Heimliches Geld, heimliche Liebe, I/29–33

    

 

Verwandlung
 

(Wohnzimmer von Dickkopf, Casimir und Franz. Ärmliche Einrichtung; die Wand lincks ist unter der Abdachung; in der Wand rechts ist eine Seitenthüre. Im Prospecte ist der Eingang, mehr gegen Seite rechts, so daß das, am Prospecte stehende Bett Dickkopfs, ziemlich die Mitte einnimmt. NB. Der Verwandlung wegen, erscheint dieses Bett, mit ordinären grünen Gardinen, in diesem Acte nur gemahlt am Prospecte, im 2ten Acte jedoch, vollkommen ähnlich aussehend, practikabel.)

 

29ste Scene

(CASIMIR, DICKKOPF.) (Treten zur Mitte ein.)

CASIMIR (mit erkünstelter Heiterkeit). Ah, das is ja a Passion, was Sie mir da sagen!

DICKKOPF. Ich seh’s, du bist halt a g’scheidter Kerl.

CASIMIR. Da is ’s leicht g’scheidt seyn, wenn ein’m so ein Vater die Augen öffnet über den wahren Beruf.

DICKKOPF. Exzellenter Stiefsohn! – (Vertraulich.) Weißt, die Frau von Lärminger –

CASIMIR (schlau). Ah, von der is keine Red’!

DICKKOPF (stutzend). Was –? von wem denn sonst?

CASIMIR (wie oben). Hörn S’ auf! Sechsundvierz’g Jahr’ und Vierz’gtausend Gulden – das sind nicht die wahren Wittwen; Hundert Tausend Guld’n und Sieb’nundsiebzig Jahr’ –! so schaun die ächten Ideale für die Einmahleins-Seite des Herzens aus.

DICKKOPF. Ja – weißt a solche?

CASIMIR. Nein, aber parier’n wir, ’s vergeh’n keine Drey, Vier Jahr’, so hab’ ich Eine. DICKKOPF (ärgerlich). Derweil können wir aber in Elend vergeh’n.

CASIMIR. Das war’ eigentlich das Schönste!

DICKKOPF (mit verblüfftem Staunen). Was –!?

CASIMIR. Sie haben ja der Lärmingerin Rache geschworen; ’s Geld können wir ihr nicht nehmen, aber den Genuß des Geldes müssen wir schauen, daß wir ihr schmälern, durch den Anblick unserer Noth. Je weniger wir zu beißen haben, desto mehr wird sie vom Gewissen gebissen; das is halt a Genuß!

DICKKOPF (aus CASIMIR’S Reden nicht klug werden könnend, ärgerlich). Mach mich nit gifti –!

CASIMIR. Sie, so was is ein Wurm! dazu noch ihre von mir verschmähte Liebe zu mir – das is ein detto Wurm, schärferer Qualität; Zwey solche Würmer sind ja nicht mit Geld zu bezahlen, wenn sie an einer Todfeindin nagen. Das is die wahre Blutrache! Schad’ um mich! ich war’ was Großes word’n, wenn ich ein Corsikaner war’.

DICKKOPF (zornig). Du – i sag’ dir’s –!

 

30ste Scene

(FRANZ; DIE VORIGEN.)

DICKKOPF (mürrisch zu FRANZ, als er ihn unter der Thüre erblickt). Du laßt dir wieder schön Zeit.

FRANZ (etwas verstört aussehend). Ich hatte in der Eile Anstalten zu treffen –

DICKKOPF. Um Halber Eins giebt’s keine Anstalten, außer zum Essen.

FRANZ. Daran hab’ ich nicht gedacht.

DICKKOPF. Geschmacklose Seele!

FRANZ. Jetzt aber denck’ ich d’rann, denn diese Mahlzeit, wenn auch noch so frugal, hat etwas Feyerliches – es gielt ein Abschiedsmahl.

CASIMIR. Zur Feyer meiner Ankunft ein Abschiedsmahl –? sonderbares Festprogramm!

