Rothmühle / Rannersdorf, Schlosshof
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Nestroy-Spiele 2003 |
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Ein psychologisches Meisterwerk |
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Revolutionäres im Gewand der PosseNach vier Wiederholungen verschwand die Posse Höllenganst vom Spielplan (Carltheater, 17.21. November 1849). In der zeitgenössischen Theaterkritik fand sie wenig Resonanz; die Rezensenten warfen Nestroy vor, er beute Tagesereignisse aus, statt ein echtes Volksstück zu bieten, seine Stoffwahl sei ein Fehlgriff gewesen, höheren Anforderungen sei er nicht gerecht geworden. Man äußerte gar die Befürchtung, der Born der Nestroyschen Laune sei versiegt. Der Aufeinanderprall von alter, bis in barocke metaphorische Vorstellungen zurückreichende Theatertradition und fast ungefilterten Alltagserfahrungen sozial Unterprivilegierter darin eingebettet politische Symbolik hat möglicherweise das damalige Theaterpublikum überfordert. Den sozialen, politischen und humanen Gehalt der im Umkreis der Revolution von 1848 und ihren Nachwehen angesiedelten politischen Komödie hat erst die Nachwelt erkannt. Hanns Eisler, der 1948 eine neue Musik für das Stück komponiert hat, faßte die poetische Idee so zusammen: Damit ein armer Mann von den Mächtigen menschlich behandelt wird, muß er entweder einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben oder wenigstens daran glauben. Mit ihren spezifischen Mitteln spielt die Posse auf das durch mancherlei neue Erfahrungen und Umwälzungen irritierte Sicherheitsbedürfnis der Menschen im 19. Jahrhundert, besonders in den vierziger Jahren an und entfaltet die Dialektik von intellektueller Aufklärung und volkstümlich-irrationalem Aberglauben, wobei die Hoffnung auf eine Hilfe von oben mehrdimensional und zugleich fragwürdig wird. Der Dialog der Posse ist mit historischen Schlagwörtern gespickt, die z.T. ernst-komische, melodramatische Handlung verbindet Anspielungen im Kontext der Revolutions-Ereignisse 1848/49 mit Komödien-Teufeleien. Zwei nicht mehr erhaltene Verse zu einem Couplet-Entwurf Nestroys lauten: Weil uns traumt hat von Freyheit, mußs a wirkliche gebn, / wenn s auch in Jahrhunderten erst tritt ins Leben. Sie drücken die weltanschauliche Fundierung der Posse ebenso aus wie die in den Monolog-Entwürfen geäußerte Schicksalsphilosophie Wendelins, die so kühn war, daß sie erst in unserem Jahrhundert von der Bühne herab verkündet werden konnte. Sie artikuliert den Menschheitstraum nach Freiheit und Überwindung von Determinismus und Fremdbestimmung, durch welche Macht auch immer. Wendelin kann mit einigem Recht als Sprachrohr und Lebensrolle Nestroys aufgefaßt werden. Wesentliche Motive zur Darstellung dieser Thematik verdankt Nestroy seiner Vorlage, der französischen ,Comédie Dominique ou le Possédé (1831), die vor ihm bereits Josef Kupelwieser bearbeitet hatte, der schon beim Talisman und anderen Stücken sein Konkurrent gewesen war. Die Beliebtheit der französischen Vorlage, die ihren Niederschlag auch in einer zeitgenössischen Übersetzung fand, ist für uns heute ebenso unverständlich wie der Mißerfolg der Bearbeitung durch Nestroy. Die Posse trägt ein Jahr nach dem Sieg der Reaktion die Zeichen der Zeit viel deutlicher als die übrigen Stücke: eine vormärzlich-kafkaeske Situation auf der Ebene des Kriminalromans, kommentiert mit schwarzem Humor. Nestroy strebt die Beschreibung jener Atmosphäre an, in der die Wiener Bevölkerung während der Restauration lebte; gezeigt werde eine Kamarilla, die aufgrund ihrer Beziehungen zur Regierung unbeschränkt agieren kann