|
Heimliches Geld, heimliche Liebe, III/1622 |
|
|
|
|
Verwandlung |
|
|
(Gassenladen der Kräutlerin, wie zu Anfang des Stückes.) |
|
16te Scene |
|
|
(PEMPERER, LENI) |
|
|
PEMPERER (mit LENI zur Mitte eintretend). Also da war s? |
|
|
LENI. Auf dem Tisch dort, hat er mich um mein Lebensglück bringen wolln. |
|
|
PEMPERER (drohend). Der kann sich gfaßt machen auf was! Is er da, zreiß ichn glei, is er nit da zreiß ichn später. Bey einer Kräutlerin, an einem Ort, wo s mit grüner Waar handeln, so was Schwarzes zu fabricieren ! |
|
|
|
|
17te Scene |
|
|
(FRAU KÖRBL; DIE VORIGEN) |
|
|
FRAU KÖRBL (aus der Seitenthüre lincks kommend). Ghorschamer Diener, schaffen S was? |
|
|
PEMPERER. Wir suchen den, der die schön Brief schreibt. |
|
|
FRAU KÖRBL. A wenig später wurden Sien finden. |
|
|
PEMPERER. Sie müssen nit etwan glauben daß ich nit schreibn kann, ich kanns nur nit recht. |
|
|
LENI. Wenn mans nit recht kann, iss glei so gut, man kanns gar nit; die Hacken die der Vater macht |
|
|
PEMPERER. Meine Hacken habn nur den Fehler daß [s] kein Styl hallen. |
|
|
FRAU KÖRBL. Ja der Briefstyl, den versteht er ausn Fundament! |
|
|
LENI. O, mir hat er einn Brief aufgsetzt, auf den ich Zeitlebens denck. |
|
|
PEMPERER. Da schaun S das Madi an, wie Sies anschaun is sie ganz zruck in der Bildung. |
|
|
FRAU KÖRBL. Mein Gott, wer kann davor! |
|
|
PEMPERER. Niemst als ihr Mahm aum Land. Mir war kein Opfer für ihre Erziehung zu groß; d Schul kostt nix da draußt, und die habn richtig s ganze Kostgeld auf d Kost verwendt; wie [ich] an Pfingsten hinauskomm, sie abholen, seh ich aufn ersten Blick, daß s Madl nit lesen und nit schreiben kann. |
|
|
FRAU KÖRBL. Wann a Gschöpf nur sonst brav is! Also wies gfällig is; entweder Sie warten jetzt auf ihn, oder er soll nacher auf Ihnen warten, der Herr Dickkopf. |
|
|
PEMPERER und LENI (aufs Höchste erstaunt). Dickkopf !? |
|
|
FRAU KÖRBL. Na ja, so heißt er, der (Nach der Seitenthüre horchend.) Erlauben S, ich hör was mir scheint ich hab die Thür offen lassen da drinn. (Geht in die Seitenthüre ab.) |
|
18te Scene |
|
|
(DIE VORIGEN ohne FRAU KÖRBL) |
|
|
PEMPERER (sich von seinem Staunen erholend). Der Dickkopf ! jetzt geht mir a Licht auf jetzt seh ich aber Alles aufn ersten Blick. |
|
|
LENI (sich kaum fassen könnend). Meinn Casimir sein Stiefvater. |
|
|
PEMPERER (drohend). Jetzt erlebn wir was! |
|
|
LENI (ängstlich). Sie werdn ihm doch nix thun ? |
|
|
PEMPERER. Nix thun !? ein Kupferschmied, wann Betrug geschmiedet wird !? |
|
|
LENI (ihn besänftigen wollend). Aber bedencken S, er is ein alter |
|
|
PEMPERER. Ich bin grad so a Alter, als wie er. |
|
|
LENI. Der Casimir nimmts übel, es derf seinn Stiefvätern nix gschehn. |
|
|
PEMPERER. Tochter, du bist zu weich, deine Gegenwart is mir hinderlich. Komm, ich sperr dich z Haus in die Kammer. |
|
|
LENI (bittend). Lassen S mich da! ich kann ihms ja in Guten sagn, daß das recht abscheulich war. |
|
|
