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nestroy-spiele schwechat 1975
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Rothmühle / Rannersdorf, Schlosshof 
3. Nestroy-Spiele Schwechat 1975

Eulenspiegel
oder Schabernack über Schabernack

Juli 1975

Nestroys Ausspruch „Lachen solln die Leut’ bei meinen Sachen und mir soll die G’schicht a biß’l was eintrag’n, damit ich auch lach’“ ist nirgends anderswo so anwendbar, als bei seiner Posse „Eulenspiegel“, die der 34jährige 1835 schrieb. Am 22. April dieses Jahres war die erfolgreiche Premiere im Theater an der Wien. Der Eulenspiegel des „Wiener Aristophanes“, wie man Nestroy häufig nannte, feiert also heuer seinen 140. Geburtstag. Dafür ist er eigentlich noch recht lebendig. Nestroy greift hier einmal in das Gut der Volkssagen und gestaltet diesen Schelm, der ja im Niederdeutschen seine Heimat hat. Der große Flame Charles de Coster hat ihm in seinem Roman „Ulenspiegel“ wohl das signifikanteste Denkmal in der Literaturgeschichte gesetzt. Sein Grabmal zeigt man in Mölln, einem kleinen Städtchen in der Nähe Lübecks, es trägt als Symbol auf dem Stein eine Eule und einen Spiegel. Da der Roman de Costers erst im Jahr 1867 erschienen ist, kann ihn Nestroy nicht gekannt haben. Aber vor Nestroy hat im Jahre 1806 August Kotzebue „einen dramatischen Schwank in einem Akt und in zwanglosen Reimen“, in dessen Mittelpunkt unser Eulenspiegel stand, geschrieben. Der Eulenspiegel Kotzebues ist der dumme, alle Befehle wörtlich nehmende und alles dadurch ins Sinnlose verkehrende Diener des Quacksalbers Brumserus Magnus. Nestroys Eulenspiegel jedoch wurzelt in der Hanswursttradition. Er geht auf Matthäus Stegmayers Lustspiel „Till Eulenspiegel“ zurück.

eulenspiegel
Franz Steiner, Robert Herret, Wolfgang Mock

Nestroy schrieb seinen Eulenspiegel für seinen Freund Wenzel Scholz. Merkwürdig, daß er die Rolle nicht selbst spielte und sich einen Dicken für den Eulenspiegel aussuchte, der unser Freund Wenzel ja war. Er selbst behielt sich die Rolle des einfältig scheinenden Knaben Natzi vor, der’s faustdick hinter den Ohren hat. Dieser Natzt ist ein Vorläufer des Willibald in den „Schlimmen Buben“.

Der berühmte Till, hieß es in einer zeitgenössischen Besprechung, ging siegreich über die Bretter. Und da das Stück im Untertitel „Schabernack über Schabernack“ heißt, kann man weiter lesen, daß sich Herr Nestroy nur einen Nebenpart ausgesucht hatte. Der Dichter Nestroy (Übrigens hat im Laufe der Jahre Nestroy 4mal die Titelrolle gespielt. Das Stück stand bis zu Nestroys Tod auf dem Spielplan und erlebte insgesamt 140 Aufführungen.) wollte offenbar dem Schauspieler Nestroy einen Schabernack spielen und ihn in den Hintergrund drängen, aber der Schauspieler Nestroy spielte dem Dichter Nestroy ebenfalls einen Schabernack und spielte sich wieder in den Vordergrund. Somit wurde beiden Parteien geholfen.

eulenspiegel
Dietmar Liegl, Eveline Bolaffio

Erwähnenswert ist vielleicht auch, daß die berühmte Paula Wessely in einer Volkstheateraufführung des Jahres 1925 die Magd Peppi gespielt hat. In einer Salzburger Aufführung des Jahres 1957 spielte die heute als Kabarettistin bekannte Eva Pilz das Lenchen. Ich selbst inszenierte das Stück im Laufe der Jahre 3 mal. Als Schüleraufführung des Schottengymnasiums im Hotel Post, wo heute die Kammeroper spielt, am 10. November 1927 mit Franz Stoß in der Titelrolle, dann mit Schülern des Schauspielseminars Mozarteum in Salzburg im Fasching 1957 und schließlich zu Weihnachten 1959 an der Vorarlberger Landesbühne mit Fritz Grieb in der Titelrolle. Er ist heute am Burgtheater. So möchte ich also dem unsterblichen Eulenspiegel anläßlich der Aufführung während der Nestroyspiele in Schwechat aus ganzem Herzen nach altem Theaterbrauch zurufen: Hals- und Beinbruch!

Gustav Pichler