: „Bedanck’ mich, da bringt man das Geld nicht heraus“). – Simplicius ist von seiner Ritterleidenschaft noch nicht geheilt. Den Verlust seiner Geliebten verschmerzt er leicht und das verlorene Vermögen glaubt er durch einen Kreuzzug bald wiedergewinnen zu können. – Chor der Knechte III, 3. – Als Kreuzritter gekleidet machen Polycarpus und Simplicius sich sofort auf den Weg. Doch am Tor treffen sie Bertram, der sie mit Hilfe einiger Knechte gefangennimmt und vor ein Femgericht bringt. Man wirft Polycarpus vor, sich in eheliche Zwistigkeiten eingemischt und Doppelschwerdt durch die Blicke auf dessen Schwägerin erbost zu haben. Simplicius wirft man die Entführung Kunigundes vor. Beide Missetäter werden zu acht Tagen im Hungerturm verurteilt, was beide für eine leichte Strafe halten. Im Verlies treffen sie auf Geldsack. Der Ernst ihrer Lage wird ihnen bewusst, als der Kerkermeister sich auch durch Bestechung nicht bewegen lässt, Essen zu holen. Lakonisch begründet er seine Haltung damit, dass er das Geld nach dem Tod der Gefangenen auf jeden Fall bekomme. Den Verzweifelten erscheint die Fee Gegenwart, woraufhin Polycarpus und Simplicius ihren Irrtum eingestehen. Die Fee versetzt alle wieder in die Gegenwart. Überglücklich verspricht Eulalie, Geldsack nicht mehr zu malträtieren, und Simplicius ist froh, Petronella heiraten zu dürfen. Zur Sicherheit fragt Simplicius die Gegenwart nach ihrer Adresse, worauf diese antwortet: „Über dem Grabe der Vergangenheit thront die Gegenwart im rosigen Schimmer.“ – Schlussgesang Eulalie, Simplicius, Polycarpus III, 12
 
Aus dem "Nestroy-Schauspielführer" von Jürgen Hein und Claudia Meyer, Verlag Lehner
Nestroy Gespräche 2025

49. Internationale Nestroy-Gespräche 2025
„Ja, so was erlebt man halt selten zu Haus, / Drum ’s Reisen, das bildet den Menschen erst aus. (Der Affe und der Bräutigam, Stücke 11, I:6, S.86)

REISEN DURCH RAUM UND ZEIT

Dienstag, 1. Juli 2025
Anreise nach A-2320 Schwechat, Justiz-Bildungszentrum (Schloss Altkettenhof), Schlossstraße 7. 
18:30 Begrüßung
20:30 Schwechat-Rannersdorf, Schloss Rothmühle, Rothmühlstraße 5
Aufführung der 53. NESTROY Spiele Schwechat 
DIE ZAUBERREISE IN DIE RITTERZEIT (Regie: Christian Graf) - anschließend Empfang

Mittwoch, 2. Juli 2025
09:15 Begrüßung und Einführung
09:30 Sebastian Hauck (Leipzig): Bernardons Reise in die Hölle oder Der Schlamassel mit der Jenseitsreise
10:15 Matthias Schleifer (Bamberg): Ein Chiasmus - und außerdem? Einfälle und Fragen zur Zauberreise in die Ritterzeit
11:00 Kaffeepause
11:15 Gespräch über Stück und Inszenierung mit Christian Graf und Johann Hüttner
12:15 Einführung Exkursion mit Otmar Nestroy
Mittagessen
14:00 Exkursion nach Wien – Besuch des Wien Museums (mit Schwerpunkt Biedermeier/Vormärz) anschl. Heurigenbesuch (Organisation: Otmar Nestroy und Ulrike Tanzer)