FRANZ (zu DICKKOPF,). Sie haben es mir oft zum Vorwurf gemacht, daß ich keine andere Condition suche; Ihr 20 Wunsch wird nun erfüllt, ich werde sie suchen, weit von hier.

DICKKOPF. Jetzt willst fort? Bleib wenigstens noch da bis nach der Hochzeit von der Fräule Kupferschmied, und iß Dich recht an, daß Du gestärckt in die Welt gehst[.]

FRANZ. Gerade diese Hochzeit-Schlemmereyen widern mich an.

DICKKOPF. An einer fremden Hochzeit hab’ ich nie was Widerliches gefunden.

CASIMIR (hat den Tisch in die Mitte gerückt, nimmt den Eßzeug aus der Tischlade und deckt auf).

FRANZ. Diese an einen Liebesbund geknüpfte Öffentlichkeit, dieser Anschlagzettel der süßesten Geheimnisse, diese unstatthafte Schaustellung einer Blume, welcher die Grabschrift angeheftet, verletzt das Gefühl, ich finde etwas Beschimpfendes in dieser mit dem Nahmen „Hochzeit“ bekleideten officiellen Orgie der Liebe.

CASIMIR. Um d’Kranzljungfem war’ am meisten Schad’, wenn die Hochzeiten abkommeten; es liegt oft was Versöhnendes in dieser Erscheinung.

DICKKOPF. Macht sie a gute Parthie die Lärmingerische Tochter?

FRANZ. Ohne Zweifel! solche Leute haben Geld, und suchen und finden wieder Geld, da muß es Einklang geben.

CASIMIR. Der Klang wenigstens is nicht abzuläugnen, wenn Geld zu Geld geworffen wird.

DICKKOPF (zu FRANZ). An Deiner Stell’ zerstöret ich ihr die Parthie, und schauet, daß ich s’ selber krieg’.

FRANZ. Ich –? der ich – sie hasse?

DICKKOPF. Giebt’s eine commodere Gelegenheit, eine Verhaßte unglücklich zu machen, als wenn man s’ heurath’t?

FRANZ. Wie –!? Vetter – – Abscheulich –!

DICKKOPF (verächtlich). Na ja, das wissen wir; du bist gar nicht der Mensch dazu, du wärst in Stand und machest sie glücklich, – (boshaft) eine Lärmingerische Brut!

FRANZ. So Herz- und gefühlempörende Worte können Ihr Ernst nicht seyn.

DICKKOPF. Aha!? – kenn’ mich schon aus –!

CASIMIR. Ruhig –! ich hör’ mit die Teller klappern, – es kommt eine versöhnende Erscheinung.

 

31ste Scene

(FRAU REGERL; DIE VORIGEN.)

FRAU REGERL (zwey Schüsseln tragend, zur Mitte eintretend). Seyn S’ einmahl Alle z’ Haus? Um Zwölfe ißt man nit daß i da extra ’s Holz verbrenn’!

DICKKOPF. Raisonier’ d’ Frau nicht! schau s’ lieber daß wir was Ord’ntlich’s kriegen.

CASIMIR (nachdem FRAU REGERL die beyden Schüsseln auf den Tisch gestellt). Ah, Knödl mit Kraut[.]

DICKKOPF (brummend). Schon wieder; alle Tag’ ’s Nehmliche –!

CASIMIR. Nein, gestern hab’n wir Kraut mit Knödeln g’habt.

FRAU REGERL. Na, seyn S’ so gut! um das Geld wird man Ihnen Gans’ln und Guglhupf herstellen!

CASIMIR. Na, ich glaub’ um das Geld, was wir in d’ Wirthschaft zahlen –

DICKKOPF (Seine Verlegenheit durch mürrisches Auffahren maskierend). Still –! Kein Wort mehr über diesen Gegenstand!

FRAU REGERL. Für Drey Leut’ krieg’ i ’s Monath –

DICKKOPF (wie oben). Wenn d’ Frau nit weitergeht, meiner Seel’ –

FRAU REGERL (drohend zu DICKKOPF). Sie, i sag’s mein’n Mann –! (Für sich, indem sie sich zum Abgehen wendet.) Mir scheint, der Alte steckt d’Hälfte ein vom Wirthschafts-geld [–] (Sich besinnend und umkehrend.) Daß i nit vergiß – der Briefträger war da, Herr Casimir – (Giebt ihm einen Brief, und geht zur Mitte ab.)

