Rothmühle / Rannersdorf, Schlosshof
1. Nestroy-Spiele Schwechat 1973
Frühere Verhältnisse/
Zeitvertreib
Juli 1973
Amateurtheater St. Jakob
Die Gründung der Gruppe erfolgte während des 2. Weltkrieges im Rahmen der Kath. Jugend. Damals spielte die Gruppe in der Kirche kleinere religiöse Stücke bzw. im selbst gestalteten Jugendheim Fastnachtstücke von Hans Sachs u. a.; aber auch an große Inszenierungen wie Calderons „Das große Mysterium“ oder „Das große Welttheater“ wagte sich die Gruppe damals schon heran. Initiator war damals Pater Dominik Poppen, der zu dieser Zeit Kaplan in Schwechat war.

Nach dem Krieg erweiterte die Gruppe unter der Leitung von Walter Mock ihren Spielplan und spielte zunächst in Gasthaussälen. Ihr erster großer durchschlagender Erfolg gelang ihr 1949 mit der Freilichtaufführung von Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“.
1959 erfolgte dann die vereinsmäßige Gründung und die Benennung der Gruppe nach dem Wahrzeichen Schwechats - ihrem eigentlichen Ursprung -, der berühmten barocken St. Jakobskirche.
1960 gründete der Obmann der Gruppe Mock das Kulturwerk in der Stadt Schwechat, eine Dachorganisation für die in Schwechat kulturell tätigen Vereine, und gliederte die Amateurtheatergruppe St. Jakob als Sektion in diesen Verband ein. Im gleichen Jahr wurde die von der Stadtgemeinde Schwechat errichtete Theodor-Körner-Halle eröffnet. Seither ist sie Heimstätte der St. Jakobsspieler und deren größeren Inszenierungen.
1971 richtete sich die Gruppe einen von der Brauerei Schwechat zur Verfügung gestellten ehemaligen Gasthausraum als Probe- und Studiobühne für modernere Inszenierungen ein. Der Spielplan der Gruppe ist reichhaltig und reicht vom Klassiker bis zum Boulevardstück. Unter anderem spielte die Gruppe im Laufe der Jahre:
1) Calderon: „Das Leben ein Traum“ 2) Nestroy: „Die schlimmen Buben in der Schule“ 3) Naderer: „Das unheilige Haus“ 4) Lippl „Das Uberlinger Münsterspiel' 5) Rössler: „Job“ 6) Brandon Thomas: „Charleys Tante“ 7) Eckhardt: ',Rendezvous in Wien“ 8) Kästner: „Pünktchen und Anton“ 9) Bekeffi-Stella: „Die unentschuldigte Stunde“ 10) MeIl: „Das Apostelspiel“ 11) Frisch: „Andorra“ 12) Kleist: „Der zerbrochene Krug“ 13) Obey: „Um Mitternacht“ 14) Wilde: „Bunbury“ 15) Soyfer: „Vineta“ 16) Miller: „Alle meine Söhne“ 17) Goetz: ',Der Lügner und die Nonne 18) Van Druten: „So war Mama“ 19) Hausmann: ',Der Fischbecker Wandteppich“ 20) Sartre: ',Bei geschlossenen Türen“ 21) La Fontaine-Stalder-Mock: „Ein Mann im besten Alter“ (Österreichische Erstaufführung) 22) Priestley: „Ein Inspektor kommt“ 23) Kuhn: „Sein wie die Träumenden“.

Im Laufe der Jahre haben es die St. Jakobsspieler auf 136 Aufführungen und rd. 40.000 Besucher gebracht. 30 Gastspiele führten sie in die Schweiz, nach Ost- und Westdeutschland, in die CSSR, nach Belgien, in die Steiermark, nach Wien, Niederösterreich und ins Burgenland.
Die Gruppe zählt zur Zeit rd. 40 Aktive an Spielern, Regisseuren, Bühnenbildnern, Kostümbildnern und Technikern. Im Laufe der Jahre hat sich die Gruppe einen ansehnlichen Fundus an Kostümen und Bühnenbildern geschaffen. Kein Wunder, daß die in Niederösterreich führenden Amateurspieler wesentlich am Aufbau und an der Gestaltung des Österr. Bundesverbandes für Schulspiel, Jugendspiel und Amateurtheater sowie des NO. Landesverbandes beteiligt sind. Im Vorjahr hat die Gruppe das 2. internationale Symposium für österr. Amateurtheater mit rd. 140 Delegierten aus 6 Staaten Europas und allen österr. Bundesländern in Schwechat ausgerichtet.