Donnerstag, 3. Juli 2025
08:30 Maria Piok (Innsbruck): Von Venedig nach Wien. Moderne Goldoni-Bearbeitungen
09:15 Lena Probst (Graz): Schoellers Nestroy-Bilder – Eine Reise durch die Welt der Bilder
10:00 Kaffeepause
10:30 Johann Sonnleitner (Wien): Ferdinand Raimund (Arbeitstitel)
11:15 Matthias Mansky (Wien/Salzburg): Eine Reise in die grotesk-komische Theaterwelt Herbert Fritschs. Raimunds Die gefesselte Phantasie im Burgtheater
Mittagessen
14:00 Henk J. Koning (Putten): Wolfgang Adolph Gerle (1781-1846) und Ferdinand Raimund
14:45 Bernhard Doppler (Paderborn): Fünfundsiebzig Jahre in der Neuen und in der Alten Welt. Aus dem Leben eines Unbedeutenden. Heinrich Börnstein. Theater als Wanderschaft im 19. Jahrhundert.
15:30 Kaffeepause
15:45 Sigurd Paul Scheichl (Innsbruck): „Erster Klasse“ – eine Bahnreise durch Oberbayern 1910
16:30 Daniel Milkovits (Wien): Krise, Kredit und Komödie. Ludwig Anzengrubers Tochter des Wucherers

Freitag, 4. Juli 2025
Abreise

Konzeption: Matthias Mansky, Walter Pape, Ulrike Tanzer

Nachtwandler

Bereits Tradition hat unsere alljährliche
NACHWANDLER AFTER SHOW PARTY

Direkt im Anschluss an die Vorstellung mit Musik und Drinks im Garten der Rothmühle.

Sa, 12. Juli 2025 | Beginn: 23:15 | Eintritt frei!

>> NÖN Partyrückblick mit Fotostrecke

Online Merker, 27. Juni 2025
THEATERFEST NIEDERÖSTERREICH / Nestroy-Spiele Schwechat: 
DIE ZAUBERREISE IN DIE RITTERZEIT von Johann Nestroy
Premiere: 26. Juni 2025  (besucht wurde die Generalprobe am 25. Juni 2025) 

Die Zauber-Ritter-Show

Das ist auch Nestroy? wird sich manch ein Besucher der diesjährigen Nestroy-Spiele Schwechat wundern. Aber ja, wenn auch ein sehr früher. Und wo sollte man nach Raritäten im Monsterwerk des Dichters (über 70 Stücke) schürfen, wenn nicht bei Festspielen, die seit mehr als einem halben Jahrhundert diesem Nestroy allein gelten?

„Die Zauberreise in die Ritterzeit“ ist ein frühes Nestroy-Stück von 1832, noch bevor der zu seiner Meisterschaft gefunden hatte. Aber Talent – das besaß er schon damals, wo er noch das Althergebrachte variierte. Nestroy bediente hier viele der damals üblichen Genres auf den Wiener Volkstheater-Bühnen. Zauberstücke mit Allegorien gab es ohne Zahl – hier sind es die Gegenwart mit Mutter Vergangenheit und Tochter Zukunft. Und wer das schlicht findet, soll nur an Analogien in Buch und Film denken, die sich heute Fantasy nennen und wo das Übernatürliche mit ähnlicher Selbstverständlichkeit behandelt wird. Es gab damals Zeitreisen, hier wird eine unternommen, es gab selbstverständlich Ritterstücke, hier geraten die Biedermeier-Menschen in diese Vergangenheit, und es gab natürlich Besserungsstücke: Es war üblich im politischen System, dass die Menschen  zur Einsicht kommen, so auch hier. Und wenn die beiden Helden des Stücks, Onkel und Neffe Sapprawalt, sich gleich zu Beginn von ihrer Gegenwart angeödet zeigen, dann erinnern sie schon ein wenig an Nestroys Zerrissenen, den Herrn von Lips, dem das Leben auch nichts mehr bieten kann, weil er sich alles schon gekauft hat und nichts Neues auf ihn wartet. Wenn die oberflächlichen Sapprawalts sich für die Ritterzeit begeistern und meinen, damals sei das Leben spannend und interessant gewesen… dann nimmt Nestroy gedankenlose Nostalgie aufs Korn (die gibt es ja wohl noch immer, „die gute alte Zeit“).