 

32ste Scene

(DIE VORIGEN ohne FRAU REGERL)

CASIMIR. An mich? – g’rad vor’n Essen –

DICKKOPF (einen Blick auf den Brief werfend, und in demselben den von ihm verfälschten erkennend, für sich). Aha – (Laut und unbefangen zu CASIMIR.) Les’ nur, genier’ dich nit.

CASIMIR. ’s Könnt’ was drinn seyn, was mich verdrießt; weg’n der Neugier setz’ ich nicht die Tafelfreuden aufs Spiel. (Steckt den Brief unerbrochen in die Tasche.)

DICKKOPF. Na so eßts halt, was hineingeht in öng; ’s is ja so nur weg’n öng da. Mein Gott, was ich iss’, das is wohl für nix z’rechnen. (Hat sich während dieser Rede Vier große Knödln, und ein bedeutendes Quantum Sauerkraut auf seinen Teller herausgenommen.) Habts es nit nöthig, daß ein’m früher Gall machts, und den Apetit verderbts.

CASIMIR. Hab’n wir Ihnen denn was in Weg g’legt?

DICKKOPF. Ös seyds Einer, wie der Andere, der (auf Franz zeigend) gar.

FRANZ. Sie wissen wohl, daß das Essen das Letzte ist, warum ich mich bekümmere.

DICKKOPF (boshaft und drohend). O, ich weiß schon, was dir am Herzen liegt.

FRANZ (in etwas gereitztem Tone). Nun muß ich doch fragen, Vetter, was haben Sie, was wollen Sie mit mir?

DICKKOPF. Glaubst du, i kenn’ mich nit aus? Verliebt bist, in die Rauberstochter!

CASIMIR. Nein was Sie z’sammreden! Möglich, daß sie für ihn brandelt, er aber fröstelt für sie, ich weiß es.

FRANZ (zu CASIMIR, etwas heftig). Was weiß du –?

DICKKOPF (mit boshaftem Hohn zu FRANZ). Na, so schmacht’ halt für sie, geh’ durch mit ihr, raubts mich früher noch aus in –Compagnie- –! vielleicht findts doch a Paar Guld’n bey mir; der gute Willen war’ da.

FRANZ (auffahrend). Vetter –!!

DICKKOPF (wie oben). Na, was denn? Die Niederträchtigkeit is ein Muttermahl, was sich von Vater auf Tochter bis in die Kindskinder vererbt. Und diese Fräule Marie scheint in jeder Hinsicht –

FRANZ (seinen Ingrimm nicht mehr bemeistem könnend, und aufspringend). Was scheint sie –?? – Vetter Sie sind ein –!

DICKKOPF. Was bin ich?

FRANZ (der einigermaßen seines Zornes Herr geworden). Ein boshafter alter Mann.

DICKKOPF (wüthend). Was hast du g’sagt –!?

CASIMIR (begütigend zu DICKKOPF). Es is ja nix Neu’s, dass Einer in der Hitz was sagt, was er nacher bereut.

FRANZ (in gemäßigtem Tone zu DICKKOPF). Ich meine nur, Sie sollten mich in Ruhe lassen, denn Sie sehn’n, daß ich ohnedieß unglücklich – sehr unglücklich bin.

CASIMIR (zu FRANZ,). Mußt immer dencken, er is der Bruder von deiner Mutter; an diesen Stammbaum häng’ dein’n Zorn auf, daß er erstickt.

DICKKOPF (zu CASIMIR) Zu was? lass’ ihn sein’n Ingrimm – vielleicht vergreifft er sich – (Weinerlich.) Es kann’s ja so Keiner erwarten, bis ich d’rinn lieg’, Dritthalb Ellen tief unter der Erd’.

CASIMIR (ärgerlich werdend). Nein, jetzt wär’s schon a Beleidigung für d’ Schuster, wenn man saget, Sie reden ein’n Stiefel z’samm.

