Erster Akt
Saal in Berengarios Schloß. An dem Mittelpfeiler hängt in Lebensgröße das Bild des verstorbenen Zauberers Pfundar, im Hintergrunde und an den Kulissen sind die Porträte anderer Zauberer zu sehen.
Erste Szene
ADELHEID sitzt rechts im Vordergrunde auf einem erhöhten Sitz, BUBlNO an den Stufen; im Halbkreise vor ihr sind die FRAUEN DER BENACHBARTEN ZAUBERER versammelt.
CHOR DER FRAUEN: Wir wünschen zur neuen Vermählung viel Glück,
s geht nichts übern zärtlichen Bräutigamsblick,
Drum wünscht sich an Eure Stell manche gewiß,
Weil mancher ihr Mann schon zuwider worn is.
ADELHEID: Hörts auf, ich möcht zerbersten,
Daß ich kein Wort mehr hör,
Ein Mann, als wie mein ersten,
Den krieg ich nimmermehr.
CHOR: Der erste war so viel nicht wert,
Man hat verschiedne Gschichten ghört.
ADELHEID: Schön war er, nit zum Sagen,
Nur Sanftmut war sein Blut;
Und hat er mich auch gschlagen,
Er war gleich wieder gut.
Sein einzge schwache Seiten
War alle Tag der Wein,
Doch dann und wann vorn Läuten
Konnt er auch nüchtern sein.
Wie oft in diesem Zimmer
Hab ich ihn sanft gelabt,
O, ich vergess es nimmer,
Wenn er ein Rausch hat ghabt.
CHOR: Sie können wieder glücklich sein,
Der Bräutigam liebt auch den Wein.
ADELHEID: O, ich werd nimmer glücklich sein,
Nein, nein, nein, nein, nein, nein!
(Allegro.)
Vor Gram möcht ich bersten, Tralalalala!
O, hätt ich mein ersten nur wiederum da!
Wer trocknet die Tränen? Dumdeididldumdei!
Vergebliches Sehnen! Das is a Keirei.
(Sie jodelt, der Chor akkompagniert mit Tralalala!)
ADELHEID (nach dem Gesang): Gehn Sie, meine Lieben, es greift nichts an bei mir, Sie trösten mich umsonst.
EINE FRAU: Sollten Sie wirklich eine untröstliche Witib sein?
ADELHEID: Allemal, ich bin trostlos.
DIE FRAU: Das könnt mir kein Mensch nachsagen, wenn der Meinige sterbet.
ADELHEID: Ihr Mann, der ist auch zum Vergessen hergerichtt. Selten treffen sich so gleichgestimmte Gemüter, wie ich und der Meinige waren.
DIE FRAU: Waren Sie wirklich so gleichgestimmt?
ADELHEID: Wie wir gestimmt waren, das hat die ganze Nachbarschaft ghört.
DIE FRAU (zu den andern): Ich glaubs, das war oft ein Gschrei. (Zu Adelheid.) Jetzt leben Sie wohl, meine Beste, Sie werden schon auf andere Gedanken kommen.
ADELHEID: Wird nicht sein können. Führen S meinen Bubino in den Garten hinunter.
DIE FRAU: Komm, Bubino! Komm!
(Adelheid küßt ihren Sohn.)
ALLE FRAUEN (zu Adelheid): Auf Wiedersehn, meine Beste! (Alle ab mit Bubino.)
ADELHEID (allein): Jetzt bin ich allein, allein mit meinem Schmerz! O, könnt ichs immer bleiben! Aber er laßt nicht nach, der Tyrann; der Schändliche, der meinen Gemahl mit Kronäugeln und Spenadeltinktur vergiftet hat, zwingt mich, die Seinige zu werden. Ha, und ich wollte dem Verblichenen treu bleiben, ewig, oder wenigstens doch so lang, bis ich einen nach mein Gusto gfunden hätt! Ha, ich wittre Tyrannei, (in die Szene blickend) richtig, er ists!
Zweite Szene
BERENGARIO (tritt rasch auf), ADELHEID
BERENGARIO (mit wilder Gebärde zu Adelheid): Grüß Ihnen Gott! (Beiseite) Sie antwortet nicht? (Zu Adelheid.) Ich hab Ihnen grüßt (Beiseite.) Sie antwortet noch nicht. (Zu Adelheid.) Grüßen ist Höflichkeit, Danken ist Schuldigkeit. (Beiseite.) Wenn sie jetzt nicht bald antwortet, so wart ich noch länger auf eine Antwort. (Zu Adelheid.) Wir heiraten heut?