Und folglich schickt die „Gegenwart“ sie in die Vergangenheit, um sie eines Besseren zu belehren. Dasselbe geschieht auch der Tochter des älteren Sapprawalt, Eulalie, die in der Gegenwart ihren Bräutigam so langweilig findet (sein Name, Herr von Geldsack, sagt schon, wie reich er ist – und das betont er auch dauernd). Einen Ritter zu heiraten, das fände sie herrlich. Als dann in der Ritterzeit genau das passiert, merkt sie – die durchaus emanzipierte Biedermeier-Zicke – , wie wenig Wert damals eine Frau hatte… ein Klacks echter Emanzipationsgeschichte (und Erkenntnis) im alten Nestroy. Freilich weiß man, warum die frühen Nestroy-Stücke, also auch dieses, so selten (1981 einmal im Theater der Jugend) bis gar nicht gespielt werden. Neben durchaus viel Witz und ansatzweiser Zeichnung echter Charaktere gibt es auch viel Überflüssiges, und da hätte die Aufführung in Schwechat durchaus eine Menge streichen können.

Aber Intendant Christian Graf, der auf der Bühne schon wieder fehlt, weil der junge Sapprawalt ihm bestens zu Gesicht stehen würde, setzte eher auf Mehr als Weniger. Wenn aus dem Stück zwar ein paar handfeste Wahrheiten, aber nicht, wie so oft bei Nestroy, geradlinige Politik-Polemik herauszuholen ist, dann geht die Regie eben den anderen Weg. Graf baute den Hof von Schloß Rothmühle, wo seit Jahr und Tag sommers die Nestroy-Spiele stattfinden, zu einer Raumbühne um, das Publikum sitzt auf allein vier Seiten. Das ergibt weit mehr Spielmöglichkeiten als der übliche Guckkasten, hat aber auch die bekannten Akustik-Nachteile – Schauspieler, die mit dem Rücken zu einem stehen, versteht man nicht. Vielleicht sind deshalb alle ununterbrochen in Bewegung…

Das über die Maßen personenreiche Stück wird noch um eine Statistenschar aus Frauen und Männern für alles erweitert. Sie bauen nicht nur blitzschnell um, sie sind „Volk“ in Gegenwart und Vergangenheit, dienen auch schon einmal als Pferde für Ritter beim Turnier,  sie erfüllen vor allem die reich mit Musik angereicherten Szenen mit perfekter Choreographie, so dass sich fast ein Musical-Effekt einstellt. Eine Mords-Show ist es jedenfalls, schnell, turbulent und immer wieder zu viel von allem. Vor allem wenn es zum Blödeln in die alte Ritterzeit geht, so gut wie die Pradler scheint es bald, und man muss das Stück auch nicht ernst nehmen. Aber es so zu überborden statt es zu verschlanken – das bietet zwar viele Lacher, aber auch eine gewaltige Dosis Unübersichtlichkeit. Und es wird bei den Rittern eher länger als lustig. Aber, ehrlich gesagt, gelacht wurde schallend.

In der Nestroy-Rolle des jungen Sapprawalt tänzelt und zappelt Paul Graf vergnüglich durch das Stück, auf seine Art komisch souverän ist Manfred Stella als sein Onkel, und den Vogel schießt Michelle Haydn als schmollende, lamentierende, zankende Tochter Eulalie ab.
Als „Fee“ Gegenwart schlüpft Bella Rössler in viele Rollen, wobei man unmöglich alle Mitwirkenden aufzählen kann – Clemens Fröschl nützt die Möglichkeiten des Herrn von Geldsack, Urgesteine wie Franz Steiner ist vergnügt im Mittelalter unterwegs.

