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Heimliches Geld, heimliche Liebe, I/1428 |
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Verwandlung
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(Hofraum im Hause der Frau v. Lärminger. Im Hintergrunde zieht sich eine ziemlich hohe Mauer, quer über die ganze Bühne, in dieser Mauer, etwas gegen lincks, ist der Eingang von der Straße ans. Längs dieser Mauer ist ein Acht bis Zehn Schuh hohes, auf Holzpfeilern gestütztes Dach, unter welchem die Kupferschmiedgesellen arbeiten; unter diesem Dache sieht man große kupferne Braukessel, Röhren, Retorten, und andere Maschinen-Bestandtheile. Die Facade lincks bildet ein zur Werckstätte gehöriges Magazinähnliches Gebäude mit practi-kablem Eingang; die Facade rechts ist das Wohngebäude ebenfalls mit practicablem Eingang.) |
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14te Scene |
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(PEMPERER, FRANZ, mehrere KUPFERSCHMIEDGESELLEN.) |
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(Die GESELLEN sind beschäftigt unter PEMPERERS Leitung Röhren an einen großen Kessel anzusetzen.) |
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PEMPERER. Laßts es gehn Leut! Ös treffts es nit so, wies der Franz will; das hab i auf n ersten Blick gsehn. |
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EINIGE GESELLEN (etwas unwillig). Ja wir seyn keine Maschinisten. |
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PEMPERER. Nur Alles ohne Leidenschaft! der Casimir is auch keiner aber |
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FRANZ. Ich habe ihm Alles nach den Zeichnungen erklärt |
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PEMPERER. Na, und heut kommt er ja noch zruck der Casimir die Zwey werdens schon richten. |
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FRANZ (zu den GESELLEN). Es ist unnöthig, daß ihr euch damit plagt, Cameraden! PEMPERER. Schauts lieber zum Vorzimmer hinein, da giebts zthun gnug. |
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FRANZ (zu den GESELLEN). Kommt! (Geht mit den GESELLEN in das Gebäude lincks ab.) |
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15te Scene |
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(PEMPERER, dazu HERR v. MAKLER und HERR v. FLAU.) |
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(MAKLER und FLAU treten zur Mitte, von der Straße aus, auf während die GESELLEN nach lincks abgehen.) |
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HERR v. MAKLER (äußerst freundlich auf PEMPERER zugehend). Nun da ist er ja der liebe Herr Pemperer ! (Reicht ihm die Hand.) |
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PEMPERER (sehr respectsvoll). Ganz ergebenster, Herr von Makler, Herr von Flau |
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HERR v. MAKLER. Wir sind gekommen |
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HERR v. FLAU. Wiewohl wir eigentlich keine Zeit haben ich wenigstens |
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HERR v. MAKLER (zu PEMPERER,). Es betrifft eine Angelegenheit mit Frau von Lärminger, in Betreff meines Sohnes, ein Project betreffend |
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PEMPERER (altklug, mit eingebildeter Pfiffigkeit). Hab es auf den ersten Blick gemerckt; sie is zwar eine Kupferschmiedin, die schon a Bissei ins alte Eisen geht, aber Silber is bey Haus nur Alles ohne Leidenschaft! |
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HERR v. MAKLER. Aber Liebster, Sie werden doch nicht glauben, daß ein brillianter junger Mann, wie mein Sohn, eine bejahrte Wittwe ah, Sie scherzen wohl nur er liebt ja die Stieftochter der Frau von Lärminger. |
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PEMPERER. Aha so das hab ich auch aufn ersten Blick gmerckt. |
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HERR v. FLAU. Ah macht nur schnell, ich habe keine Zeit |
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HERR v. MAKLER (zu PEMPERER,). Sie sind der Mann, den der verstorbene Lärminger mit der eigentlichen Obhut über seine Tochter betraute, während mein werther Freund Flau nur das Vermögen zu verwalten hatte. |
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HERR v. FLAU. Es raubt mir das schon alle Zeit. |
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PEMPERER (selbstgefällig). Der Seelige hat gewußt, daß ich das schärfste Äug hab im Haus ich hab deßtwegen auch meine Tochter vom Land hereinkommen lassen; s is immer gut, wenn man a Madi in Gsicht hat. |
