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nestroy-spiele schwechat 2006 ‹liebesgeschichten und heurathssachen›
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Rothmühle / Rannersdorf, Schlosshof 
34. Nestroy-Spiele Schwechat 2006

Liebesgeschichten und Heurathssachen

Premiere Samstag, 1. Juli 2006
Vorstellungen bis 5. August 2006

  

Pressestimmen

  

APA, 2. Juli 2006
Geerdete Vorstadtunterhaltung mit Haltung

Seit 34 Jahren hat sich Schwechat als Aufführungsort der Nestroy-Spiele und Treffpunkt der Nestroy-Forschung etabliert. Im Hof von Schloss Rothmühle ging gestern, Samstag, Abend die Premiere der diesjährigen Produktion „Liebesgeschichten und Heurathssachen“ über die Bühne: Eine köstliche Posse, überaus treffsicher inszeniert, von schauspielerischer Glanzleistung des vorwiegend aus Laiendarstellern bestehenden Ensembles getragen.

Die Spezifika der Nestroy-Spiele beschreibt Intendant und Regisseur Peter Gruber so: „Bei uns gibt’s keinen Pomp und keine Promi-Nabelbeschau, keine zeitgeistigen Kunst-Krämpfe, aber auch keine oberflächliche Sommertheater-Konfektion von der Stange. Hier gibt’s – ganz im Sinne Nestroys – niveauvolles, geerdetes Vorstadt-Unterhaltungstheater mit Haltung und Anliegen“. Treffender lässt sich die Philosophie dieses Theaterfest-Standorts nicht charakterisieren.

„Liebesgeschichten und Heurathssachen“, 1843 entstanden, entpuppt sich dementsprechend als gesellschaftskritische Satire, die erstaunlicher Weise keiner Verlagerung ins Heute, ja nicht einmal aufpolierter Couplets bedarf, um biedermeierliche Zustände unverblümt als gegenwärtige erscheinen zu lassen. Soziale Instabilität, neureiches Protzertum, Kommerzialisierung aller Lebensbereiche sind auch dem heutigem Publikum nicht unbekannt. „Die Liebe ist ein Traum, die Ehe ein Geschäft“, lautet eines der zahlreichen Bonmots aus dem Stück.

Bis ins kleinste Detail ist hier wunderbares, komödiantisches Theater zu erleben. Vom Wurstfabrikanten Fett (Bruno Reichert), der schwergewichtigen Tochter Fanny (Maria Sedlaczek) und der resoluten Schwägerin Lucia (Bella Rössler) über den Aristokraten Vincelli (Harald Schuh) bis zum analytischen Schelm namens Nebel (Christian Graf) und dem handfesten Wirt (Horst Salzer) sind alle Figuren typengerecht und überzeugend gezeichnet. „Genau“, würde der wortkarge Dorfpolizist Flink (Poldi Selinger) von seinem Stammplatz an der Theke aus anmerken.

Wer sich bei unverfälschtem Nestroy in volkstümlicher Atmosphäre einen unterhaltsamen Abend erwartet, ist in Schwechat bestens aufgehoben. An Sonntagen wird außerdem ein Theater-Frühstück im Schlossgarten serviert. Noch bis 4. Juli finden auch die 32. Internationalen Nestroy-Gespräche in Schwechat statt, diesmal zum Thema „Ah, das dalkete Dencken, is wircklich was Dumms. Raimund und Nestroy im Kontext internationaler Lachkultur“.

Salzburger Nachrichten, 3. Juli 2006
Köstliche Posse, treffsicher inszeniert

Im Hof von Schloss Rothmühle in Schwechat, seit 34 Jahren Aufführungsort der Nestroy-Spiele, ging am Samstag die Premiere von „Liebesgeschichten und Heurathssachen“ über die Bühne. Es ist eine köstliche Posse, treffsicher inszeniert von Intendant Peter Gruber und getragen von der Leistung des vorwiegend aus Laiendarstellern bestehenden Ensembles.

Kurier, 3. Juli 2006
Spürbare Liebe zum Nestroy-Spiel

Der Titel der heurigen Sommerspiele in Schwechat verleitet vielleicht zu falschen Assoziationen: „Liebesgeschichten & Heurathssachen“. Gemeint ist hier keine Sendung für einsame Herzen, sondern die bekannte gesellschaftskritische Satire von Johann Nestroy.

Auch dieses Jahr gelingt es Peter Gruber (Regie) die subversive Komik in Nestroys Stücken für die Neuzeit zu adaptieren. Gezielte Seitenhiebe, unter anderem auf den Bawag-Skandal, sind die Folge.

Hauptakteur ist wieder einmal Christian Graf, der die Rolle des Nebel mit der nötigen Affektion und einer betont genäselten Aussprache verkörpert. Bruno Reichert findet seine Bestimmung in der Figur des Parade-Proleten Florian Fett. Innerhalb des Laien-Ensembles werden Tendenzen in Richtung Professionalität deutlich erkennbar. Doch es bleibt was es ist: niveauvolles und gut erarbeitetes Laien-Theater.