Es war vielleicht nicht der übliche scharfe, politisch anwendbare Nestroy, aber das Publikum nahm die Zauber-Ritter-Show, die Christian Graf mit handwerklicher Meisterschaft gezaubert hat, mit großem Vergnügen auf. Renate Wagner


Online Merker, 27. Juni 2025
SCHWECHAT „Die Zauberreise in die Ritterzeit“ oder „Die Übermüthigen“
Bericht über die Premiere am 26. Juni 2025 Der NÖ Theatersommer in der Rothmühle in Schwechat hat trotz Regens begonnen!

53 Jahre wird in der Rothmühle schon Nestroy gespielt, erstmals ist eine Premiere wegen Starkregens abgebrochen worden. Bis zur Pause wurde fast zwei Stunden gespielt, gesungen und getanzt! Verpasste Spielzeit: ca 35 Minuten. Ritter sind zwar mutige Leut‘, aber Turniere, Kämpfe und Tänze wären für die Schauspieler:innen, Tänzer:innen und Sänger:innen auf der regennassen Bühne viel zu gefährlich geworden und auch die Zuschauer:innen sind gerne ins Trockene geflüchtet.

Was wird dieses Jahr bei den Nestroy Spielen Schwechat in ihrer 53. Saison geboten? Regisseur Christian Graf setzt auf ein relativ unbekanntes Stück „Die Zauberreise in die Ritterzeit“. Es geht um große Themen „Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft“ und die Frage „War früher wirklich alles besser?“ oder „Ist es nur eine nostalgische Erinnerung, an der man versucht festzuhalten? Die Idee, Personen, die das abenteuerliche Leben und Treiben des Rittertums als die glücklichste Zeit der Welt sehen, durch einen Zauber dahin zu versetzen, und durch die unterschiedlichsten Widerwärtigkeiten und Bedrängnisse bei den Rittersleuten wieder mit der Gegenwart zu versöhnen, ist originell. Die Umsetzung durch den Autor Nestroy ist allerdings klischeebehaftet. Die Regie macht das Beste aus dem etwas dürftigen Material. Im Programmheft wird die Thematik sehr gut aufgearbeitet.

Das Stück wurde 1832 verfasst und hatte am 20. Oktober desselben Jahres seine Uraufführung. Zu Nestroys Zeiten erlebte es nur fünf Aufführungen. Es folgte der Mode der Zauberstücke und Possen, ein Mittel, der Zensur im Biedermeier zu entgehen.

Das spielfreudige Ensemble besteht aus 28 Personen, 10 von ihnen sind das erste Mal bei den Nestroy Spielen Schwechat dabei, Franz Steiner seit 1974 bereits das 43. Mal und Bella Rössler seit 1984 zum 39. Mal. Eine interessante Mischung! Paul Graf als Simplicius Sapprawalt und Manfred Stella als Polycarpus Sapprawalt wissen besonders zu beeindrucken!

Der Regisseur und Intendant Christian Graf bricht mit der bisherigen Tradition der Guckkastenbühne. Er arbeitet mit einer quadratischen Bühne in der Mitte des Zuschauerraums, sodass das Publikum von allen vier Seiten exzellente Sicht auf die Bühne, den sog. Turnierplatz, hat. Elisabeth Dietrich-Schulz


Kurier, 28. Juni 2025
Nestroy-Spiele Schwechat: Nostalgie ist auch keine Lösung

Heiteres mit Tiefgang – und Längen: "Die Zauberreise in die Ritterzeit" beim Sommertheater in Schwechat. Eine Kritik zur wetterbedingt vorzeitig abgebrochenen Premiere.

Schwechat kennt man eigentlich nur vom Vorbeifahren – am Weg zum Flughafen. Es gibt aber auch nur wenige Gründe, sich freiwillig in diese Gegend zwischen Start- und Landebahn sowie der größten Erdölraffinerie Österreichs zu bewegen – außer, man lebt natürlich dort.