ADELHEID: Wenn Du mich zwingst, tückischer Böswicht
BERENGARIO: Ja, ich zwing Ihnen!
ADELHEID: O, ich wollt nur, daß ich Zeit hätt zum Widerstand, dann wollten wirs schon sehen; aber so eine Heirat gibt so viel Konfusion in einem Haus
BERENGARIO: Alles muß aufs glänzendste
ADELHEID: Sie haben meinen Gemahl umgebracht.
BERENGARIO: So sagt man. Indessen die Leut reden gar viel zusamm, wann der Tag lang ist.
ADELHEID: Und nach dieser schändlichen Tat
BERENGARIO: Da hab ich Ihnen s Muster vom Brautkleid gebracht. (Gibt ihr ein Stückchen Seidenzeug.)
ADELHEID (besieht es): Mit die fassionierten Sachen lassen S mich aus (in den vorigen Ton zurückfallend) nach dieser schändlichen Tat
BERENGARIO: Wissen S, was die Ellen davon kostt?
ADELHEID: Höchstens vier Gulden.
BERENGARIO: Sechs Gulden dreißig Kreuzer hab ich zahlt.
ADELHEID: Männer werden immer angschmiert in die Gwölber. (Im vorigen Ton.) Wagst du es, die Witwe des Gemordeten
BERENGARIO (auf das Muster zeigend): Soll ichs austauschen?
ADELHEID: Na, ich glaubs. Einen glatten schweren Zeug um sieben Gulden die Ellen
BERENGARIO: Ganz recht.
ADELHEID: Anders heirat ich nicht.
BERENGARIO (ruft): Sputzifurino!
(Ein dienstbarer Geist kommt, Berengario erklärt dem Geist im Stillen, was für einen Zeug er kaufen soll.)
ADELHEID (währenddem zum Bildnis ihres Gemahls gewendet): Du siehst, unvergeßlicher Gatte, was ich tue. Jeder Widerstand ist fruchtlos.
(Der Geist läuft ab.)
BERENGARIO (zu Adelheid): Alles wird nach Ihrem Wunsche besorgt.
Dritte Szene
FLEGELINO (im Portieranzug mit Zaubercharakteren); DIE VORIGEN
FLEGELINO (meldet): Es ist einer da.
BERENGARIO: Wer denn?
FLEGELINO: Wer? Das geht mich nix an. Fragn S ihn, wenn Sie s wissen wollen.
BERENGARIO: Was? Er untersteht sich ?
FLEGELINO: Was unterstehn? Es ist einer da, hab ich gsagt, und damit Punktum.Wann Sie so dumm fragn, für das kann ich nix davor.
BERENGARIO: Kerl, sei Er nicht grob! Weiß er, wer ich bin?
FLEGELINO: Was? Sie wollen mirs Grobsein verbieten? Wissen Sie, wer ich bin?
BERENGARIO: Ich bin Sein Herr.
FLEGELINO: Und ich bin Portier.
BERENGARIO: Ich leid kein Flegel in mein Haus.
FLEGELINO: Da hätten S Ihnen kein Portier
nehmen sollen.
ADELHEID: Ruhig, Freund, ruhig! Er redt wirklich dann und wann zu grob.
FLEGELINO (freundlich zu Adelheid): Da müssen Euer Gnaden schon Nachsicht haben. Meine Mutter war Portierswitib, und da red ich halt meine
Muttersprach.
ADELHEID: Was hat Er denn da?
FLEGELINO: Ein Brief.
ADELHEID: Wer hat ihn gebracht?
FLEGELINO: Der draußt is. Er wird gleich
einakommen.
ADELHEID: Ist der Brief ?
FLEGELINO: Nicht an Ihnen, an Herrn.
BERENGARIO (reißt ihm schnell den Brief weg): Warum gibt Er mirn nicht gleich?
FLEGELINO: Jetzt lesen S und reden S nicht lang!
BERENGARIO: Ich sags Ihm heut zum letztenmal
FLEGELINO (wendet sich zum Abgehen): Hören S auf mit die Dummheiten!
BERENGARIO: Wenn Er sich unterfangt
FLEGELINO (im Gehen): Versteht sich! Fürchten wird man sich!
BERENGARIO: Und ist nochmal so grob mit mir
FLEGELINO (ohne sich umzuwenden): Mit mir kommt kein Mensch auf. (Ab.)
Vierte Szene
DIE VORIGEN, ohne FLEGELINO
BERENGARIO: Infamer Kerl, das!