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HERR v. MAKLER. Drum möchte ich, bevor ich bey Frau von Larminger den Anwurf in Betreff der liebenswürdigen Marie mache, von Ihnen einige Auskunft |
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PEMPERER. Vor Allem is unser Fräule Marie in Ihren Herrn Sohn verliebt? |
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HERR v. MAKLER. Sie kennt ihn ja kaum. |
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PEMPERER. Natürlich sonst müßt ichs bemerckt haben auf n ersten Blick. |
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HERR v. MAKLER. Ich möchte aber wissen, ob sie nicht schon einen Ändern liebt. |
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PEMPERER. Keine Spur! is auch noch zu jung, um an so was zu dencken. |
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HERR v. FLAU (ungeduldig). Aber Ihr macht so lange |
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HERR v. MAKLER (ohne FLAUS Worte zu beachten zu PEMPERER). Das ist schön. |
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PEMPERER. Es ist überhaupt merckwürdig, daß hir im Haus kein Mensch liebt; a Paar Gselln vielleicht, außern Haus aber da, weder die Wittfrau, noch die Tochter, noch meine Tochter |
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HERR v. FLAU. Und Sie täuschen sich nie? |
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PEMPERER. Nie, denn bey mir is Alles ohne Leidenschaft. |
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HERR v. FLAU. Freund Sie sind (abbrechend) ich habe jetzt keine Zeit |
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HERR v. MAKLER. Gehn wir zur Frau von Larminger. |
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HERR v. FLAU. Endlich ! (Gebt rechts nach Wohngebäude ab.) |
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PEMPERER (HERRN v. MAKLER einen Augenblick zurückhaltend, auf den eben abgebenden FLAU zeigend). Sie, was hat denn der Herr von Flau zu thun, daß er so wenig Zeit hat? |
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HERR v. MAKLER. Gar nichts. |
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PEMPERER. Das hab ich aufn ersten Blick bemerckt. (Gebt mit MAKLER ebenfalls in das Haus ab.) |
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16teScene |
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(CASIMIR, allein.) |
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(Tritt in Reiseanzug, von der Straße aus, auf, während dem Ritomell des folgendes Liedes. Lied, nach dem Liede Mo[no]log) |
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Auftritts-Lied |
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17te Scene |
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(CASIMIR, MARIE .) |
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MARIE (kommt aus dem Wohngebäude). Seyn Sie da ? das is gscheidt! Sie haben ein Herz für Ihre Nebenmenschen |
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CASIMIR (mit fingierter Empfindlichkeit). Nein, ich kenn keine Nebenmenschen; nur wer sich selber für den Hauptmenschen haltt, schaut alle Ändern für Nebenmenschen an; und Sie haben kein Recht, Fräule Marie, mich für einen arroganten Kerl zu halten. |
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MARIE (begütigend). Aber Casimir ! Stellen Sie sich vor, es is schrecklich, ich soll heurathen. |
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CASIMIR. Das kann ich mir wieder gar nicht schrecklich vorstellen, wenn Sie heurathen. |
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MARIE. Seyn Sie mein Freund ! |
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CASIMIR. Nach der alten Art ja, nach der neuen aber nein; denn jetzt sagen die Mädln von dem, der ihnen s Monath Dreyßig Gulden giebt, den Zins und den Schneider zahlt, und den s dafür anschmiern umundum, das is mein Freund. |
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18te Scene |
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(NAZL; DIE VORIGEN.) |
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NAZL (von dem Gebäude lincks kommend und nach rechts in s Wohngebäude über die Bühne gehend). Ah, der Herr Casimir ! |
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CASIMIR (leise zu NAZL,). Du, Nazi, sag der Leni, daß ich da bin. |
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NAZL. Schon recht. (Nach rechts ab.) |
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19te Scene |