Aber im Sommer ist vieles anders, und Schwechat durchaus ein Hotspot in Sachen Theater. Vor allem, wenn es um Nestroy geht. Denn mit Nestroy kennt man sich in Schwechat aus, der hat dort Tradition – seit 1973. Und damit es nicht langweilig wird, sucht man immer wieder nach neuenHerausforderungen, nach Nestroy-Stücken, die eigentlich niemand spielen will. Und damit wären wir bei "Die Zauberreise in die Ritterzeit" angelangt.

Alles so langweilig hier

Für diese Posse aus dem Jahr 1832 verwandelt sich der wirklich ansehnliche Schlosshof der Rothmühle in einen mittelalterlichen Turnierplatz - rundherum sitzt das Publikum. Dieses Setting ist vor allem für die Schauspielerinnen und Schauspieler eine besondere herausfordernd, weil sie dadurch nicht nur nach vorne spielen müssen – sondern auch zur Seite und nach hinten. Dem bunt zusammengewürfelten Ensemble gelingt diese Aufgabe dann auch ganz gut. Allen voran dem meist im Mittelpunkt stehenden Duo: Polycarp Sapprawalt (Manfred Stella) und sein Neffe Simplicius (Paul Graf), die das Leben in der Gegenwart nur noch langweilt. Geld macht auch nicht glücklich. Heute ist alles nur noch kompliziert. Früher war alles besser, weil heute darf Mann ja nichts mehr machen und schon gar nichts mehr sagen. Tja, ein Ritter müsste man sein ..., denn damals sei das Leben noch einfach und aufregend gewesen. "Gegenwart" (Bella Rössler) will sich das nicht mehr länger anhören und schickt die beiden in die Vergangenheit – zurück in Zeiten, wo acht Tage eine sehr lange Zeit waren, weil man schon in der nächsten Sekunde todkrank (u. a. Pest) oder von einem Schwert aufgespießt werden konnte. Älter als 40 wurde da kaum jemand. Und von Gleichberechtigung war keine Rede, wie Eulalie (Michelle Haydn), die verwöhnte Tochter von Polycarp, bei der Zeitreise in die Ritterzeit feststellen muss.

Die Moral der Geschichte hat man nach wenigen Minuten kapiert, dazu braucht man kein Nestroy-Kenner sein, kein Programmheft kaufen: Nein, früher war nichts besser – nicht einmal das Wetter. Und das war am Tag der Premiere wahrlich nicht besonders, was dazu geführt hat, dass mit der Pause das bis dahin viel zu lange Stück verfrüht beendet wurde. Bis dahin sah man abseits einiger Längeneinen durchaus ansprechenden und locker-leichten Theaterabend. Schwer waren an diesem Abend nur die Regentropfen, die vom Himmel fielen.

Ganz schön viel los
Christian Graf liefert eine kreative, ideenreiche und witzige Inszenierung eines schwierigen Stücks, das sicherlich nicht zu den besseren von Nestroy gehört. Dieses Problem versucht er mit mehr anstatt mit weniger zu kompensieren, was dazu führt, dass auf der Bühne oft (zu) viel los ist. Die gefühlt 30 Mitwirkenden sind ununterbrochen in Bewegung – mal kommen sie von links, dann von rechts oder stehen plötzlich hinter einem. Sie nennen sich das „Volk“, bringen dem adeligen Bürgertum den Wein, satteln die Pferde, bringen den Rittern die Rüstung; sie liefern Slapstick-Einlagen, tanzen zu Walzermelodien, musizieren und singen – fast wie in einem Musical. Ob nach der Pause die Sapprawalts zufriedener, ja, gescheiter in der Gegenwart landen, müssen Sie sich selber ansehen. Marco Weise


oe24.at, 27. Juni 2025
Nestroy-Rarität als Regenschlacht in Schwechat
"Die Zauberreise in die Ritterzeit" auf Schloss Rothmühle musste zur Pause leider wegen Regen abgebrochen werden.