DICKKOPF (jammernd). Gott sey Danck, jetzt brauch’ i noch nix von öng, wenn i aber einmahl alt werd’ und kann mir nix verdienen, dann werden s’ mich einführ’n wegn ’n Bettelngeh’n.

FRANZ (sich kaum halten könnend). Solche Ungerechtigkeit –!

CASIMIR (In Unmuth den Löffel hinwerffend, zu DICKKOPF). Auf Ehre, Sie verbittern eim ’s saure Kraut. – Ich les’ jetzt in ein’n Brief, was Z’wiederer’s kann unmöglich drinn steh’n, als man da anhören muß. (Erbricht den Brief, und liest im Stillen.)

DICKKOPF (in seinen Vonvürffen fortfahrend). Werffts mi lieher glei hinaus auf d’ GassenU Schickts mich in’s Spital, oder nehmts a Hack’l, wenn ich öng z’ langsam stirb.

FRANZ (aufspringend). Das halte aus, wer kann –!

CASIMIR (nachdem er gelesen, aufspringend). Ich fall’ um –!!

FRANZ. Was ist Dir –?

CASIMIR. Das is das Ungeheuerste, was je ein Mensch auf der klein’n Post kriegt hat!!

DICKKOPF (fürsich). Meine Briefdosis wirckt.

CASIMIR (zu FRANZ, ihn an der Hand fassend und nach vome rechts ziehend). Da les’, das schreibt mir Eine, die nicht lesen und nicht schreiben kann. (Giebt ihm den offenen Brief.)

DICKKOPF. Kachelts nur Alles ab miteinand, verrath’ts mi, verkaufts mi –! ich bin auf All’s g’faßt. Kindesliebe, Zutrau’n, Herzlichkeit – hahaha! leerer Wahn!

FRANZ (zu CASIMIR, nachdem er gelesen). Ich habe Dich oft gewarnt, ein edles Herz bey solcher Finsterniß des Geistes ist selt’ner als ein schwarzer Brillant. (Giebt ihm den Brief zurück.)

CASIMIR. Aber gar so –! Und wenn nur nit Feyerab’nd war’ ein’n kupfernen Kessel her ich muß mein Inneres betäuben, bis mir der Grünspan die Erinnerung zerfrißt!

DICKKOPF (aufstehend, mit verstellter Unbefangenheit). Was is dir denn Casimir –?

 

33ste Scene

(PEMPERER; DIE VORIGEN)

PEMPERER (zur Mitte eintretend, auf CASIMIR zugehend). Ah, da is er ja! Wissen Sie, daß Sie der Geliebte von meiner Tochter sind?

CASIMIR. Nein, – (gegen FRANZ sich wendend) ich weiß nur daß ich der Gefoppte von ihr war.

PEMPERER. Ohne was zu sagen, mein Madl in Feuer und Flammen setzen! wenn man a Pfeiffen anzünd’t muß man: „Mit Erlaubniß“ sag’n. Und hernach –

DICKKOPF. Lassen S’ mein’n Stiefsohn geh’n! er hat gar keine Liebschaft, er is eine Unschuld!

CASIMIR (zu DICKKOPF). „Du sollst kein falsches Zeugniß geben“, so steht’s geschrieben: Ich hab’ mit seiner Leni ein Verhältnis g’habt, und wenn ich Alles Frühere nur Amourschaften heiße, so war sie meine erste Liebe.

DICKKOPF. Und das hast Du Deinem zweyten Vatern nicht anvertraut!?

PEMPERER. Unglaubliche Hinterlist! weil s’ wissen, daß ich Alles auf’n ersten Blick bemerck’, so haben sie sich hinter meinem Rucken geliebt. Auf das dencket kein Mensch! Und jetzt –!

CASIMIR. Ja jetzt hat die Sach’ a and’res G’sicht.

PEMPERER. Zwey G’sichter hat s’, die Sach’! a schlechtes und a alt’s; das eine heißt Casimir, das and’re Frau von Lärminger. Aus Schmutzerey a Madi sitzen lassen, das gränzt schon an Schmutzerey!