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(DIE VORIGEN ohne NAZL) |
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CASIMIR. Ich sehs schon Sie wolln mir was anvertraun, und da muß ich Ihnen anvertraun, daß ichs eh schon weiß; Sie haben eine heimliche Neigung zu meinem Vetter Franz. |
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MARIE (erschrocken). Das haben Sie bemerckt !? am End hats der Franz schon bemerckt !? |
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CASIMIR. Der Franz is ein verschlossner Mensch, und hat auch a verschlossens Herz; Sie sind also entweder schon drinn, oder Sie kommen gar nicht hinein. Ich möcht es aber starck bezweifeln. |
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MARIE. Sie glauben also nicht daß er mich lieben könnt? |
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CASIMIR. Nach dem Vorgefallenen war es wohl eine Preis-Aufgab, wenn er Ihnen lieben müßt. |
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MARIE (erstaunt, und verletzt). Ja was is denn vorgfalln,? ich weiß ja nichts |
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CASIMIR. Es is schwer, eine Tochter über so was aufzuklären, aber ich will nicht, daß Sie sich durch umasunstige Schwär-mereyhoffnungen eine praktisch solide Winschafts-Verehelichung vertrenzen. (Mit Wichtigkeit.) Sagen Sie mir, haben Sie, seit der Verewigung Ihres Papa, nie bey der Nacht Einmahl ächzen, Zweymahl stöhnen, und Dreymahl klopfen ghört? |
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MARIE. Mir wird völlig angst nein, keine Spur! |
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CASIMIR. Na, dann is das Als Geistumwandeln, dieser Zopf der ewigen Gerichtsordnung richtig abkommen, oder Sie haben so einn gsunden Schlaf, daß [S] nix hören, wenns umgeht bey Ihnen; denn sonst müßte[n] Sie dann und wann um Zwölfe Grabesworte vernommen haben: (Im Geistertone.) Tochter, ungerechtes Gut lastet auf mir suche einen Ritter oder Kupferschmied wass halt nacher is der mich erlöst !! |
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MARIE (ganz verwirrt). Ungerechtes Gut !? |
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CASIMIR (in natürlichem Tone). Ja, dem Franz sein Gut. Dem Franz sein Vater, wie er hir Werkführer war, und Ihr Vater habn jeder ein Loos gekauft. Ihr Vater hats aufbewahrt, dem Franz sein Vater stirbt, da kommt die Ziehung, eins von die Zwey Loos macht den Haupttreffer und Ihr Vater hat gsagt, dieses Loos war das seinige; derweil wars dem Franz seinn Vätern seins, was gwonnen hat. |
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MARIE. Entsetzlich ! weiß man das gewiß?! |
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CASIMIR. Dem Franz sein Vater hat meinem Stiervater s Fünftel versprochen, wenn er gwinnt, so sagt er wenigstens; und der hat sich s Numero- gmerckt, aber leider nur im Kopf; der Franz hat sichs auch gmerckt, aber auch nur im Kopf; der Kopf jedoch is kein Beweis, Kopf gilt nix. Übrigens der Franz, wenn ers auch beweisen könnt, er thäts nicht; der is zu großartig und verschlossen. |
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MARIE. Himmel, was soll ich denn da thun? |
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CASIMIR. Gar nix, als still seyn. |
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MARIE. Freylich die Ehre meines Vaters muß mir heilig sein. |
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CASIMIR. Eine verstorbene Ehre um so mehr. Machen Sie sich selber weiß[,] der Franz, und mein Alter haben sich mitn Numero geirrt. |
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MARIE (die Hände ringend). Gott,! das laßt mir Tag und Nacht keine Ruh! |
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CASIMIR. Das können Sie erst Morgen Früh beurtheilen, obs Ihnen in der Nacht ka Ruh laßt. |
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MARIE. Wenn der Franz etwan glaubt, ich war einverstanden ! |
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CASIMIR. So was fallt ihm nit ein; er weiß, daß Sie nix wissen. |
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MARIE. Warum war er denn nacher so finster, so unfreundlich gegen mich? |
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CASIMIR. Ja wissen S, er is zwar ein edler Kerl, aber wenn er Ihre Stiefmama, und Ihnen anschaut, so muß ihm doch der Gedancken kommen: das Voick praßt von dem, was von Rechtswegen mein Eigenthum war; solche Gedancken drängen sich manchesmahl in das nobelste Gemüth, wie sich oft ein Blousen-bekleideter juchtener Stiefelinhaber, der in die Schwemm ghört ins Extra-Zimmer setzt. Im Übrigen aber |