 

NÖN PLUS | Premieren-Kritik, 27. Juni 2025
Nestroy Spiele Schwechat: Verregnete Ritter und ein rarer Nestroy

Seit Jahrzehnten ist Schloss Rothmühle bei Schwechat ein Fixpunkt der niederösterreichischen Sommertheaterszene. Im 53. Jahr der Nestroy Spiele hat Christian Graf eine kaum bekannte Zauberposse aus der Versenkung geholt. Und damit gestern, Donnerstag, (nasse) Premiere gefeiert. Feucht war's bei der Premiere, und fröhlich auch immer wieder, doch der Regen bewirkte nach der Pause den Abbruch der Vorstellung. Da waren aber immerhin beinahe zwei Stunden absolviert.

Zu sehen gibt es heuer einen eher untypischen Nestroy, dessen teilweise allegorisches Personal mehr an Raimund denken lässt: Es geht um den Wettstreit zwischen Gegenwart und Vergangenheit, die ja oft verklärt wird. Um dieses Missverständnis zu entkräften, taucht Nestroy ins Mittelalter ein und zeigt auf, wie wenig berechtigt eine romantisierende Rückschau ist.

Intendant und Regisseur Christian Graf lässt das 28-köpfige Ensemble durch seine turbulente Inszenierung sausen, die zwar reich an Pointen ist, aber doch gelegentlich etwas Kürzung vertragen hätte. Die Bühne ist nun im Hof zentriert, das Publikum sitzt rundum. Ein bisschen schade um die Pawlatschen. Und ein bisschen vermisst man schon die schärferen zeitkritischen Anspielungen aus früheren Jahr(zehnt)en. Aber ja, das ist ja Thema: Ob früher alles besser war? Ewald Baringer


NÖN-TV, 27. Juni 2025
Premierenabend bei den Nestroy Spielen in Schwechat

Zum 53. Mal verwandelt sich der Schlosshof der Rothmühle in eine Freiluftbühne. Mit der neuen Inszenierung „Früher war alles besser! Und erst in der Ritterzeit!" entführt das Ensemble sein Publikum auf eine humorvolle Reise ins Mittelalter – mit überraschenden Blicken auf die Gegenwart.

Es ist wieder so weit: Bereits zum 53. Mal dürfen sich Kulturliebhaberinnen und Kulturliebhaber auf die Nestroy Spiele freuen. Der barocke Schlosshof der Rothmühle wird erneut zur Theaterbühne unter freiem Himmel. Viele Gäste aus Schwechat und der Umgebung haben sich am Premierenabend eingefunden – gespannt auf die erste Aufführung der diesjährigen Produktion.

In diesem Jahr wurde eine besondere Inszenierung gewählt: Mit „Früher war alles besser! Und erst in der Ritterzeit!" nimmt das Ensemble das Publikum mit auf eine Zeitreise ins Mittelalter. Eine unterhaltsame Mischung aus Gegenwart und Vergangenheit – mit viel Humor und einer wichtigen Botschaft.

Doch nicht nur der Inhalt stellt die Schauspielerinnen und Schauspieler vor Herausforderungen – auch die neue Bühnenkonstruktion sorgte für Abwechslung. Erstmals wurde die Spielfläche in die Mitte des Schlosshofes verlegt.

Dass Johann Nestroy und Schwechat untrennbar miteinander verbunden sind, wird bei den jährlichen Festspielen besonders spürbar. Die Rothmühle bietet dabei die perfekte Kulisse für das Open-Air-Theater.

Wer Lust bekommen hat: Die Nestroy Spiele in Schwechat laufen noch bis zum 2. August – immer dienstags, mittwochs, freitags und samstags um 20:30 Uhr – sowie am Sonntag, den 20. Juli, schon um 19 Uhr. Ein lohnenswertes Kulturangebot – für alle, die Theater unter freiem Himmel in besonderer Atmosphäre erleben möchten.