PEMPERER. Vorwärts! du hast Taubenkobl-Essenz statt Blut in den Adern. |
|
|
LENI (fast weinend). Mein Gott, nur keinn Streit! |
|
|
PEMPERER. Vorwärts, weiche Seele, eh ich hart mit dir verfahr. (Führt LENI zur Mitte fort.) |
|
19te Scene |
|
|
(FRAU KÖRBL, DICKKOPF) |
|
|
DICKKOPF (mit FRAU KÖRBL ans der Seitenthüre kommend, überrascht, als er das Zimmer leer findet). Es is ja kein Mensch da jetzt zu was machen S mir a Gall? |
|
|
FRAU KÖRBL (ihn repromantierend). Ah gehen S, s is einmahl Ihr Gschäft, i kann d Leut nit hinauswerffen. |
|
|
DICKKOPF (zärtlich). Ich will Niemanden mehr sehn, als dich. |
|
|
FRAU KÖRBL (wie oben). Man lebt in der Welt und von der Welt, und muß daher |
|
|
DICKKOPF. Das wird bald a End habn. Morgen laßt du in die Zeitung setzen: Wegen Abreise werden Erdäpfel unter dem Fabrickspreise verkauft, wegen Mangel an Raum wird eine Auswahl Spenat und andere Zuspeis staunend billig verkauft wann das geschehn is, dann Sali hast du einen Begriff von Auswanderung? |
|
|
FRAU KÖRBL. Das hört man wohl, leider, oft gnug. Tausend Meilen weit reisen, um für die hiesigen Kummer und Sorgen ächten Jammer und Verzweiflung z[l finden, das heißt Auswandern. |
|
|
DICKKOPF. Du mußt dich nicht abschrecken lassen von die gewöhnlichen Amerikanischen und Australischen Beyspiele; wo Alles hinpovelt, da gehn wir nicht hin. Was giebts da auch für a Massa Gesindel! wir müssen allein seyn, wir sind Liebende; wo noch gar keine Cultur is, dort is es für uns am Schönsten. |
|
|
FRAU KÖRBL. Na seyn S so gut, machen S a Wilde aus mir. |
|
|
DICKKOPF (schwärmeriscb). Sali, du kennst das nicht; im stillen Ocean giebt es grüne Inseln, wo sich die blaue Woge an Korallenklippen bricht; du da is es schön! |
|
|
FRAU KÖRBL (gelangweilt). Ich bitt Ihnen ! |
|
|
DICKKOPF (wie oben). Und billig is es dort! die Kockuspalme nährt uns, der Achtundvierzger wachst wild, auf den tropischen Hügeln; Hausherrn giebts kaane, und der Schneider kostt gar nix. Da muß der Mensch reich werdn. Eine große Muschel von Wallrossen gezogen, und einn Affen hint aufstehn, das ist die Equipage denck Sali, wenn wir so dahinfahren auf den Wellen ! |
|
|
FRAU KÖRBL. Wann S nit zum schwärmen aufhören, wird mir übel. |
|
|
DICKKOPF (neckisch). O, wart nur, wenn du erst auf dem Ocean bist, da wirst du ganz anders discriern. |
|
20ste Scene |
|
|
(PEMPERER, DIE VORIGEN) |
|
|
PEMPERER (aufgeregt zur Mitte eintretend). Aha, da is er! |
|
|
DICKKOPF (perplex). Der Pemperer ! |
|
|
PEMPERER. Ja falscher Aufsetzer, auf dir soll pempert werdn. |
|
|
DICKKOPF (zurückweichend). Ich bitt mir s aus ! |
|
|
PEMPERER. Gleich werdn wirs sehn, wie viel blaue Fleck Platz haben auf dir ! (Will ihn packen.) |
|
|
DICKKOPF. Hilfe ! Sali, ruf Leut zsamm! (Retiriert sich hinter den Tisch.) |
|
|
FRAU KÖRBL (ist zur Mittelthüre geeilt, und ruft auf die Straße hinaus). Zu Hilf! zu Hilf! |
|
21ste Scene |
|
|
(CASIMIR; DIE VORIGEN) |
|
|