und dabei selbst vor Verbrechen nicht zurückschreckt. Die kleinen Leute würden ohnmächtig von den Herrschenden hin und hergeschoben, verhaftet, mit dem Tode bedroht, dann wieder freigelassen, lebten in ständiger Angst. Daß Wendelin den Aberglauben verteidigt, deutet einerseits auf seine Kleinmütigkeit als Figur der Possenhandlung, die machtlos in sie und die nicht veränderbaren sozialen Umstände verstrickt ist, zugleich ist das Ausdruck einer tiefgreifenden Stimmung des 19. Jahrhunderts, die Zweifel an den Errungenschaften der Aufklärung hat, schließlich bot sich Nestroy hier auch die Möglichkeit, aus der Rolle herauszutreten und von eher privaten Fällen in die soziale und politische Öffentlichkeit vorzustoßen. Auftrittscouplet und -monolog in der für die Aufführung bestimmten Fassung zeigen nur einen Teil der Skepsis und Aggression gegen Schicksal und Weltordnung, die Nestroy in den Entwürfen zum Schicksalsmonolog äußert. Schicksal ist für Nestroy ein zugleich mythischer, metaphysischer, historischer, soziologischer und moralischer Begriff, der den obersten Platz in seiner Begriffshierarchie einnimmt. Wendelins Hadern mit dem Schicksal schließt von der Ungerechtigkeit in der Welt auf den Zustand der Weltregierung selbst, der gottgefügten Ordnung. Für ihn ist daher das Leben auf der Erde Hölle im doppelten Sinn, durch soziale Determination und durch Lebensangst geprägt. Der Protest gegen soziale Ungerechtigkeit verbindet sich mit dem Zweifel am Gottesglauben, der die Weltordnung als vernünftige Einrichtung unterstützt. Für Wendelin, der die Dialektik von Glauben und Wissen durchspielt, ist daher die Aussicht auf die bessere Welt im Jenseits kein Trost. In ausgefeilter Rhetorik entfaltet Nestroy Revolutionäres im Gewand der Posse. Wendelin ist fiktive Bühnenfigur und Verkörperung realer Wünsche und Forderungen des kleinen Mannes zugleich. Die Begrenztheit seiner Handlungen und die Selbsttäuschung versinnbildlichen die politische Realität der Zeitgenossen, seine Reflexionen aber deuten die revolutionären Möglichkeiten an, die freilich nicht nur aus der Perspektive der Reaktion nach 1848 Utopie bleiben. In Wendelins Lebensgeschichte und in den satirischen Reflexionen drückt sich die Enttäuschung über die gescheiterte Revolution aus. Am Zensurakt zu Mein Freund (1851) kann gezeigt werden, warum der geplante Monolog keine Chance hatte, die Zensur zu passieren. Dort wird vom Zensor eine Anspielung auf das Schicksal als Verstoß gegen die religiöse Ergebenheit beanstandet. Nestroys Rechtfertigung lautete: Das ,Hadern mit dem Schicksal glaube ich, kann nichts Anstößiges haben, denn es existiert gar kein Stück, wo derlei nicht in allen Nuancen vorkömmt. Raisonnements über Schicksal, blinden Zufall, Glückslaunen, Verhägnis usw. machen den größten Teil der Reflexionen aller Stücke aus und sind zu keiner Zeit als kollidierend mit der christlichen Religion welches sämtliches Obbenannte ignoriert und nur eine Vorsehung statuiert betrachtet worden [...]. Was der Zensor zu dieser Verteidigung anmerkt, gilt auch für Höllenangst und zeigt den wahren Grund der Prävention: Daß übrigens Nestroy beim Niederschreiben dieser Posse an die Tagespolitik nicht gedacht haben soll, ist kaum zu glauben, indem dies eine allzu große Selbstverleugnung voraussetzen ließe, die von dem Verfasser des berüchtigten Stückes Freiheit in Krähwinkel, welches im Jahre 1848 ungeheuren Skandal verursachte, nicht zu erwarten wäre. Pfrim trifft zu Beginn die Feststellung, die auch am Schluß nicht widerlegt ist: Alles Lug und Trug auf der Welt. In der Zeit der Reaktion gibt es keine Hoffnung auf Veränderung oder