ADELHEID: Wie der Herr, so der Knecht, ist ein altes Sprichwort.
BERENGARIO: Keine Stichelei, das leid ich nicht. Wer kann mir geschrieben haben?
ADELHEID: Ich weiß nicht, wer so eine fade Korrespondenz führt.
BERENGARIO (hat den Brief erbrochen): Was? Der Sternenkönig?
ADELHEID (freudig): Krotto der Kleine, der Sternenkönig? Das ist ein lieber Mann.
BERENGARIO (liest): Ich habe gehört, daß Sie die schöne Adelheid
ADELHEID: O, scharmanter König!
BERENGARIO (weiterlesend): Zu einer Heirat zwingen wollen und sich bereits ihres Zauberschlosses bemächtigt haben. Ich glaube dieses nicht von Ihnen und hoffe daher, Sie werden ungesäumt Adelheid und das Zauberschloß freigeben.
ADELHEID: Haben Sies ghört jetzt?
BERENGARIO: Da hats Zeit. Sputzifurino! (Der dienstbare Geist kommt.) Der den Brief gebracht hat, soll augenblicklich hereinkommen. (Der Geist ab.)
ADELHEID (zu Berengario): Sie werden sich doch nicht dem mächtigen Sternenkönig widersetzen?
Fünfte Szene
GSCHICKTUS; DIE VORIGEN
GSCHICKTUS (tritt ein, er hat einen großen Brief an der Brust angeheftet, verneigt sich): Mein Gebieter, Krotto der Kleine
BERENGARIO: Will einen Großen spielen und mir was befehlen.
GSCHICKTUS (fortfahrend): Krotto der Kleine mit dem großen Bart
BERENGARIO: Er soll nur kommen, hier wird er balbiert.
GSCHICKTUS: Der mächtige Sternenkönig
BERENGARIO: Er soll sich heimleuchten lassen von seine Stern. (Er erblickt den Brief an der Brust des Gschicktus.) Halt! Was ist das für ein Brief?
GSCHICKTUS: Ein geheimes Schreiben, das Euch nichts angeht.
BERENGARIO: Mich gehts nichts an? Her damit! (Reißt es ihm weg.)
GSCHICKTUS (für sich): Meine Vorsicht, mit der ich den Brief verwahrte, war umsonst. (Zu Adelheid, während Berengario den Brief erbricht.) Der Brief ist an Ihnen.
ADELHEID (erschrocken): An mich?
GSCHICKTUS: Er enthält geheime Sachen von der größten Wichtigkeit.
ADELHEID: O, Sie dummer Mensch, warum haben Sie n denn nacher da vorne getragn? Jetzt hat n der Tyrann!
BERENGARIO: Also so kommt man hinter die Schlich! (Zu Adelheid, welche angelegentlich in der Stille mit Gschicktus spricht.) Hörn Sie zu, schöne Braut. (Bemerkt die leise Unterredung. Zornig.) Was ist das für ein Gwischpel? (Er nimmt Adelheid am Arm.) Sie stellen sich daher und rühren sich nicht! (Er führt sie rechts in den Vordergrund.) Jede Bewegung kostt Ihnen den Kopf. (Zu Gschicktus.) Und Er, ungschickter Abgschickter, Er stellt sich daher! (Führt ihn links in den Vordergrund.) Jeder Muckser kostt Ihm den Hals, denn Kopf hat Er kein.
GSCHICKTUS (beleidigt): Der Sternenkönig wird
BERENGARIO (schreit ihn grimmig an): Still!
GSCHICKTUS (erschrickt heftig und bleibt unbeweglich stehen)
ADELHEID: Stürm zu, Schicksal, jetzt gehts in ein.
BERENGARIO (liest): "Wunderschöne Adelheid, hellleuchtender Stern!"
ADELHEID (seufzt laut)
BERENGARIO: Was war das?
ADELHEID: Ein Seufzer, das wird doch erlaubt sein!
BERENGARIO (liest): "Ich kenne Ihre Leiden, doch verlassen Sie sich auf mich, Berengario ist ein Halunk!" (Gschicktus und Adelheid machen Zeichen des Einverständnisses aufeinander.) Na wart, du kleiner Krotto! (Er bemerkt die Zeichen.) Was ist das? Nicht rühren, hab ich gsagt.
ADELHEID: Ich hab mich nicht grührt.
GSCHICKTUS: Ich auch nicht.