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MARIE (hat gegen das Wohngebäude gesehen, erschrocken). DieMutter kommt mit die Herrn ! |
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20ste Scene |
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(FRAU v. LÄRMINGER, HERR v. MAKLER, HERR v. FLAU; DIE VORIGEN.) |
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FRAU v. LÄRMINGER (zu den beyden HERRN mit welchen sie rechts aus dem Hause kommt). Daß Sie aber gar so gschwind |
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HERR v. FLAU. Mich treibt die Zeit |
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HERR v. MAKLER (leise zu FRAU v. LÄRMINGER, mit Beziehung auf FLAU). Zum Essen. (Laut.) Unsere Sache ist also so viel, wie abgemacht. (Zu FRAU v. LÄRMINGER.) Wollen Sie mich gefälligst bey der Fräule Tochter (MARIEN erblickend.) Ah, da ist sie ja selbst |
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MARIE (die sich nur mühsam gefaßt hat). Empfehl mich gehorsamst. |
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21ste Scene |
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(NAZL; DIE VORIGEN.) |
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NAZL (aus dem Wohngebäude rechts kommend, zu CASIMIR). Sie is nit z Haus die Leni. |
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CASIMIR (ärgerlich). Dummer Bua, das weiß i so. |
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NAZL (läuft in das Gebäude lincks ab). |
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22ste Scene |
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(DIE VORIGEN ohne NAZL.) |
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CASIMIR (bedencklich werdend, für sich). Um die Zeit noch nit vom Einkaufen z Haus ?! |
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HERR v. MAKLER (zu MARIE). Sie haben zwar nicht Ja und nicht Nein gesagt, natürlich, fremdes Sichgegenüberstehn, jungfräuliche Schüchternheit wird sich Alles geben, wenn erst mein Sohn selbst |
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HERR v. FLAU (indem er MAKLER zum Fortgehen nöthigt, zu FRAU v. LÄRMINGER). Wenn ich nur etwas mehr Zeit hätte, würde ich mit Vergnügen |
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HERR v. MAKLER (im Abgehen). Frau von Lärminger, mein Compliment. |
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FRAU v. LÄRMINGER. Empfehl mich Ihnen, meine Herrn! (Begleitet beyde HERRN zu der auf die Straße führenden Thüre.) |
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(MAKLER und FLAU ab.) |
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23ste Scene |
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(FRAU v. LÄRMINGER, MARIE, CASIMIR.) |
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MARIE (ängstlich verlegen zu CASIMIR, während dem FRAU v. LÄRMINGER die Herrn an die Thüre begleitet). Was sag ich denn, was ich mit Ihnen gredt hab ? |
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FRAU v. LÄRMINGER (nach vorne kommend zu MARIEN). Aber hörst du, Marie, das is wircklich starck, daß du davongehst, während dein Vormund und der Herr von |
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CASIMIR (um MARIEN daraus zu helfen, scheinbar in etwas verweisendem Tone). Hab ichs Ihnen nicht gsagt? Statt bey ihr zu bleiben, lassen Sie Ihre Frau Mama oben allein das kupfrige Haus representieren-, und schauen immer auf die Gassen hinaus. Her schauen können Sie s doch nit. |
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FRAU v. LÄRMINGER. Was? wem? |
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CASIMIR. Die Lenerl; d Fräule Marie hat glaubt, die Herrn werdn vielleicht da speisen. |
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FRAU v. LÄRMINGER. Die Leni, die Leni! der muß ich auch mir scheint, was ich schon a Paar Mahl gsagt hab |
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MARIE. Sie thun ihr Unrecht; von einem Liebhaber hab ich nichts gemerckt bey ihr. |
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FRAU v. LÄRMINGER. Weil ich keinen leid im Haus. |
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CASIMIR (bey Seite; etwas argwöhnisch). Und äußern Haus leidet ich keinn. |
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FRAU v. LÄRMINGER. Wenn Eine z lang ausbleibt beym Einkaufen |
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CASIMIR (halb für sich). Ja, ja, das is schon verdächtig. |
