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    Der confuse Zauberer
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Rothmühle / Rannersdorf, Schlosshof 
33. Nestroy-Spiele Schwechat 2005

Der confuse Zauberer

Premiere Mittwoch, 29. Juni 2005, 20:30 Uhr
Vorstellungen bis 30. Juli 2004

  

Pressestimmen

 

Der Standard, 12. Juli 2005
Emotionelle Wechselbäder bei Nestroy-Spielen Schwechat

„Der confuse Zauberer“ im Schlosshof Rothmühle

Karel Gotts „Babitschka“ musste genauso herhalten wie Rod Stewards „I am Sailing“ oder eben die Bänkelgesänge des guten alten Adolf Müller: Helmut Emersberger, Thomas Hojsa und Horst Mayr untermalten das Nestroy’sche „Original Zauberspiel“ Der confuse Zauberer zu jeder Szene mit der passenden Musik. Wichtig dabei war nur das gewisse Potenzial an Schunkeltauglichkeit.

Mit jenem Frühwerk um den Magier Schmafu (virtuos: Bruno Reichert) und den Zauberer Eigensinn (brillant: Franz Steiner), um die Feen Treue (Esther Potesil), Flatterhaftigkeit (Regine Rieger) und Melancholie (Maria Sedlaczek), welches mit einem fragmentarisch erhaltenen Vorläufer erweitert wurde, läutete Regisseur und Bühnenbildner Peter Gruber erfolgreich die 33. Nestroy-Spiele in der repräsentativen Rothmühle Schwechat ein.

Skurril, schrill und schräg plagt sich der glatzköpfige Protagonist Schmafu, und nicht nur er, mit seinen sexuellen Nöten und Verstrickungen. Konnte er doch in all seinen langen Lebensjahren nie seine Flatterhaftigkeit wirklich ausleben. Plötzlich – um den Preis enormer Konfusion – erhält er dazu Gelegenheit und stürzt sich in gefühlvolle Wechselbäder.

Nicht nur zu Zeiten Metternichs wollte über die Stränge geschlagen werden, auch heute hagelte es Extempores und Anspielungen auf politische Konfusionen. Schon deshalb einen Besuch wert.

(henn)

Die Furche, 7. Juli 2005
Treue und Laster

Nestroy-Ausgrabung auf Schloss Rothmühle in Schwechat:
„Der confuse Zauberer“

Peter Gruber hat es wieder einmal geschafft. Für die von ihm seit drei Jahrzehnten geleiteten Schwechater Nestroy-Spiele holte er diesmal ein seit der Erstinszenierung von 1832 nicht mehr professionell gespieltes Stück des „wienerischen Aristophanes“ auf die Freilichtbühne. „Der confuse Zauberer oder Treue und Flatterhaftigkeit“ geriet unter seiner Regie zu einem manchmal – auch weil einzelne Akteure zwei Rollen übernahmen – verwirrenden, aber alles in allem unterhaltsamen Abend. Für das ständige Nestroy-Repertoire dürfte diese tiefenpsychologisch interessante Rarität aber kaum zu gewinnen sein.

Allegorien wie Eigensinn (Franz Steiner), Treue (Esther Potesil), Flatterhaftigkeit (Regine Rieger), Melancholie (Maria Sedlaczek), Argwohn (Willi Mürwald), und Eifersucht (Sissy Stacher), aber auch realistische Figuren bestimmen die Handlung, die unverholen unterdrückte sexuelle Triebhaftigkeit zum Inhalt hat. Durch ins Pornografische gehende Aquarelle von Peter Fendi, aber auch aus Nestroys Biografie weiß man ja, dass das Biedermeier gar nicht so bieder war, wie die Bezeichnung dieser Epoche vermuten ließe.

