Verwandlung
Vorsaal im »Hotel zum Bock«. Mittel und Seitentüren.
Dreizehnte Szene
Sperling. Kellner.
Sperling (entzückt aus der Seitentüre rechts kommend, zum Kellner). Trotz der Gegenwart des Bürgermeisters durft' ich ihm's vorlesen. Er hat es angenommen, der erlauchte Gestürzte, zu allem diplomatisch Lächelnde.
Kellner (die Hand aufhaltend). Darf ich bitten
Sperling. Morgen, Freund ich weiß ja noch nicht, ob das Honorar ein brillantiertes oder ein dukatiges sein wird. (Für sich.) Ach, Gott, wie der Mann in Millionen schwimmt; so ein Gestürzter ist doch weit besser dran als unsereiner, wenn er noch so aufrecht steht. (Geht zur Mitteltüre ab, der Kellner folgt ihm.)
Vierzehnte Szene
Bürgermeister. Ultra (treten aus der Seitentüre rechts).
(Ultra ist als Diplomat gekleidet, mit weißer Frisur und Adlernase, in einen schlichten Überrock, unter demselben aber in reichgestickte Staatsuniform gekleidet.)
Bürgermeister. Bauen Eure erhabene Exzellenz ganz auf meine unbegrenzte Ergebenheit.
Ultra. Also, durchaus vor Einbruch der Nacht kein Überfall!
Bürgermeister. Hochdieselben scheinen überhaupt sehr für die Nacht portiert zu sein.
Ultra. Die Nacht war immer das Element meines Wirkens. Die Großen der Erde sind Sterne, folglich können sie nur dann leuchten, wenn's finster ist. In der Sonne der Freiheit verlischt das Sternengeflimmer, drum darf man sie nicht zu lange leuchten lassen. Übrigens bleibt die Nacht nicht aus. Die allgemeine Verwirrung, die ich nähre, ist das dämmrige Dunkel, ein blutiges Abendrot, und die sternenfunkelnde Nacht der Reaktion triumphiert am politischen Himmel.
Bürgermeister. Ich werd' ihm's ausrichten.
Ultra. Wem?
Bürgermeister. Unserm Kommandanten Rummelpuff.
Fünfzehnte Szene
Klaus. Vorige.
Klaus (statt in seinen Uniformfrack in Uniformkaput gekleidet, zur Mitte eintretend). Euer Herrlichkeit, der Fähnrich Rummelpuff wart't bei Ihnen.
Ultra. Das kömmt à propos.
Bürgermeister. Ich werde ihm sogleich die diplomatischen Maßregeln
Ultra. Adieu!
Bürgermeister. Tief-devotest Gehorsamster!
Ultra. Wenn Sie nach London kommen, besuchen Sie mich. Jeder echt servil-legitime Stock-Absolute macht mir die Aufwartung dort. (Der Bürgermeister entfernt sich mit tiefen Bücklingen zur Mitteltüre.)
Sechzehnte Szene
Klaus. Ultra.
Klaus (nachdem er Ultra mit scharfer Aufmerksamkeit betrachtet). Er is es; ich kenn' ihn vom Porträt. Die Nasen is aber doch zu groß auf 'n Bildl.
Ultra. Wünscht Er etwas, mein Freund?
Klaus. Hab' ich wirklich die Ehre, den großen Erfinder der Staatsschulden ?
Ultra. Der bin ich nicht; ich habe nur zu ihrer Ausbildung beigetragen.
Klaus. Bescheidenheit ist des Talentes schönste Zierde, diese liebenswürdige Humanität gibt mir den Mut zu ein paar politischen Fragen.
Ultra. Nun?
Klaus. Sie haben den Don Karlos so nobel unterstützt; haben wir gar keine Hoffnung, daß er auf 'n Thron kommt? Und daß wir mit der Zeit in Deutschland eine Inquisition kriegeten?
Ultra (achselzuckend). Die Realisierung dieser schönen Idee muß wohl vorderhand problematisch bleiben.
Klaus. So soll aus diese zahllosen österreichischen Zwanziger uns gar kein spanischer Segen erblühn? Und die guten Jesuiten in der Schweiz? Is es denn wirklich aus mit ihnen?
Ultra. O, diesem Orden läßt sich neuerdings wieder ein günstiges Prognostikon prädestinieren.
Klaus. Ah, bravo! Und, erlauben zur Güte noch eine Frag' liegt das Geld wirklich gar so sicher auf der englischen Bank?
Ultra. O, gewiß.
Klaus. Selbst, wenn's gestohl'nes Geld is, hör' ich, kann einem 's kein Mensch anfechten?
Ultra. Haben Sie welches?
Klaus. Was halt recht is.
Ultra (ihm vertraulich die Hand drückend). Geben Sie's in englische Fonds ich spreche aus Erfahrung.
Klaus. Ex'lenz sind ein herrlicher Mann. Sie logieren in dem Gasthof? Da werden Sie gewiß abends ins Extrazimmer kommen.
Ultra. Hm möglich (Wendet sich, um abzugehen.)
Klaus. Das is g'scheit, ich muß Ihnen noch um einiges wegen Napoleon befrag'n, wo nur Sie Auskunft wissen. Jetzt leg' ich mich gehorsamst zu Füßen, war mir ein unendliches Vergnügen. (Geht zur Mitte ab.)
Ultra. Adieu! (Geht in die Seitentüre ab.)
|