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FRAU v. LÄRMINGER (um MARIE zu entfemen). Unter ändern, Marie, da hast den Schlüssel, s Geld is schon hergrichtt, übergiebs dem Pemperer, er soll die Leut auszahlen für die Wochen, heut können s schon Feyerabend machen. |
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MARIE. Gleich, Frau Mutter (Nimmt die Schlüssel welche ihr FRAU v. LÄRM1NGER giebt, und geht nach rechts in s Haus ab.) |
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24ste Scene |
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(FRAU v. LÄRMINGER, CASIMIR) |
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CASIMIR (mit Verwunderung). Z Mittag schon Feyerabend ? |
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FRAU v. LÄRMINGER. Und da machen Sie so a verdrüßlichs Gsicht drüber? |
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CASIMIR (mit affectierter Verdrüßlichkeit). Da is man noch mehr ausgsetzt, als wenn man den ganzen Tag in der Arbeit is. |
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FRAU v. LÄRMINGER. Was is Ihnen denn? |
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CASIMIR. A Alte war s Erste, was mir begegnet is heut Früh, und da hab ich den Aberglaubn, daß mir ein Unglück passiert[.] |
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FRAU v. LÄRMINGER (pickiert). Wenn die Männer nur über die alten Fraun bonmotisieren- können, da is ihnen schon gholfen. |
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CASIMIR. Ah, gholfen is uns deßtwegen noch nit, wir werdn auch alt, und um kein Haar angenehmer als Ihr Geschlecht; contrair unter den Frauen findt man auch schon in den vorgerückteren, maliziös reiferen Jahren noch curio- Liebenswürdige. |
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FRAU v. LÄRMINGER (geschmeichelt). Findt der Herr Casimir das? |
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CASIMIR. Na ob! Mir hat Einer gsagt, der Prozess des weiblichen Altwerdens hat eine, durch das Formelle der socialen Position bedingte, von dem factischen Jahresquantum abstrahierende Distinction. |
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FRAU v. LÄRMINGER. Das versteh ich nicht. |
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CASIMIR. Ich verstehs auch nicht, denn es ist Sache des Gefühls. Nehmen wir eine Bäurin von Zweymahl Zwanzig Erntezeiten, so sehn wir eine haibete Guckahndl vor uns, nehmen wir eine gleichzeitige Köchin, wir werden ihre Braten kaum goutieren, und ihre Semmelknödln flößen uns Mißtrauen ein. Hingegen nehmen wir eine Dame, die schon a Bisserl etwas bedeutend starck nah an die Hochindievierzig is, und was für eine magische Wirckung entwickelt eine solche oft noch, nahmentlich auf jugendliche, (mit koketter Schüchternheit) noch unbefangene Herzen. |
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FRAU v. LÄRMINGER (sehr geschmeichelt). Bey so zarten Ansichten, glaub ich, wird Ihnen das, was Ihnen Ihr Stiefvater zu sagen hat, nicht unangenehm überraschen. |
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CASIMIR (plötzlich mit äffvotierter Indignation auffahrend). Etwan ein Heurathsproject !? Ha, war mir nit lieb! Ich bin kein weißer Sciave, den man auf den Auctionstisch stellt! Früher haben die Stiefmütter die schönsten Kinder an die Zigeuner verkauft, und jetzt thäten die Stiefväter ihre heraufgeblühtesten Jünglinge an Wittwen verhandeln!? |
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FRAU v. LÄRMINGER (begütigend). Wenns aber eine Wittwe war, wie Sie s früher beschrieben haben? |
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CASIMIR (würdevolle Bescheidenheit und Resignation affectierend). Wer kein Paradies hat, der soll nicht auf Engeln tipfein. Eine solche Frau kann der auf Proletariats-Renten-Angewiesene nicht ernähren. Der in niederer Hütte Geborne, und in hohem Bodenkammerl Auferzogene muß sich an das Billige halten. Nie werd ich von diesem erhabenen Grundsatz weichen, und wenn ich nicht recht was Gemeines finde, so is keine Idee, daß ich mich je in die unauflösliche Mannundweibiseinleibleidundfreudmiteinandertra-gungsanstalt einfangen lass. |
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FRAU v. LÄRMINGER. Aber Casimir, wenn diese Frau reich war, und vom Mann nix begehret, als ein Herz ?! |
