Verwandlung
Platz in Krähwinkel, im Hintergrunde links das Ligorianerkloster.
Fünfte Szene
Pemperl. Schabenfellner. Nachtwächter. Krähwinkler. Emerenzia. Cäcilie.
(Die Krähwinkler, mit Hellebarden bewaffnet, umstellen die Pforte des Klosters.)
Schabenfellner (zu Emerenzia, welche mit Cäcilie ins Kloster wollte). Zurück, Alte!
Pemperl (zu Cäcilie). Und noch mehr zurück, Junge!
Emerenzia. Was wär' denn das!?
Nachtwächter. Bei die frommen Herren gibt's keinen freien Eintritt mehr!
Pemperl. Es wird gleich der gezwungene Austritt losgehn.
Emerenzia. Oh, ös gottlosen Leut' !
Die Krähwinkler. Weiter da!
Cäcilie (ängstlich). Gehn wir lieber fort!
Sechste Szene
Bürgermeister. Die Vorigen.
Bürgermeister (von vorne rechts). Was geht hier vor?
Emerenzia. O, Euer Herrlichkeit, diese Ketzer wollen die Ligorianer vertreib'n.
Bürgermeister. Meine intimsten Freunde?! Da will ich denn doch (ergrimmt auf die an der Pforte stehenden Krähwinkler losgehend.) Fort! Augenblicklich! Ich werd' ein Gesetz ergehen lassen, daß nicht drei beisammenstehen dürfen.
Schabenfellner. Hier steht ein freies Volk.
Nachtwächter. Was sich selbst die Gesetze macht.
Pemperl. Verstandevous?
Emerenzia (den Bürgermeister nach vorne ziehend). Lassen s' Euer Herrlichkeit gehn, es is nix z' reden mit die Leut'.
Bürgermeister (seinen Grimm verbeißend). Na, nur Geduld
Emerenzia. Mir is nur um mein' Mann, er is drin im Kloster.
Bürgermeister. So?
Emerenzia. Der Pater Prior hat ihm g'schrieb'n, er soll kommen und einige wichtige Schriften zur geheimen Aufbewahrung übernehmen, 's is gar ein g'scheiter alter Herr, der jeden Braten riecht, folglich auch
Siebente Szene
Ein Kellner. Die Vorigen.
Kellner (von Seite rechts auftretend). Euer Herrlichkeit, ein Brief!
Bürgermeister. Muß das hier auf der Straße ? Wozu hab' ich ein Einreichungsprotokoll?
Kellner. Es ist ein Reisender, der keine sechs Wochen Zeit hat, ein hoher Herr Incognitus.
Bürgermeister (den Brief nehmend). Geb' Er her! (Erbricht mit Unwillen den Brief und liest, nachdem er die ersten Worte unverständlich gemurmelt.) »... einen Staatsstreich betreffs der Rebellen mit Ihnen zu besprechen erwarte Sie allsogleich, um Ihnen noch vor meiner Abreise wichtige Instruktionen « (spricht) wer ist denn unterzeichnet? (Die Unterschrift im stillen lesend, mit dem Ausdruck des höchsten Staunens.) Ha ! Ist's möglich !? Hört auf zu tanzen, ihr Buchstaben nein, nein, 's ist Wirklichkeit hier steht der historisch-notorische Namenszug ich muß nochmals jedes Wort (Liest den Brief in höchster Spannung im stillen wieder durch.)
Achte Szene
Sigmund. Die Vorigen.
Sigmund (von rechts auftretend und mit größter Vorsicht Emerenzia im Auge behaltend). Cäcilie !
Cäcilie (ängstlich). Still, um 's Himmels willen!
Emerenzia. Mir is nur um mein' Mann! (Sieht mit ängstlicher Besorgnis nach der Klosterpforte.)
Sigmund (zu Cäcilie). Komm heute abends um acht Uhr zum Rathausbrunnen, aber verschleiert, und folge dem, der dich dort abholen wird.
Cäcilie. Gott steh' mir bei ich einem Manne folgen nein, nein, das tu' ich nicht.
Sigmund. Wenn's aber dein Vater ist ?
Cäcilie. Ja, dann wohl aber ich glaub' gar, du machst dir ein' Spaß mit mir.
