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nestroy-spiele schwechat 2001, nachtwandler
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Rothmühle / Rannersdorf, Schlosshof
29. Nestroy-Spiele Schwechat 2001

Nestroy-Jubiläumsjahr: 200. Geburtstag

Nachtwandler

Premiere 30. Juni 2001, Vorstellungen bis 4. August 2001

mein freund

Die Bilanz der 29. Nestroy-Spiele ist sehr erfreulich. Rund 5000 Besucher haben die „Nachtwandler“ gesehen. Auch das Schwechater Wetter hat soweit mitgespielt, dass keine einzige Vorstellung abgesagt werden musste. Zwei allerdings abgebrochen.

Die Aufführung fand große Zustimmung beim Publikum. Auch die Tatsache, dass Adolf Müllers Originalmusik diesmal zum Einsatz kam, war für die Besucher in Schwechat ein – ungewohntes – Erlebnis.

Regenvorstellung zum Abschluss

Ausgerechnet die letzte Vorstellung am 4. August war eine der zwei abgebrochenen: Schon kurz nach Beginn, als Lord Howart davon spricht, wie schwül es sei, setzte Regen ein – Unterbrechung. Nach einem kurzen Schauer wurde neu angefangen, und bis zum Quodlibet kurz vor der Pause bliebs trocken. Das Quodlibet jedoch entwickelte sich zu einem Kampf des Ensembles gegen einen heftigen und ausgiebigen Regenguss. Wobei das Ensemble sich nicht einschüchtern ließ und entschlossen ansang gegen das Wetter und nicht davon abzubringen war, den Akt zu Ende zu spielen. Auch ein Großteil des Publikums harrte im zunehmend strömenden Regen aus bis zum Pausen-Blackout. Dann Flucht unter das Vordach des Buffets bzw. hinter die Bühne. Die Stimmung blieb heiter. Man wartete das Ende des Regens ab. Die Sessel wurden erneut trocken gewischt. Beginn des zweiten Teils mit der Sicherheit, keinen erneuten Regen fürchten zu müssen. Aber ehe noch die Handlung sich zuspitzen konnte zum Mahl im Schloss, bei dem Faden das Überflüssige verlangt, nämlich das Abschneiden von Wathfields Zopf, ehe das Feuerwerk abbrennen, Faden und Strick wieder in ihr armseliges Leben zurückgeworfen werden konnten und zuletzt von den gütigen Lords dann doch in ein biedermeierlich-bescheidenes Wohlstandsleben gerettet, setzte doch wieder Regen ein – diesmal ohne sich anzukündigen, unvermittelt und mit großer Heftigkeit. Ensemble und Publikum flohen entnervt erneut unter schützende Dächer, und die Vorstellung wurde abgebrochen.

Später, das Ensemble schon umgezogen, als alles aufgetrocknet war und trocken blieb, wurde das Feuerwerk nachgeholt und das Quodlibet des zweiten Aktes ohne Kostüm.

Aber der Regen hatte nicht nur verhindert, dass das Publikum dieser letzten Vorstellung den spektakulären Höhepunkt und die Auflösung dieser Geschichte, eine der bitteren und letztlichen pessimistischen Komödien Nestroys, erlebte, sondern uns auch um die melancholische, in ihrer Einfachheit sehr berührende Schluss-Szene der Aufführung gebracht, in der alle in freudigem Impuls, dass sich alles zum Guten gewendet hat, auf Partner oder Partnerin oder den Nächststehenden zugehen mit offenen Armen – aber nachtwandlerisch verloren aneinander vorbei gleiten . . .