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CASIMIR (mit edlem Stolz kokettierend). Liebe muß auf Zwey, sich gegenüberstehende Achtungen gegründet seyn. Könnte die Frau einen um Kost und Quartir, Leibskleidung und Recreations-geld Liebe versprechenden Mann achten? könnte der Mann eine solche Frau achten, die einen solchen Mann achten könnte, der eine Frau achten würde, die ihn nicht achten kann, weil er sie nicht achten könnte, ohne in der Achtung seiner Frau zu verlieren? Ich und eine reiche Wittwe, das war grad so, als wie die poetische Gutsbesitzerin, von der s a Stuck aufführen, Sapho hat s gheißen die sich aus dem damahligen Circus gymnasti-cus- einen griechischen Tagdieb nach Haus bracht hat. Selbstmord war der weltbekannte Ausgang dieser Histori, sie hat sich ins Wasser gstürzt, und er hat sich ins Stubnmadi verbrennt. |
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FRAU v. LÄRMINGER. Zartgefühl is schon recht, aber man muß nix übertreiben. Es giebt Leut, die man zu ihrem Glück zwingen muß. |
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CASIMIR. Mich zwingen !? hahaha! Wenn das Eine wolltet, da würde die Welt das Allernochniedagewesenste erleben! Von der ägyptisch-josephisch-putipharischen Seite kenn man mich noch nicht; mit einem schnöden Anpumpt Sirene! war ich draußt bey der Thür, und nur mein bon-jourl bliebet ihr in Händen. |
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FRAU v. LÄRMINGER (ärgerlich bey Seite). Diese überspannten Grundsätz ! und verliebt is er in mich, das hat sich zu deutlich verrathen. |
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25ste Scene |
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(MARIE, PEMPERER, später die GESELLEN, darunter JACOB und FRANZ; DIE VORIGEN) |
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PEMPERER (mit MARIE aus dem Wohngebäude rechts kommend, zu FRAU v. LÄRMINGER,). Gleich wird Alles nach Wunsch und Befehl ich habs ja aufn ersten Blick bemerckt, daß |
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CASIMIR (leise zu PEMPERER,). Lassen Sies, Herr Pemperer, sie is harb. |
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PEMPERER. Auf mich ? |
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CASIMIR (ruft in die offne Thüre lincks hinein). Kameraden, kommts heraus! |
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DIE GESELLEN (von Innen). Der Casimir is da! (Heraustretend und CASIMIR die Hand reichend.) Grüß Gott! |
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CASIMIR. Die Ändern kommen auch noch heunt. |
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PEMPERER (ist zu einem im Hintergrund stehenden Tisch gegangen, und ruft die GESELLEN). Kommts her da, daß ich öng auszahl nacheinand! |
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EINIGE GESELLEN (zum Tisch tretend). Da sind wir schon. |
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(Drey bis Vier GESELLEN, darunter JACOB, bleiben im Vordergrunde lincks bey CASIMIR.) |
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JACOB (zu CASIMIR). Na wie iss öng denn gangen die Acht Tag? |
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CASIMIR. Gut, viel Arbeit, aber auch Unterhaltung gnug. |
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JACOB. In Schneeferding, in dem Nest? |
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CASIMIR. Vorgestern habn wir einn großen Ball ghabt; der Strauß hat an dem Tag sein Orchester persönlich dirigiert. |
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JACOB. In so einer Dorfkneipen? |
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CASIMIR. Nein beym Sperl hat ers dirigiert, wir habn bey der Zithern tanzt[.] |
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JACOB. Ah so! (Zu den GESELLEN, indem er mit ihnen ebenfalls zum Tisch, an welchem PEMPERER auszahlt, geht.) Hat er uns gfoppt? |
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MEHRERE GESELLEN (welche schon ihr Geld in Empfang genommen). Frau von Lärminger, wir bedancken uns. |
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FRAU v. LÄRMINGER. Wegen dem heutigen Feyerabend? o, die wahren Festivitäten kommen erst nach; meine Stiertochter heuratht, und man kann nicht wissen, was noch Alles gschicht. |
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FRANZ (für sich). Was hör ich !? |
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26ste Scene |
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(THERES; DIE VORIGEN.) |
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THERES (aus dem Hause rechts kommend). Ein Brief, Euer Gnadn (Übergiebt Frau v. LÄRMINGER einen Brief.) |
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DIE GESELLEN (sich zu MARIE wendend). Wir gratuliern derweil! wir gratulieren!! |