NÖN, 28. Juni 2025
Wettergott ließ Nestroy Spiele in Schwechat nur bis zur Pause gewähren

Bei der Premiere von Nestroys „Die Zauberreise in die Ritterzeit“ machte der Regen dem Spaß nach fast zwei Stunden einen Strich durch die Rechnung.

War früher alles besser? Um diese Frage kreist das Stück „Die Zauberreise in die Ritterzeit“, mit dem Intendant Christian Graf am Donnerstag Premiere feierte. Um zu zeigen, dass dem nicht unbedingt so war, dient ein Ausflug in die Ritterzeit. Und dabei war dieses Mal einiges neu im Hof von Schloss Rothmühle in Rannersdorf, so etwa, dass die Bühne in der Mitte des Areals platziert war und die Gäste dadurch einen Rundum-Blick auf das dortige Geschehen hatten.

Die Zauberposse gab dem Ensemble reichlich Gelegenheit, mit lustigen Pointen aufzuwarten und sich mit viel Spielfreude ins Geschehen zu werfen. Allerdings war nach beinahe zwei Stunden ein abruptes Ende angesagt: Die Premiere musste wegen des Regens abgebrochen werden.

Die Gäste nahmen's großteils mit Humor und packten ihre Regenschirme aus. Mit dabei waren neben der Hausherrin Bürgermeisterin Karin Baier auch zahlreiche Promis aus der Schauspielwelt, so etwa die Schauspieler Pia Baresch, Elfriede Otts Adoptivsohn Goran David-Ott und Peter Lesiak, sowie Regisseur Michael Garschall, aber auch Nestroys Urgroßneffe Othmar Nestroy. Susanne Müller


Kultur und Wein, 29. Juni 2025
DIE ZAUBERREISE IN DIE RITTERZEIT Turnier von Gegenwart und Vergangenheit
Ein vergessenes „Besserungsstück“ wird in der „Arena“ Rothmühle wieder belebt

Johann Nestroy ist auch in seinen bösesten Possen ein unglaublicher Moralist. Am Schluss wird geheiratet, egal was zuvor an schändlichen Umtrieben passiert ist. Das Publikum hat dem wortgewaltigen Fabulierer dafür durch Zustrom zu seinen Stücken gedankt; und tut es noch immer. Eine Ausnahme ist die 1832 uraufgeführte Original-Zauberposse in drei Aufzügen mit dem Titel „Die Zauberreise in die Ritterzeit“. Die erste Serie wurde nach nur fünf Aufführungen abgesetzt, eine Wiederaufnahme im Jahr darauf nach nur zwei Abenden. Dabei bietet diese Komödie das Abenteuer einer Zeitreise, einen Blick ins Feenreich, in dem Fee Gegenwart mit Donner und Blitz regiert, und Fehden zwischen geharnischten Rittern, die in Turnieren und wilden Kämpfen ausgetragen werden. Von der zeitgenössischen Kritik wurde dem Verfasser Oberflächlichkeit vorgeworfen, mit dem er dieses herrliche Sujet behandelt hätte. Knapp 200 Jahre danach wird man den Eindruck nicht los, dass der Verriss dieser Frühform der Pradler Ritterspiele nicht völlig unbegründet war. Sagen wir es so: Es war ein verzeihlicher, weil unterhaltsamer Ausrutscher des großen Nestroy. 

Trotz dieser wenig ermutigenden Vorgaben wurde für das Theaterfest NÖ die „Zauberreise“ von den Nestroy Spielen Schwechat aufgegriffen – und wird, wie es scheint, ein später Erfolg für ihren Patron. Die Premiere musste zwar wegen Regen nach der Pause abgebrochen werden, aber der größere Teil vorher genügte, um sich einen brauchbaren Eindruck zu verschaffen. Intendant und Regisseur Christian Graf hat eine Arena mit Turnierplatz eingerichtet, auf dem Fee Gegenwart (Bella Rössler) die von ihr gelangweilten Herren Simplicius Sapprawalt (Paul Graf) und dessen Vater Polycarpus (Manfred Stella) samt aufmüpfiger Tochter Eulalie (Michelle Haydn) mit Hilfe ihrer Mutter Die Vergangenheit (Sissy Stacher) ins Mittelalter bugsiert. 