Besserung, jedoch bleiben die Träume und Wünsche, und es sind private Lösungen möglich, in denen so etwas wie Aufhebung von Fremdbestimmung aufscheint. Der Ausflug ins Metaphysische zeigt, daß sich der Mensch durch Einbildung seine eigene Wirklichkeit schafft und dabei zum Gefangenen seiner Vorstellugen werden kann. Andererseits geben Einbildung, Reflexion und Wünsche, konstruktiv gewendet, auch wieder die Kraft, der Höllenangst zu entgehen. Die Figuren sind gleichzeitig fiktive Rollen und repräsentieren Vertreter der Gesellschaft, die durch das Gefälle von oben und unten, arm und reich, gut und böse bestimmt wird. Private und öffentliche Motive sind miteinander verkettet, die Handlungsfähigkeit der Figuren hängt vom Grad ihrer ökonomischen Selbständigkeit ab. Politische und ökonomische Motive sind bei den Großen untrennbar miteinander verbunden. Die Kleinen sind in ihre Machenschaften verstrickt, dienen als Werkzeuge, aber sie sind es auch, die die Verbrechen aufdecken und dem Guten zum Sieg verhelfen können. Auch das gehört zur poetischen Gerechtigkeit der Posse. Jürgen Hein |
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Historischer HintergrundAnfang des 19. Jahrhunderts ist Wien die Hauptstadt einer Monarchie von Gottesgnaden, wo die Herrschergewalt in der Person des Monarchen konzentriert ist: Er ist die Quelle aller Macht. Gefahr droht am ehesten von der Anfälligkeit des politischen Systems. Trotz einer prächtigen Fassade, machen sich bald Anzeichen von Schwäche bemerkbar, die immer deutlicher werden. Die Regierungsgewalt wird zunehmend von einer gewissen Lähmung gekennzeichnet. Als sich am 29. Februar 1848 Gerüchte über die Revolution in Frankreich und die dadurch angeregten Aufstände in Süddeutschland in der Habsburgermonarchie verbreiteten, begann sich der Unmut zu kanalisieren. Und es kam zu einem proletarischen Aufstand: Fabriken wurden zerstört, Geschäfte geplündert und die verhassten Linienämter, durch deren Besteuerung sich die Lebensmittel verteuerten, wurden attackiert. Diese Umstände veranlassten den Hof rasch nachzugeben. Metternich floh nach England, die Zensur wurde aufgehoben und eine Verfassung versprochen. Die Revolution hatte gesiegt. Am 25. April wurde die Konstitution erlassen. Sie enthielt eine Reihe von liberalen Ansätzen, doch sah man bald ihre Mängel. So kam es zu einem Marsch der Studenten zur Hofburg und damit zu einer weiteren Phase der Revolution, die als demokratische Revolution bezeichnet wird. Der Kaiser, der regierungsunfähige, schwer kranke Ferdinand I., floh nach Innsbruck. Der Sieg der Gegenrevolution bringt auch den Aufstieg neuer Männer in verantwortungsvolle Positionen mit sich, insbesondere Fürst Felix Schwarzenberg, dem die Leitung der Regierung anvertraut wird. Als Karrierediplomat und Offizier im Generalsrang hat er sich stets als Mann der Tat erwiesen, und als strikter Gegner der Revolution ist er vor jeder Versuchung gefeit, hier Konzessionen zu machen. Die Regierung proklamiert am 4. März 1849 eine Verfassung, die ohne Rücksprache mit den Abgeordneten ausgearbeitet wurde. Dieser Text, in dem die Grundfreiheiten bestätigt werden, regelt die Beziehungen zwischen den verschiedenen Machtebenen und sieht die Errichtung eines zentralen Parlaments vor. Und dennoch ist die Sichtweise dieser Verfassung eine völlig andere. Die von der Regierung Schwarzenberg ausgearbeitete Verfassung konzentriert sich auf die Vorrangstellung der monarchischen Gewalt: Es gibt keinerlei Hinweis auf die Souveränität des Volkes, und es ist nicht mehr die Rede von der Ministerverantwortlichkeit, während dem Kaiser bei den vom Parlament