Petra Mühlgassner

Wiener Zeitung, 6. Juli 2006
Zeter und Mortadella

Vor der Kulisse eines gigantischen Mortadellabrotes finden in Schwechat die 34. Nestroy-Spiele statt. Nestroys gesammeltes Werk auf die Bühne zu bringen, hat sich das Laienensemble um Peter Gruber vorgenommen – und da sollen auch unbekannte Stücke nicht fehlen. Wie in diesem Jahr „Liebesgeschichten und Heurathssachen“ – die danach benannte Kuppelshow von Elizabeth T. Spira ist fast geläufiger. Um die Liebe geht es natürlich auch hier – und um Nestroy’sche Verwirrspiele auf dem Anwesen des neureichen Fleischers Florian von Fett (Bruno Reichert), den das „von“ nicht am Meidlinger „L“ hindert. Prunk und Protz sollen die fehlende Noblesse ersetzen: ein goldenes Schwein als Hausbar oder Plastik-Hirschgeweihe (Bühne: Alexandre Colon) – ein Ambiente, als hätte Rudolph Moshammer seine Finger mit im Spiel gehabt. Die Darsteller erheitern und begeistern durchwegs – manche mehr, manche weniger. Unterm Strich bleibt aber: engagiertes Laientheater, das Freude macht.

Neue Kronen-Zeitung, 3. Juli 2006
Sommerunterhaltung macht Spaß!

Mit 34 Jahren Nestroy-Spielen im Schloss Rothmühle gehört der Spielort Schwechat zu den traditionellsten und besteingespielten Stationen im niederösterreichischen Theatersommer. Mit großer Lust am Schauspiel sind die Darsteller rund um Regisseur Peter Gruber stets dabei – wie auch bei der heurigen Premiere!

„Liebesgeschichten und Heurathssachen“, so der Nestroy des Jahres 2006, bringt bequemes und angenehmes Sommertheater mit sich. Regisseur Gruber hat einen nicht zu kurzen, aber in sich kompakten und schlüssigen Theaterabend geschaffen, der zunächst einmal auf Sprache und den Witz des Autors setzt. Unterhaltsam soll es sein, nicht zu schwer darf das Ganze im Magen liegen, sicher und souverän werden die Pointen serviert. Aber man spürt keine Routine hinter dem Spiel, immer hat man das Gefühl, dass auch den Darstellern das Geschehen Spaß macht.

Fröhlich das Leben also in Herr von Fetts Villa: Im Mortadella-Bühnenbild von Alexandre Collon wird zwar eifrig intrigiert, doch niemals scheint es an das Innerste zu gehen. Ja, der Herr Nebel (Christian Graf) mag vielleicht einen nebeligen Charakter haben – aber wirklich dunkel ist auch er nicht gezeichnet. Spielt er auch mit dem Leben- und Liebesglück anderer: Ein bisschen sympathisch darf er bleiben!

Liebevoll sind die Typen ausgesucht für die Besetzung des „köstlichen Originals“ im Hof des denkmalgeschützten Schlosses: Die Damen Maria Sedlaczek, Bella Rössler und Sabine Stacher, die Herren Bruno Reichert, Florian Haslinger, Thomas Trabitsch passen perfekt. Hier gönnt sich Gruber also einen Spaß-Nestroy jenseits jeglicher Politik und Kritik, lässt Sommerunterhaltung echte Sommerunterhaltung sein, ohne viele Kanten und Ecken hineinzubringen: Das Publikum amüsiert sich daher besonders blendend.

OL

Der Standard, 11. Juli 2006
Unpersönliche Ekel-Träumereien

Geschichten sind etwas romantisches, träumerisches, idealisiertes – Sachen hingegen sind nüchterne Ereignisse, geplante Vorgänge, unpersönliche Verbindungen. Wichtige Unterscheidungen, welche die Liebesgeschichten und Heurathssachen, derzeit bei den Nestroy-Spielen in Schwechat, lehren. Um die "Sachen", nämlich das Vermögen der Lucia Distel (Bella Rössler), geht es an sich nur dem Halunken Nebel (Christian Graf), der die reiche Dame ehelichen möchte und sich als Baron ausgibt.

Dem echten Baron, Alfred (Florian Haslinger), ist hingegen nur an der Liebe zur mittellosen Ulrike (Sabine Stacher) gelegen, und ehrliche Gefühle bringt auch der Kaufmannssohn Buchner (Thomas Trabitsch) der Tochter des neureichen Herrn Fett entgegen. Und da die soziale Ungleichheit der wirklich und scheinbar Verliebten die diversen Verbindungen nicht so ohne weiteres erlaubt, wird in Nestroys Posse intrigiert und geflunkert, soviel das Ego des deklassierten Nebel eben braucht. Der steht dann am Ende aber auch alleine da.

Peter Grubers Inszenierung geht über die unmittelbaren Anregungen einer satirischen Darstellung weit hinaus. Die Charaktere werden sich selbst karikierend gezeigt, die Gegenüberstellung von Adel und Bürgertum lässt den konservativen Lodenträger gegen den Saunaschlapfenproleten um den Anspruch auf Ekel vor dem anderen buhlen.

(ih)