Der Magier Schmafu (Bruno Reichert) sehnt sich nach einem freizügigen Leben, hat sich von der mit ihm verlobten Treue losgesagt und stellt – 25 Jahre lang vergeblich – der von ihrer Rivalin in Schlaf versetzten und von Geistern des Eigensinns in einem tiefen Kellergewölbe bewachten Flatterhaftigkeit nach. Als sich der Naivling Confusius Stockfisch (Christian Graf), dem ein Zauberring in die Hände gefallen ist, in Schmafus Dienste begibt – und dann im blauen Anzug einen mit H.C.St. bezeichneten Laptop bedient , bekommt Schmafu freie Bahn, um seine Gelüste auszuleben. Das Geschehen mündet in eine zügellose Spaßgesellschaft, die, aufgrund konfuser Zaubereien, aber auch dank des Auftretens von Argwohn und Eifersucht, letztlich nicht zu Schmafus Glück führt. Am Ende landet er doch wieder an der Seite der Treue, was, wie Gruber das Publikum deutlich erkennen lässt, kein „Happy End“ sondern eine sehr fade Zukunft bedeutet.

Das in Bruno Reichert, Christian Graf, Franz Steiner, Esther Potesil und Maria Sedlaczek seine stärksten Stützen besitzende Amateurensemble überzeugt durch ungeheure Spielfreude und den richtigen Nestroy-Ton, der auch in den Couplets mit einigen frechen Zusatzstrophen getroffen wird. Überraschend gut werden auch die bühnen- und zaubertechnischen Erfordernisse des Stückes bewältigt. Das Premierenpublikum dankte mit lange anhaltendem, herzlichen Applaus.

Heiner Boberski

Niederösterreichische Nachrichten (NÖN), 30. Juni 2005
Nestroys „Der confuse Zauberer“ in Schwechat

Die Nestroy-Spiele auf Schloss Rothmühle in Rannersdorf bei Schwechat bieten mit „Der confuse Zauberer“ wieder einmal eine veritable Nestroy-Rarität.

Seit dem Uraufführungsjahr 1839 war das Stück nicht mehr auf der Bühne zu sehen gewesen. Kein Wunder also, wenn auch Altmeister wie Gerhard Bronner und Elfriede Ott am Mittwoch zur Premiere nach Schwechat pilgerten.
Schloss Rothmühle zählt wohl zu den im besten Sinne volkstümlichen Spielstätten des Theaterfests NÖ. Schon vor der Aufführung verwandelte sich der große Garten in einen rustikalen Heurigen, wo sich Jung und Alt am G'spritzten labten, ganz ohne Krawattenzwang und Schickeria-Getue. Keine Stätte der Selbstdarstellung für Promis, wohl aber seit Jahrzehnten ein Ort für Freunde hervorragenden Theaters.

Dem langjährigen Intendanten und Ideen sprühenden Regisseur Peter Gruber gelang es, das frühe Fundstück aus dem immerhin 166 Jahre währenden Dornröschenschlaf zu erwecken und mit neuem Leben zu füllen. Zumindest während der ersten Hälfte des Abends. Dann lässt langsam, doch leider spürbar, der anfängliche Hochdruck nach, und die Titel gebende Konfusion scheint tatsächlich überhand zu nehmen. Ob es an zu großzügiger Erweiterung durch Textstellen aus dem fragmentarisch erhaltenen Vorläufer „Treue und Flatterhaftgkeit“ liegt? Jedenfalls hätten ein paar energische Striche sicher nicht geschadet.

Wie eh und je beeindruckend ist die schauspielerische Qualität des vorwiegend aus Laien bestehenden Ensembles. Derart flottes, witziges und überzeugendes Spiel würde man mancher Profibühne wünschen. Grubers zahllose Anspielungen, unbekümmert kalauernde Gags und schräge Details tun ein Übriges, um kurzweilige Skurrilität und zusätzlich unterhaltsamen Gegenwartsbezug herzustellen.