beschlossenen Gesetzesvorlagen ein absolutes Vetorecht eingeräumt wird. Der Gewaltstreich vom 4. März macht allerdings jegliche Zusammenarbeit mit dem Parlament unmöglich. Nach Beseitigung dieses Hindernisses können Franz Joseph und Schwarzenberg nun frei regieren, ohne sich um eine parlamentarische Kontrolle kümmern zu müssen. Franz Joseph kann sich darüber freuen, daß die Restauration der monarchischen Gewalt gelungen ist. Die Wiederherstellung Österreichs als Großmacht geht auch mit innenpolitischen Erfolgen einher. Die Verfassung vom 4. März 1849 hätte ein Hindernis für die Ausübung der monarchischen Gewalt darstellen können, aber die Regierung Schwarzenberg zögert deren Umsetzung hinaus. Nach der Wiederherstellung der Ordnung an den verschiedenen Fronten läßt man sich Zeit damit. Und Franz Joseph versteht es, sich dieser Bürde zu entledigen. Am 31. Dezember 1851 ist die Sache erledigt. Ein Patent verkündet den Untertanen des Reiches die Widerrufung der Verfassung. Im Grunde wird durch diesen letzten Akt nur das Recht an die Fakten angeglichen. Mit dem Silvesterpatent 1851 beginnt für Österreich offiziell das Zeitalter des Neoabsolutismus. Das neue System stützte sich auf die Armee, die Bürokratie und die katholische Kirche. Die Herrschaftsform, die über die Revolution den Sieg davongetragen hat, entspricht der Definition von Absolutismus. Franz Joseph kann ohne Verzerrung der Tatsachen mit Fug und Recht sagen, daß Österreich nur mehr einen Herrn hat. Es gibt keine Verfassung mehr, kein Parlament, das sich seiner Autorität entgegenstellen könnte. Die Minister sind einzig und allein dem Monarchen verantwortlich. In der Öffentlichkeit ist für Ruhe gesorgt. Da die Opposition zum Schweigen verurteilt ist und die Presse streng kontrolliert wird, hat die Staatsgewalt volle Handlungsfreiheit. 1849 Politik Verkündigung der Märzverfassung, Auflösung des Reichstages von Kremsier (7.3.); Patent gegen Pressemißbrauch (13.3.); Gemeindegesetz (17.3.); Schlacht bei Novara, Sieg Radetzkys, Waffenstillstand (23.3.); Errichtung der Gendarmerie in Österreich (8.6.); Neue Gerichtsverfassung in Österreich (14.6.); Friede von Mailand (6.8.); Schlacht bei Temesvar (9.8.); Kapitulation des ungarischen Revolutionsheeres (13.8.); Kapitulation Venedigs (24.8.); Interim-Vereinbarung zwischen Franz Joseph I. und Friedrich Wilhelm IV. (9. und 30.9.); Landesverfassungen und Landtagswahlordnungen verkündet (30.12.) |
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Der Pauperismus in WienDer immermehr steigende Preis der Lebensmittel erregt in den niedern und mittlern Sphären der Gesellschaft eine allgemeine Besorgnis. Aus Ungarn langte dieser Tage als Muster aus Eicheln gebackenes Brot ein, als Beleg für die daselbst herrschende Noth, während der Kornwucher immer mehr und mehr überhand nimmt. In den Straßen Wiens wurde ein Mann mit drei Kindern Bettelns wegen aufgegriffen, nicht weil er um Almosen bettelte, sondern in brotloser Verzweiflung seine Kinder als Geschenk anbot. Nichts desto weniger haben die Straßenecken nicht Raum genug, täglich bis an Hundert öffentliche Erlustigungen anzukündigen, wiewohl die Tanzsäle sich in diesem Carneval durchaus nicht recht füllen wollen. Dort hört man von Diners in Banquierhäusern, wo um einem Gast zu Ehren für zwei Erdbeeren die einzigen, die im Freiherrlich Hüglischen Garten in Hietzing in der jetzigen strengsten Jahreszeit reiften sage fünfundzwanzig Gulden C.M. bezahlt wurden. Die vielfachen Wohlthätigkeitsspenden, Bälle und Lotterien, reichen nicht mehr zur Stillung der Armuth aus. Unser heiteres, lebensfrohes Wien, dessen Phäakenthum ein Europa-bekanntes