Trotz ersichtlicher Ablehnung folgt der Verlobte, Herr von Geldsack (Clemens Fröschl), der jungen Dame ins 14. Jahrhundert. Sie heiratet dort auf der Stelle den stolzen Ritter Ottomar von Eisenfels (Markus Weitschacher), der sich jedoch umgehend als Brutalinski entpuppt und seine Angetraute die Schlaghand spüren lässt. Aus Petronella (Melina Rössler), der heiratswilligen Braut von Simplicius und Tochter der betuchten Frau von Ducatenstein (Maria Sedlaczek), ist Kunigunde geworden, die dem Ritter Eichenwald (Fabian Stiegner) versprochen ist. Zwischen diesen veritablen Wirren webt ein stattliches Ensemble in schlichten Gewändern durch die ungemein spartanische Ausstattung und erzeugt u. a. mit Seifenblasen das überirdische Feenreich. Andrea Wild begleitet mit Laute und Gitarre die Couplets und untermalt mit zarten Akkorden immer wieder die Szene. Freilich müssen die Zeittouristen nicht im Burgverlies verschmachten und kommen – ganz Nestroy – zur Einsicht. „Wier (sic!) waren ein paar Eseln“ geben Polycarp und Simplicius zu. „Seht ihr das ein?“ fragt die Gegenwart. Darauf die beiden Gebesserten: „Im Hungerturm sieht man alles ein.“ Johannes Gans


NÖN, 14. Juli 2025
Theaterparty auf der Nestroybühne Schwechat

Intendant Christian Graf brachte die Nestroybühne nicht nur an einen neuen Platz im Hof der Schwechater Rothmühle, er ließ am 12. Juli auch die Zuschauer darauf tanzen.

Seit Christian Graf 2022 die Nestroyspiele Schwechat von Peter Gruber übernommen hat, veranstaltet sein Theaterteam jeweils zur Mitte der Sommerspielsaison eine After Show Party namens „Nachtwandler“.

Diesen Samstag war es wieder einmal soweit. Auf der ins Zentrum gerückten Bühne brachten Nestroy-Gäste, Ensemblemitglieder und Freunde des Sommertheaters von 23 Uhr bis 3 Uhr Früh eine heiße Sohle aufs Parkett.

DJane Linda Lipsi sorgte für den passende Sound. Ob bei „Uptown Girl“ von Billy Joel, „Girls Just Want to Have Fun“ von Cyndi Lauper, beim „Time Warp“ aus der Rocky Horror Picture Show oder dem Evergreen-Mitmachsong „Macarena“, die Partygäste tanzten bis in den frühen Morgen.

„Happy Hour“ zum Partystart

An der Bar gab es nach dem Stückende von „Die Zauberreise in die Ritterzeit“ Mixgetränke um einen Preis „fast so günstig wie noch im Mittelalter“, so der Nestroyspiele-Intendant. Bei diversen Cocktails ließen „Nachtwandler“ die Samstagvorstellung nochmal Revue passieren. „Dieses selten gespielte Werk Nestroys ist so erfrischend humorvoll inszeniert, dass es schade wäre, es zu verpassen“, ist eine Besucherin der Samstagsvorstellung überzeugt. Brigitte Wimmer


Weitere Links:

Radio Dispositiv auf Orange 94.0 (mit Herbert Gnauer, Christian Graf, Paul Graf, Michelle Haydn, Manfred Stella)

SW1 / NÖN-TV Premierenbericht


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