Rothmühle / Rannersdorf, Schlosshof
19. Nestroy-Spiele Schwechat 1991
Die Papiere des Teufels
Premiere Freitag, 28. Juni 1991

Heuer stehen „Die Papiere des Teufels“ aus dem Jahr 1842 auf dem Programm, ein wenig erfolgreiches und nie mehr nachgespieltes Stück Nestroys, von dem nur das berühmte Couplet „Es ist alles Chimäre“ in Erinnerung geblieben ist. Zu Unrecht, wie wir meinen. Denn es enthält eine Reihe von Szenen, deretwegen allein sich diese Wiederentdeckung nach beinahe 150 Jahren sicher lohnt.

Der Teufel als dankbares Sujet für spannende oder komische Theatersituationen, aber auch als Objekt der Projekton, als Maske, hinter der versteckt das Böse im Menschen offen zutage tritt, als signifikantes Symbol der von der Gesellschaft verdrängten Triebe und versteckten Aggressionen.
Die liebliche Biedermeier-Fassade erweist sich als Chimäre. Hinter vorgetäuschtem Anstand, behaupteter Moral, scheinbarer Rationalität und Aufgeklärtheit, hinter politisch erzwungender Ruhe und Ordnung, lauert all das, was seit Jahrzehnten gewaltsam unterdrückt wurde und in Kürze zu expoldieren droht. Denn der wahre Teufel steckt natürlich im Menschen selbst. „Wenn man anläut’t, so kommt er!“