Wenn zum Beispiel der Laptop des blau gewandeten Aufsteigers Confusius Stockfisch (Christian Graf) mit dem schillernden Schriftzug „H.C.St“ überzogen ist, muss kein Name mehr fallen, um politische Querverbindungen zu evozieren. Wenn in einem Couplet darauf hingewiesen wird, dass die Mischung von Blau und Orange die Farbe Braun ergibt, ist auch alles klar. Und die Allegorien, sonst eher mit Raimund als mit Nestroy verknüpft, treten nicht mit dem moralisierenden Zeigefinger auf, sondern outen sich als gesellschaftlich bedingte Parameter. Ja, in Schwechat ist Nestroy noch bissig, brisant und stets aktuell.
Ein portugiesischer Abend mit Sandra Pires, Filmtage und ein Sommernachtsfest ergänzen die Nestroy-Spiele bis in den August hinein. Und von 2. bis 5. Juli tagen – ausgerechnet im Schwechater Justiz-Bildungszentrum – internationale Literaturwissenschaftler zum Thema „Mit G'walt muss der Mensch / Melancholisch da werdn“.

Kronenzeitung, 1. Juli 2005
Confusius Stockfischs Theaterwerkel

Man muss den Nestroy-Spielen Schwechat selbst bei einem Misserfolg dankbar sein: Seit Jahrzehnten arbeitet sich Peter Gruber durch das Nestroy-Repertoire, bringt engagiertes Theater, und das auch mit wenig bekannten Werken. So heuer mit dem „Confusen Zauberer“!

Wenn die Gelsen bei der Premiere den Stechrüssel einziehen und seltsam wenig Aggressionspotential zeigen, neigt der gelernte Schwechat-Besucher zu Sorgen. Nestroy ohne Stiche(leien)? Kann’s das geben? Ja, es kann.
Diesmal nahm Gruber sich eines kraftlosen Werkes an, das sich im Humor schwachbrüstig und in der Handlung recht wirr gibt. Vor allem aber ist der Spannungsbogen flach, der Verlauf der verwickelten Geschichte uninteressant, ja leider auch die Inszenierung Peter Grubers in ihrem Verlauf vorhersehbar.
Mitunter, wenn Herr Eigensinn zum x-ten Male „Just nicht!“ sagt oder wenn schon wieder eine Zauberei von Confusius Stockfisch (Christian Graf) misslingt, dann merkt man plötzlich: Es ist zu viel Konvention im Getriebe. Und es beschleicht einen das merkwürdige Gefühl, alles schon einmal im Schloss Rothmühle gesehen zu haben. Und alles etwas besser!

Engelsflügerln da, Trachtenjäckchen dort, vor der Bühne sitzen Kasperl und das Krokodil einträchtig zusammen und sorgen für die Hintergrundmusik: Wieso sie sich plötzlich so gut verstehen? Weil’s diesmal eben so grundsolide zugeht, weil alles so überschaubar ist.

„Geiz ist geil“, „Oh, it’s a Feh“ oder dergleichen Geistvolles mehr müssen einfach vorkommen, die politischen Anspielungen kennt man schon seit langem. Sei’s drum. Schwechat hat in den vergangenen Jahren so viele Sympathiepunkte gesammelt, dass man ruhig, ein paar auch wieder verspielen kann.
Immerhin: Das Publikum lernt, wie’s ist, wenn der „Confuse Zauberer“ im Theater werkelt ... Und wer weiß: Vielleicht ist 2006 wieder ein gutes, „bissiges“ Gelsen-Jahr?

Oliver A. Láng

Kurier, 12. Juli 2005

Die Nestroy-Spiele Schwechat zeigen auf Schloss Rothmühle Nestroys nicht zu Unrecht unbekanntes Frühwerk „Der confuse Zauberer“. Peter Gruber hat inszeniert und das Stück in die Gegenwart transportiert. Der wirren Handlung aber kommt Gruber trotz vieler Pointen nicht ganz bei. Das aus Laien bestehende Ensemble sorgt für Tempo und Witz; Bühne und Kostüme betonen das Märchenhafte des Zauberspiels, in dem Geister, Seeräuber und Magier ihr Unwesen treiben.

Petra Mühlgassner