war, wird nun auch von diesem Gespenste der neuen Zeit heimgesucht und den Charakter, den es hier, wo sonst Alles nur Lust und Freude war, annimmt, ist ein um so erschreckenderer. Wer Wien früher kannte, weiß, daß bei der Billigkeit aller Lebensbedürfnisse, bei dem lebhaftesten Verkehr, bei der Leichtigkeit, mit welcher der nur etwas wohlhabendere Wiener sein Geld ausgibt, und mit dem hier wie nirgends in Anwendung gebrachten Grundsatz: Leben und leben lassen wie leicht es also da Jedem wurde, seinen Bedarf sich zu verdienen, ja mehr als dieses, auch etwas zu haben, um, wie man hier sagt, sich einen guten Tag zu machen! Daher kam es auch, daß der Zufluß der Wiener Bevölkerung aus den Provinzen so stark wurde, denn früher konnte auch in der That der Grundsatz gelten: In Wien kann sich Jeder erhalten! Wie haben sich aber jetzt die Zeiten geändert! Es gab nun freilich früher auch viel Elend in Wien, aber es verbarg sich, es zog sich zurück und man war auch im Stande es zurückzuhalten, daß es nicht bis auf offenem Markte, in die glänzendsten Straßen vordringe fragen wir aber an, wie jetzt die Bettelei zugenommen gegen früher. Wo hörte man sonst von so vielen Einbrüchen und Anfällen, wo hatte früher der Wiener den Muth zu so häufigen Selbstmorden wie jetzt, wo keine Woche fast vorübergeht, ohne eine solche entsetzliche That! Konnte dieses früher bei dem Wiener Volkscharakter vorkommen, daß Menschen hülflos auf offener Straße verschmachtet wären, wie es unlängst kurz hinter einander zwei Mal, und sogar in frequenten Vorstädten, ein Mal sogar in der stark bevölkerten Mariahilf geschah? Das unglückselige Schweigesystem, welches bei uns herrscht, ist ein besonderes Unglück. Während man in andern Staaten und Städten offen und ehrlich auftritt und sagt: es herrscht große Noth bei uns, thut etwas dafür, ihr Reichen und Vornehmen! Will man hier bemänteln und verdecken. Die Klasse der verschämten Armen ist noch viel unglückseliger und elender daran, als der Arbeiter, der für Tagelohn sich abmüht; dieser ist nur arm, lebt kümmerlich und beschränkt und unter ewigen Entbehrungen, aber er kann wenigstens seine Armuth zur Schau tragen, man verlangt nicht von ihm die Lüge einer gewissen Wohlhabenheit, wie man sie von unseren Proletariern im Beamtenstande verlangt. Der Beamte soll immer "anständig" leben, er darf nicht die Zeichen seines heimlichen Elends zur Schau tragen. Steht er in Verhältnissen, wo er einer Bestechung werth ist, so wird er nicht den Muth haben, sie zurückzuweisen, er wird sie annehmen. Diese alltägliche Corruption wird zu einem durch alle Beamtenclassen durchgehenden Bestechungs- und Protectionssystem. Es ist ein Dienst, den man der Humanität dem Staate, ja der Regierung selbst leistet, indem man ihre Aufmerksamkeit zu wiederholten Malen auf diese Uebelstände lenkt und sie an das Proletariat erinnert, welches auch in der Beamtenschaft allmälig um sich greift. Daß Zulagen nöthig sind, hat man wohl eingesehen. Wir verkennen nicht die schwierige Lage des Österreichischen Finanzetats, die alten Sünden gut zu machen hat und doch von allen Seiten in Anspruch genommen wird, und von dem man oben drein noch Steuererleichterungen, Abschaffung des Lottospiels, der Judensteuer, der Accise u.s.w. fordert. Aus dem Grenzboten, 1847 |
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Subventionsgeber Stadtgemeinde Schwechat, NÖ Landesregierung, NÖ Theaterfest, Bundeskanzleramt Kunstsektion |
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Quelle: Programmheft zu Höllenangst, Schwechat 2003 |
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Nestroy-Spiele 2003 |