BERENGARIO (grimmig): Still! (Liest weiter.) "Bringt Gschicktus keine günstige Nachricht zurück " (Zu Gschicktus.) Er heißt Gschicktus?
GSCHICKTUS: Ja.
BERENGARIO: Das ist ein Betrug, denn Er ist ungschickt.
ADELHEID: Dasmal hat der Tyrann recht.
BERENGARIO (grimmig): Still! (Liest weiter.) "So eile ich mit meiner ganzen Zaubermacht, die reizende Adelheid zu befreien. Ihr ganz ergebenster Sternenkönig." (Gschicktus und Adelheid machen sich Zeichen.) Ha, Rache! Zittre, Krotto! (Er bemerkt die Zeichen.) Million Tod! Was sind das für Zeichen?
GSCHICKTUS: Ich hab nichts gmacht.
ADELHEID: Mich hat die Nasen bissen.
BERENGARIO: Jetzt, Adelheid, erklären Sie dem dahier augenblicklich, daß Sie freiwillig und aus Liebe mich heiraten und keinen Sternenkönig nötig haben. Diese Nachricht soll Er sein Herrn bringen.
ADELHEID: Warum nicht gar! Der Sternenkönig ist ein Engel von ein Mann, ich kanns nicht erwarten, daß er hierherkommt und mich von so einem zwidern Schatz befreit, wie Sie sind. Ja, schau nur, Tyrann, ich lache deines Grimmes! (Sie geht mit einem fröhlichen Jodler ab.)
BERENGARIO: Ha, Wut! Rache! Tod! Verderben!
GSCHICKTUS: Was kann ich für eine Post bringen nach Haus?
BERENGARIO: Gar keine wird Er bringen. (Er zerreißt den Brief und tritt grimmig darauf herum.) He, Sputzifurino! Sputzifurino! (Der dienstbare Geist kommt.) Alle meine Getreuen solln sich augenblicklich hier versammeln. (Sputzifurino ab; zu Gschicktus.) An Ihm aber will ich ein Exempel statuieren, daß Er keinen heimlichen Brief mehr tragt.
GSCHICKTUS (weinerlich): Ich kann nichts davor!
BERENGARIO: Er soll mich kennen lernen!
GSCHICKTUS (immer ängstlicher): Ich kann aber nichts davor.
BERENGARIO: Weh! Weh Ihm!
GSCHICKTUS (ängstlich schreiend): Wenn ich aber nichts davor kann!
Sechste Szene
DIE ANHÄNGER BERENGARIOS (kommen eilig, sie sind in gleicher magischer Kleidung); DIE VORIGEN
DER ERSTE ANHÄNGER: Hier sind wir, Herr was befiehlst du?
BERENGARIO: Zuerst werft mir den Gschicktus da in das tiefste Gefängnis.
GSCHICKTUS (weinend): Ich kann aber nichts davor.
ZWEI ANHÄNGER (packen Gschicktus und führen ihn ab): Marsch fort! Ohne Weigern, fort!
GSCHICKTUS (indem er abgeführt wird, schreit heftig): Ich kann aber nichts davor, wann ich aber nichts davor kann! (Ab.)
BERENGARIO: Nun, sagt mir, habt ihr Mut, den Kampf mit dem Sternenkönig zu wagen?
ALLE: Wir haben Mut!
DER ERSTE: Aus jeder Bewegung kannst du es sehen! (Alle gehen grimmig herum.)
BERENGARIO: Ich bin überzeugt. Nun schwört auf die Fahne der Zwietracht, nicht eher zu ruhen, bis der Sternenkönig besiegt ist.
(Einer der Anhänger Berengarios bringt eine Fahne, welche aus Schlangen und Drachenflügeln besteht und oben statt der Spitze eine Flamme hat; alle ziehen ihre magischen Schwerter, welche statt der Klingen Schlangen haben, und halten selbe in die Flamme an der Fahne.)
ALLE: Wir schwören! (Wie sie die Schwerter wegziehen, brennt an jeder Spitze eine blaue Flamme; Musik fällt ein.)
BERENGARIO: Jetzt gehts los, das ist gscheit,
Kampf is halt meine Freud,
Sternkönig, gfreu dich nur,
Jetzt geht es grimmig zur.
ALLE: Jetzt gehts los, das is gscheit,
Kampf is halt unsre Freud,
Sternkönig, gfreu dich nur,
Jetzt geht es grimmig zur.
(Alle machen grimmige Evolutionen unter lärmender Musik, die Fahne wird geschwungen, Berengario an der Spitze stürzt ab, alle folgen.) 
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