CASIMIR (in karrikiert fashionabler Kleidung zur Mitte eintretend). Was giebts denn? was gschieht denn da? |
|
|
DICKKOPF (seinen Augen nicht trauend). Der Casimir ! |
|
|
CASIMIR. Herr Pemperer, was haben Sie mit meinem Stiefvater vor? |
|
|
PEMPERER. Sein Prämium kriegt er fürs Dictando-Schreiben! (Auf DICKKOPF zeigend.) Der is der Briefbandit! |
|
|
CASIMIR (mit Erstaunen zu DICKKOPF). Was? Sie? |
|
|
DICKKOPF (verlegen nach Entschuldigung suchend). Na weißt Casimir, es war ja |
|
|
PEMPERER. Er hat Ihnen und die Leni auseinander reißen wollen. |
|
|
CASIMIR. Wenn auch! ihn (auf DICKKOPF zeigend) müssen Sie deßtwegen doch ganz lassen. Er hat es in guter Absicht gethan; er will das Wohl (auf sich zeigend) seines Kindes gründen, er will mich reich und glücklich wissen. |
|
|
PEMPERER (Mit Staunen und Geringschätzung). So reden Sie? Sie seyn auf seiner Seiten? Auf n ersten Blick merck ichs jetzt, der Kupferschmiedin ihr Gold is im Spiel, Ihr Gschwufen-Gwand is der Beweis. Aber, mit meiner Tochter Hand in Hand will ich hintreten und ihr Aufklärungen geben. |
|
|
CASIMIR (frostig). Geniert mich nicht. Wissen S was? in einer halben Stund finden S mich dort. |
|
|
PEMPERER. Ich bin ein würdiger Vater, a Bissel Scandal auf oder ab, da kommts mich nicht drauf an. (GeHt zur Mitte ab.) |
|
|
CASIMIR (zu FRAU KÖRBL). Wollten Sie gütigst die Grausamkeit haben, uns auf einen Augenblick Ihre Gegenwart zu entziehn? |
|
|
DICKKOPF. Ich komm gleich nach, Sali! |
|
|
FRAU KÖRBL (zu CASIMIR). Wie Sie schaffen. (Voll Verwunderung im Abgehn, für sich.) Dem Dickkopf sein Sohn is ein Cavalier. (GeHt in die Seitenthüre ab.) |
|
22ste Scene |
|
|
(CASIMIR, DICKKOPF) |
|
|
DICKKOPF. Aber wie hast denn du mich z finden gwußt? |
|
|
CASIMIR. Egal! Ich hab Ihnen gerettet aus Pemperershand |
|
|
DICKKOPF (staunend ihn betrachtend). Und der Aufzug ?! |
|
|
CASIMIR. Ist nobl, wie meine Handlungsweise; denn eigentlich sollt ich Sie haben meine Ehrlichkeit bey Diebsbeleuchtung als abgerichtten Bären tanzen lassen an einem Ort, wo d Lärmingrin zugegen war |
|
|
DICKKOPF (seine Verlegenheit durch brüskes Wesen maskierend). Was denn ? ich wüßt nicht im Gringsten |
|
|
CASIMIR. Sie haben sich, mittelst einer nicht sehr reelen Geld-Operation, von die Dreitausend Gulden, die der Franz kriegt hat, ein kleines Restl von Zweytausend Siebnhundert Gulden zruckbehalten. |
|
|
DICKKOPF. Das soll mir wer beweisen, visitierts mir d Sack! |
|
|
CASIMIR. Zu was? ich hab es auf edlere Art calmiert. Da hir sind frische Zweytausend-Siebenhundert Gulden, behalten Sie die andern, gern gäbeten Sies ja doch nicht her. (Zieht ein Paket Banknoten aus der Tasche.) |
|
|
DICKKOPF (mit lüsterner Verwunderung). Die Menge Geld ! Bist also mit der Lärminger schon auf solchem Fuß? |
|
|
CASIMIR. Zerbrechen S Ihnen nicht den Kopf Das Geld werdn Sie jetzt gleich hintragen. |
|
|
DICKKOPF (stutzend). Ich selber? |
|
|