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PEMPERER (zu den GESELLEN,). Aber nur Alles ohne Leidenschaft! ös machts mich in Zählen irr. |
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DIE GESELLEN (verlieren sich während dem Folgenden nach und nach). |
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FRAU v. LÄRMINGER (hat den Brief erbrochen, und sieht nach der Unterschrift, für sich). Vom Dickkopf!? (Beginnt, mit fortwährend sich steigernder Spannung im Stillen zu lesen) |
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PEMPERER (noch immer am Zahlungstisch). Na, Franz! was iss denn? braucht der Franz gar ka Geld? |
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FRANZ (nie ans finsterer Betäubung envachend, wirfft einen Blick auf MARIEN, und geht, als ob dieser Blick ihn reute, sich schnell wendend zum Zahlungstisch). |
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CASIMIR (leise zu MARIE)- Habn S gsehn das Gsicht ? (Auf FRANZ deutend.) Es thut ihm halt weh, die Paar Gulden denckt er sich muß ich nehmen, während von Rechtswegen das ganze Grippelspiel [] |
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MARIE. Nein, das is unmöglich, daß er jetzt aufs Geld gedacht haben kann! |
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FRAU v. LÄRMINGER (nachdem sie gelesen, in höchster Entrüstung, für sich). Unglaublich, so eine Landdirn, die nicht auf Fünfe zählen kann (Laut.) Pemperer! |
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PEMPERER. Was schaffen S? (Geht zu FRAU v. LÄRMINGER.) |
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27ste Scene |
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(LENI; DIE VORIGEN.) |
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LENI (tritt zur Thüre, von der Straße her, ein, heftig zusammenschreckend, als sie CASIMIR erblickt). Er is da der Casimir |
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FRAU v. LÄRMINGER (LENI erblickend, sehr böse). Schon z Haus? wo hast denn Du die Art glernt |
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LENI. Ich bitt ich hab |
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FRAU v. LÄRMINGER. Wir werdn a Wort reden miteinand. (Geht, indem sie LENI befehlend winckt, ihr zu folgen, ins Haus rechts ab.) |
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PEMPERER (zu LENI, welche zögert, und verstohlen nach CASIMIR hinübersiebt). Wirst hineingehn! |
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LENI (im Abgeben, schmerzvoll für sich). Mit keinn Äug schaut er mich mehr an. (Ab.) |
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PEMPERER (ohne LENIS Blicke auf CASIMIR bemerckt zu haben). Kenn mich schon aus; sie hat beym Einkaufen a Sechserl veriorn, das hat s gsucht die ganze Zeit, deßtwegn kommt s so spat. (Folgt ebenfalls in s Haus nach.) |
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CASIMIR (für sich). Zehn Pfund Salami von ächten Eselsfleisch setz ich als Preis auf eine dümmere Vermuthung und das hat dieser großartige Vater Alles auf n ersten Blick. (Geht zur Mitte nach der Straße ab.) |
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(MARIE und FRANZ sind allein zurückgeblieben.) |
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28steScene |
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(MARIE, FRANZ) |
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MARIE (will abgehen, zögert jedoch, sieht nach FRANZ, welcher finster vor sich hinstarrt, zögert noch einige Secun-den, und sagt dann für sich). Jetzt hätt er was sagen müssen, wenn er einn Funcken Lieb hätt für mich. (Geht in das Haus ab.) |
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FRANZ (sieht ihr nach, als sie geht, macht eine Bewegung, als ob er sprechen und sie zurückhalten wollte, faßt sich aber sogleich wieder, und sagt, indem sie in der Thüre verschwindet, für sich). Werd ich denn diese Schwäche nie bemeistern können ! (Geht zur Mitte nach der Straße ab.) |
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I/0113: Gassenladen der Kräutlerin II/0106: Elegantes Zimmer bei Herrn von Makler III/0115: Elegantes Zimmer bei Herrn von Makler |
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I/0113: Gassenladen der Kräutlerin
I/1428: Hofraum bei Frau v. Lärminger
I/2933: Dachwohnung
II/0106: Elegantes Zimmer bei Herrn von Makler
II/0714: Hausmeisterswohnung
II/1521: Dachwohnung
III/0115: Elegantes Zimmer bei Herrn von Makler
III/1622: Gassenladen der Kräutlerin
III/2328: Besuchszimmer bei Frau v. Lärminger