FRANZ. Casimir wird immer als Mann von Ehre handeln, wenn aber ––

DICKKOPF (zu FRANZ). Was hast denn Du drein z’reden?

CASIMIR (vorwurfsvoll zu PEMPERER). A Kupferschmied’s Tochter, und so schlecht verzinnt, daß alles Gift wird, was sie im Herzen kocht!

PEMPERER (sehr böse). Reden S’ nit! sonst sag’ ich Ihnen was.

FRANZ (zu PEMPERER.). Sie hat ja ihn betrogen.

PEMPERER (zu FRANZ). Reden S’ nit! wenn sie ihn betrogen hätt’, so lachet sie sich z’kranck, sie aber weint sich z’tod, folglich hat er sie betrogen.

CASIMIR (stutzig, Verrath ahnend für sich). Sie weint –!? die Leni – sie glaubt, ich hätt’ – da herrscht Betrug –! (Laut und mit auffallender Kälte.) Na, und was wird’s jetzt werd’n mit ihr?

PEMPERER. Vor Allem wird sie Ihnen aus den Zahnten g’raumt.

DICKKOPF. Dafür wird wohl die Kupferschmiedin sorgen.

PEMPERER. Hat schon gesorgt.

CASIMIR. Hat sie s’ vielleicht nach Australien g’schickt?

PEMPERER. Australien? reden S’ nit – was is das?

CASIMIR. Das is der glückliche Welttheil, wo s’ z’wenig Weiber hab’n, d’rum schickt ihnen unser boshafter Continent alle Sechs Wochen einen Dampfer mit Fünfhundert feurigen Jungfrau’n hin.

PEMPERER. O, reden Sie nit. Sie woll’n immer was reden, drum – reden Sie nix!

CASIMIR (leise zu FRANZ). Dem geh’ ich so lang’ nach, bis ich weiß, wo sie ’s Madl hinthan hab’n. (Laut zu PEMPERER.) Freylich, zu was über ’s Meer? wem verbergen kann man auch hir auch.

PEMPERER. Und meine Tochter is so verborgen, daß Sie s’ g’wiß nimmer finden.

CASIMIR. Finden!? hm, wer hat denn g’sagt, daß ich sie suchen will?

DICKKOPF (CASIMIR auf die Achsel klopfend). Bist doch a rarer Pursch.

PEMPERER (zu CASIMIR,). Suchen Sie s’ im Mittelpunct der Erde –

CASIMIR. Könnt’ mir nit einfall’n!

PEMPERER. Oder wo und der wöl –

CASIMIR. Dort schon gar nit! denn wie gesagt –

PEMPERER. Für Ihnen is sie verloren auf ewig. (Will fort.)

CASIMIR. Sie wo gehn S’ denn hin?

PEMPERER. Zu meiner Tochter.

CASIMIR. Na, bis an’s Eck können wir miteinander geh’n; dann geh’n Sie zu der Leni –

PEMPERER (verächtlich). Und Sie zu der Kupferschmiedin, das sieht man aufn ersten Blick.

CASIMIR. Ich bin es meinem Ruf schuldig, denn ich bin mit der Lärminger in G’schrey, und ’s G’schrey schad’t mein’m Ruf.

DICKKOPF (zu CASIMIR). Is das dein Ernst?

PEMPERER (zu CASIMIR). Aber das sag’ ich Ihnen, wie Sie Herr werd’n, geh’ ich aus’n Haus; denn Sie seyn so tief unter mir, und ich sollt’ nacher unter Ihnen seyn – wo kumet i denn da gar hin?!

DICKKOPF. Menagier sich der Herr Pemperer –!

PEMPERER (für sich, aber laut). Ich setz’ gleich im Zimmer auf – (setzt den Hut fest auf den Kopf) denn das sieht man auf n ersten Blick, daß man vor die Zwey (auf DICKKOPF und CASIMIR deutend) kein’n Respect z’hab’n braucht.