CASIMIR. Wer sonst? wenn ichs zrucktrag, erschein ich nie ganz rein; hingegn wenn Sie hingehn, und sagen, das Geld is Ihnen untern Tisch gfalln, und Sie habens jetzt erst bemerckt, das is sehr wahrscheinlich, das glaubt Ihnen jeder Mensch. |
|
|
DICKKOPF. Nein ins Lärmingrische Haus geh ich nicht, ich habs verschworen. |
|
|
CASIMIR. Sie müssen! |
|
|
DICKKOPF (erbost). Just nit! |
|
|
CASIMIR (sich frostig zurückziehend). Na dann dann überlass ich Ihnen Ihrem Schicksal. |
|
|
DICKKOPF (etwas befremdet). Schicksal ? was kann ich für ein Schicksal habn. |
|
|
CASIMIR (mit geheimnißvollen Bedauern). Ein trauriges. Der Franz giebt Ihnen an und man wird Ihnen |
|
|
DICKKOPF. In Kercker schleppen? ohne Beweis! (Hohnlachend.) Hoho! |
|
|
CASIMIR (mit Nachdruck). Nicht in Kercker, sondern in Narrenthurm. |
|
|
DICKKOPF (über dieses Wort wie betäubt, und vernichtet). Wa was hast gsagt ? |
|
|
CASIMIR. Von Ihnen wird Niemand sagen: das is ein Verbrecher! sondern: das is ein Narr! s wird heißen: die Entwendung war zu plump, mein Himmel, er is alt und schwachsinnig, was macht man mit ihm? sperrn wirn halt |
|
|
DICKKOPF (wie oben, und erbebend). In Narrenthurm ?!? das kann dein Ernst nicht seyn. |
|
|
CASIMIR (bedencklich). Ja! |
|
|
DICKKOPF (in großer Angst). Aber hör mich nur an, ich werd ja ganz vernünftig. |
|
|
CASIMIR (wie oben). Das glaubt Jeder da drinn. |
|
|
DICKKOPF (mit gesteigerter Angst). Um Gotteswillen ! |
|
|
CASIMIR (im Tone des Trostes). Vielleicht kommen Sie auch nur unter die Halbnarren |
|
|
DICKKOPF. Das wäre schrecklich ! grad jetzt ich muß dirs sagen jetzt, wo ich verliebt bin. |
|
|
CASIMIR. Wann das wer hört kommen S unter die ganzen. |
|
|
DICKKOPF. Aber ich heurath ja. |
|
|
CASIMIR. Das is der sicherste Weg um für einn Narrn gehalten zu werdn. |
|
|
DICKKOPF (in größter Angst, flehend). Casimir o Gott, o Gott, was soll ich denn thun? |
|
|
CASIMIR. Mit mir gehn, und, wie ich gsagt hab, die Gelegenheit ergreiffen, daß Ihnen eine zahlreiche Gesellschaft vernünftig handeln sieht, und daß selbst die, die schon einn Verdacht haben, sehn, daß die lichten Momente bey Ihnen noch vorherrschend sind. (Hat DICKKOPF den Hut in die Hand gegeben.) |
|
|
DICKKOPF (ganz kleinlaut). Aber nicht wahr, wanns Niemand erfahrt kann ich ja doch lieben und heurathen? |
|
|
CASIMIR. Ah freylich! es gehn ja Viel solche, wie Sie, auf freyem Fuß herum aber (dringend) nur s Geld zruckgeben, das is das Erste. (Nimmt ihn unter dem Arm, und geht mit ihm zur Mitte ab.) |
|
|
|
|
|
I/0113: Gassenladen der Kräutlerin II/0106: Elegantes Zimmer bei Herrn von Makler III/0115: Elegantes Zimmer bei Herrn von Makler |
|
I/0113: Gassenladen der Kräutlerin
I/1428: Hofraum bei Frau v. Lärminger
I/2933: Dachwohnung
II/0106: Elegantes Zimmer bei Herrn von Makler
II/0714: Hausmeisterswohnung
II/1521: Dachwohnung
III/0115: Elegantes Zimmer bei Herrn von Makler
III/1622: Gassenladen der Kräutlerin
III/2328: Besuchszimmer bei Frau v. Lärminger