Sigmund. Gewiß nicht, ich schwöre dir's, aber komm ja verschleiert und sprich kein Wort! (Wendet sich schnell um, als er sieht, daß Emerenzia ihn bemerkt, und geht wieder Seite rechts ab, woher er gekommen.)
Neunte Szene
Vorige ohne Sigmund.
Emerenzia (zu Cäcilie). Was hat er denn wollen, der ?
Cäcilie. Ich weiß nicht von Schleier hat er was gesagt
Emerenzia. Ah so; na, wann er's nur weiß, daß du a Himmelsbraut bist!
Bürgermeister (nachdem er wiederholt im stillen mit Entzücken gelesen). Soll pünktlich nach seinem erlauchten Willen (zum Kellner) geschwind leg' Er mich zu Füßen in der nächsten Minute werd' ich muß nur erst Fassung gewinnen pack' Er sich!
Kellner. Sehr wohl! (Seite rechts ab.)
Zehnte Szene
Vorige ohne Kellner.
Nachtwächter (nach links in die Szene blickend). Halt, da maust sich einer fort! (Eilt links ab.)
Pemperl. Besatzung an das Hinterpförtlein! (Zwei Krähwinkler mit Hellebarden eilen dem Nachtwächter nach.)
Bürgermeister. Was ist denn los ?
Emerenzia. Die Heiden! Wie sie's in der Zeitung lesen von die großen Städt', so glauben s', sie müssen's nachmachen bei uns.
Elfte Szene
Nachtwächter. Klaus. Zwei Krähwinkler. Die Vorigen.
Nachtwächter. Wir haben ihn schon!
Klaus (im Ligorianerkostüm). Aber ich bin ja keiner ich bin ja der
Bürgermeister (staunend). Klaus
Emerenzia. Mein Mann !
Die Krähwinkler (lachend). Ha, ha, ha, ha, der Klaus is a Ligorianer word'n.
Nachtwächter. Was hat Er denn da?
Klaus. Das geht euch nix an! Das is vom Pater Ignatius! (Wehrt sich um einen ziemlich großen. Bündel, welchen er unter dem Mantel trägt.)
Nachtwächter. Nacher geht es uns erst recht an! (Entreißt ihm das Mitgebrachte.) Wird mit Beschlag belegt.
Klaus. Na, wart', g'freu' dich!
Bürgermeister. In meiner Gegenwart Lynch-Justiz ! Unerhört! Aber zittert! (Eilt Seite rechts ab.)
Zwölfte Szene
Vorige ohne Bürgermeister.
Pemperl (zu Klaus). Weiter jetzt um a Haus! (Zieht sich zu den übrigen an die Klosterpforte zurück, nur Klaus, Emerenzia und Cäcilie sind im Vordergrunde.)
Emerenzia (sich vom Schreck und Staunen kaum erholend). Aber, Mann wie kommst denn ins heilige G'wand!?
Klaus. Der Pater Sebastian hat g'sagt, ich soll tauschen mit ihm, ich hab' ihm mein' Uniform geben
Emerenzia. Und du hast dich geopfert? Siehst es, Cilli!
Klaus (Emerenzia umarmend). Weil ich dich nur wieder hab'!
Emerenzia. Diese Tat wird dir jenseits kurios
Klaus. Ich g'freu' mich auf nichts als auf 'n Jüngsten Tag. Du wirst sehn, außer unserer Famili und a paar Beamte noch kommt ganz Krähwinkel in die Höll'. (Nach dem Hintergrunde blickend.) Aber du, wie s' zusammlaufen da ! (Es beginnt Musik im Orchester. Ein großer Gesellschaftswagen fährt über die Bühne, die Krähwinkler bilden, als der Wagen hält, ein Spalier von der Klosterpforte bis zum Wagen. Die sämtlichen Ligorianer kommen aus der Pforte und besteigen den Wagen unter folgendem, von dem Volke gesungenen)
Chor.
Wir sehen mit Freuden
Die schwarzen Herren scheiden,
O herrliche Zeiten!
Vorbei ist der Druck!
's is memento mori
Für d' Brüder Ligori,
O bittrer Zichori,
Kommts nimmermehr z'ruck!
(Der Wagen ist mittlerweile gedrängt voll mit Ligorianern besetzt, das Volk jubelt, der Wagen fährt ab. Klaus und Emerenzia drücken im Vordergrunde händeringend Schmerz und Bedauern aus und geben mit Cäcilie im Vordergrunde links ab.)
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