CASIMIR (zu PEMPERER). Halt! den (auf DICKKOPF deutend) derfen Sie nicht touchieren wegen meiner Entartung. Wie oft g’rathen die Kinder nicht den Altern nach! Haben Sie nicht in Ihrer Famili das Beyspiel? Sie sind ein Mann, der Alles auf’n ersten Blick merckt, und Ihre Tochter hat in vierteljahrlanger Liebe keine Ahnung g’habt von den schwarzen Flecken meines g’schecketen Charakters. – Außerdem is Herr Dickkopf nur mein Stiervater, ich bin ihm gewissermaßen ein fremder Mensch, und die Natur hat mir keinen Anspruch auf die Erbschaft seiner Tugenden gegeben.

DICKKOPF (geschmeichelt lächelnd). Oh, oh –!

CASIMIR (fortfahrend zu PEMPERER, auf DICKKOPF deutend). Der Mann stellt sich oft anders, aber ich weiß deßtwegen doch, wie’s in sein’n Innern ausschaut. Wie er meine Mutter geheurath’t hat, war ich schon ein ungezogener Range, und der Keim zum Bösen lag in mir; jetzt hab’ ich mich zum Mädl-’plantierer- herangebildet, – glauben Sie, das thut ihm nicht weh?

DICKKOPF. Na, jetzt gar so arg is es nit.

CASIMIR (wie oben). O, nicht diese Nachsicht,! ich bin sogar ein eigennütziger Schmafu geworden, der ein braves Mädl sitzen laßt, um eine Alte mit Geld zu kriegen – darüber (auf DICKKOPF deutend) weint seine Seele.

DICKKOPF. Du mußt da keine Rücksicht nehmen auf mich –

CASIMIR (wie oben). Wenn ich der Lärminger ihr Vermögen werd’ erheurath’t hab’n, und bring’ den Surm Geld nach Haus, und werd’ sagen: „Stiefvater, da sind die Tausender, ich will (heilen mit Ihnen –“ mein Gott! er wurd’s geduldig annehmen, zum Schein, aber in seinem Innern wurde er mir fluchen ––! ich kenn’ ihn.

DICKKOPF (CASIMIRS Aufwallung zu dämpfen sich bestrebend). Na, na, nur g’scheidt –! laß’ dich von nichts abhalten. was d’ glaubst, daß zu dein’n Glück is.

CASIMIR. Diese Güte zermalmt mich oft –! (Zu PEMPERER) Beugen Sie sich vor ihm, denn jetzt müssen S’ doch auf’n ersten Blick mercken, was für ein’n Greis Sie vor sich hab’n.

PEMPERER (schon früher nach und nach weich gestimmt, den Hut vor DICKKOPF abnehmend). G’horschamer Diener, meine Hochachtung!

CASIMIR. So is’s recht! ihm Hochachtung!, mir Grobheit, nur Alles an sein’n Platz. Das is das Wahre! (Geht mit PEMPERER zur Mitte ab.)

DICKKOPF (ihm nachrufend). 0, du Muster von ein’n Casimir! (Geht, FRANZ verächtlich messend, in die Seitenthüre ab.)

FRANZ (bleibt, vor sieh hinbrütend, steh’n).

(Der Vorhang fällt.)

 

Ende des ersten Actes

 

 

I/01–13: Gassenladen der Kräutlerin
I/14–28: Hofraum bei Frau v. Lärminger
I/29–33: Dachwohnung

II/01–06: Elegantes Zimmer bei Herrn von Makler
II/07–14: Hausmeisterswohnung
II/15–21: Dachwohnung

III/01–15: Elegantes Zimmer bei Herrn von Makler
III/16–22: Gassenladen der Kräutlerin
III/23–28: Besuchszimmer bei Frau v. Lärminger

I/01–13: Gassenladen der Kräutlerin
I/14–28: Hofraum bei Frau v. Lärminger
I/29–33: Dachwohnung

II/01–06: Elegantes Zimmer bei Herrn von Makler
II/07–14: Hausmeisterswohnung
II/15–21: Dachwohnung

III/01–15: Elegantes Zimmer bei Herrn von Makler
III/16–22: Gassenladen der Kräutlerin
III/23–28: Besuchszimmer bei Frau v. Lärminger